Von wegen gleichberechtigt: Frauen verdienen hierzulande 23 Prozent weniger als Männer. Laut einer aktuellen EU-Statistik nimmt Deutschland damit einen traurigen Spitzenplatz bei der Ungleichbezahlung ein. Die mediale Panikmache ist allerdings übertrieben. Im August 2008 meldete das Statistische Bundesamt seine Zahlen zum durchschnittlichen Bruttostundenverdienst von Frauen, beziehungsweise Männern in Deutschland (Die Karrierebibel berichtete). Danach verdienten Frauen mit 14,05 Euro im Jahr 2006 um 24 Prozent weniger als Männer mit einem Durchschnittsbrutto von 18,38 Euro. Glaubt man den EU-Zahlen, hat sich das Ergebnis also zumindest um einen Prozentpunkt verbessert. Ein Grund zum Jubel ist das freilich nicht – ungerecht bleibt es dennoch.
Ein wichtiger Grund für die Ungleichheit sei die hohe Teilzeitquote von Frauen und der hohe Frauenanteil im Niedriglohnbereich, sagte der zuständige EU-Sozialkommissar Vladimir Spidla. 38 Prozent aller erwerbstätigen Frauen arbeiten Teilzeit – viermal so viel wie Männer.
Laut Statistischem Bundesamt gibt es die größte Gehaltsschere bei unternehmensnahen Dienstleistungen (30 Prozent), dicht gefolgt vom im Kredit- und Versicherungsgewerbe (29 Prozent) und im Verarbeitenden Gewerbe (28 Prozent). Deutlich fairer wird in den Wirtschaftszweigen Bergbau (5 Prozent), Verkehr- und Nachrichtenübermittlung (9 Prozent) sowie im Gastgewerbe (13 Prozent) bezahlt. Allerdings arbeiten in diesen Wirtschaftszweigen aufsummiert nur 7 Prozent aller Frauen. In keinem Wirtschaftszweig verdienten Frauen im Durchschnitt mehr als Männer.
Gehaltsunterschiede…
| …nach Branchen | Abstand zu Männern in Prozent |
| Unternehmensnahe Dienstleistungen | -30 |
| Kredit- und Versicherungsgewerbe | -29 |
| Verarbeitendes Gewerbe | -28 |
| Gesundheits-, Veterinär-, und Sozialwesen | -25 |
| Handel, Reparatur von Gebrauchsgütern | -25 |
| Öffentliche und persönliche Dienstleistungen | -22 |
| Energie- und Wasserversorgung | -21 |
| Erziehung und Unterricht | -16 |
| Baugewerbe | -14 |
| Gastgewerbe | -13 |
| Verkehr- und Nachrichtenübermittlung | -9 |
| Bergbau, Gewinnung von Steinen und Erden | -5 |
| …nach Regionen | Abstand zu Männern in Prozent |
| Westdeutschland | -25 |
| Ostdeutschland | -6 |
1. Kommentar
Roland
23.02.09 um 13:02 Uhr
Hallo!
Wir haben zufällig gerade noch darüber diskutiert :-) und haben festgestellt, dass an Hochschulen nur rund 10% Frauen an der Forschung teilnehmen. Das heißt auch, das weniger Frauen hochbezahlte Arbeitsplätze innehaben und somit im Durchschnitt weniger verdienen. Was ich damit sagen will ist, dass 23% eine Zahl ist, die sehr wenig aussagt. Wie sieht es aus, wenn man den Arbeitsplatz im speziellen vergleicht? Vielleicht wenigstens ein bisschen besser :-)
Viele Grüße
Roland
2. Kommentar
Tinkerbell
26.02.09 um 10:10 Uhr
Interessant das zu lesen. Ich musste feststellen, dass mein weniger qualifizierter, männlicher Mitarbeiter mehrere Hundert € mehr verdient als ich. Ich weiß, warum die ich die Firma bald verlassen werde :-)
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