Nur noch jeder zweite Beschäftigte (52 Prozent) arbeitet mit einem Tarifvertrag. Das hat jetzt das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in seiner jährlichen Studie dazu festgestellt. Zum Vergleich: 1996 arbeiteten in Westdeutschland noch 70 Prozent der Beschäftigten in Betrieben mit einem Branchentarifvertrag. Noch stärker davon betroffen sind allerdings die Arbeitnehmer in Ostdeutschland: Hier sank der entsprechende Anteil der Tarifbeschäftigten im gleichen Zeitraum von 56 auf 38 Prozent.

Natürlich lassen sich die Zahlen auch anders herum interpretieren. So arbeiteten 2009 ebenfalls 19 Prozent der westdeutschen und 24 Prozent der ostdeutschen Beschäftigten in Betrieben, die sich an einem Branchentarifvertrag orientierten. Für weitere 9 Prozent der Beschäftigten im Westen und 13 Prozent im Osten galt ein zwischen Betrieb und Gewerkschaft abgeschlossener Firmentarifvertrag. Diese Arbeitnehmer profitieren also durchaus, wenn die Tarifverträge angehoben werden – der Rest indes muss sein Gehalt selbst aushandeln. Deshalb noch…
Sieben Tipps zur Gehaltsverhanldung
- Argumentieren Sie über Leistung! Der beste Tipp für mehr Gehalt ist zugleich der banalste: Machen Sie einen exzellenten Job! Und bemühen Sie sich um ein exzellentes Verhältnis zum Chef. Inflation, eine Pflegefall in der Familie oder Lust auf Luxus sind keine Argumente. Nur wer deutlich mehr leistet als andere oder eine deutlich anspruchsvollere Tätigkeit als bisher erledigt, kann mehr herausholen.
- Machen Sie sich vorher schlau! Und zwar über Ihren Marktwert, den Verhandlungsspielraum und mögliche Alternativen. Recherchieren Sie also, was Ihre Leistung wert ist und was Kollegen im selben oder in vergleichbaren Unternehmen für vergleichbare Arbeitsleistung bekommen. Und: Welche Ziele haben Sie schon im vergangenen Jahr erreicht? Oder gar übererfüllt? Oder falls nicht: Was wollen Sie dieses Jahr besser machen? Sie riskieren sonst nicht nur den Erfolg Ihrer Mission, sondern auch Ihren Ruf als informierter Leistungsträger.
- Formulieren Sie ein klares Ziel! Wer herumeiert à la „500 Euro wären ganz nett“, erntet sicher nichts Nettes, sondern nichts. Über den Erfolg solcher Verhandlungen entscheidet nicht zuletzt Ihr Selbstvertrauen und selbstbewusstes Auftreten.
- Rechnen Sie mit Gegenargumenten! Chefs sind geübt darin, Forderungen abzubügeln. Überlegen Sie sich also vorher mögliche Einwände und wie Sie diese kontern können. Gut ist immer, wenn der Schwerpunkt Ihrer Argumentation auf dem Nutzen für das Unternehmen liegt (Kosten senken, Mehrwert bringen, Umsatz erhöhen, etc.). Dagegen kann keiner etwas haben.
- Überzeugen Sie nie durch Druck! Überzeugen Sie vielmehr durch eine Darstellung Ihres einzigartigen Beitrags zum Unternehmenserfolg. Was unterscheidet Sie persönlich und fachlich von Ihren Kollegen? Was haben Sie denen voraus? Aber bitte die anderen dabei nicht schlecht machen! Wer seine Wünsche dagegen aggressiv oder gar erpresserisch vorträgt („…sonst kündige ich!“), manövriert sich direkt ins Aus. Das signalisiert, dass Sie nur an den eigenen Vorteil denken.
- Überreizen Sie nicht! Ihre Forderung sollte in jedem Fall moderat ausfallen. Wer etwa in wirtschaftlicher Schieflage zweistellige Prozentzuwächse verlangt, erntet bestenfalls ein Lächeln. Gerade wenn das Unternehmen durch schweres Wasser schippert, sollten auch Sie Entgegenkommen signalisieren. Sie sind Teil einer Mannschaft – kein Solist.
- Bleiben Sie diskret! Erfolgreiche Gehaltserhöhungen sollte man für sich behalten. Sie wecken sonst nur Neid und Begehrlichkeiten. Und das stört das Betriebsklima. Informations-Bulimiker verärgern nicht nur den Chef, sie unterwandern auch sein Vertrauen. So jemandem wird er künftig weder Gehör schenken noch Entgegenkommen.


