Mathias ist der Typ offenes Buch: Er posaunt seine Meinung heraus, sagt, was er denkt und berichtet jedem über sein Leben, seine Pläne. Er ist ein wirklich ehrlicher Mensch, ein sympathischer Charakter. Er hat viele Zuhörer und wahrscheinlich denkt er, wenn er andere durch seine Offenheit von seinem edlen Wesen überzeugt, steigert das seine Reputation.
Denkste. Was die Leute wirklich wahrnehmen, ist: Der Kaiser ist nackt! Und das macht es schwer, ihn künftig zu respektieren. Er amüsiert, keine Frage. Aber Macht wird nur dem zuteil, der Respekt wecken kann. Dem zeitweiligen Geheimniskrämer ergeht es dabei in der Regel besser: Die anderen haben keine Ahnung, was er vorhat und können sich deshalb schwer darauf einstellen. Das erhöht seine Aufmerksamkeit genauso, flößt den anderen aber Ehrfurcht ein, weil sie sich nun mit heimlichen Plänen beschäftigen, statt selbst welche zu schmieden.
Natürlich heißt, seine wahren Absichten zu verbergen nicht, sich zu verschließen. Das macht andere nur misstrauisch. Man kann und sollte ruhig von seinen Plänen und Ideen sprechen – nur nicht notwendigerweise immer von den wahren und auch nicht von allen. Das hat gleich drei Vorteile:
- Man wirkt offen, freundlich und vertrauenswürdig,
- verbirgt seine Absichten und
- beschäftigt mögliche Rivalen mit einer falschen Fährte.
Es ist ein Irrglaube, dass man nur Gutgläubige auf die zeitraubende Jagd nach dem falschen Köder schicken könnte. Das Gegenteil ist richtig: Gerade Paranoide und Übervorsichtige lassen sich am leichtesten ablenken. Der Trick ist, zuerst auf einem Gebiet ihr Vertrauen zu gewinnen. Kaum einer kann sich danach vorstellen, dass die nette, harmlose Person, mit der man es eben noch tun hatte, doch etwas anderes im Schilde führt. Das klingt vielleicht noch abstrakt. Aber genauso funktionieren Geschenke: Sie sind die perfekte trojanische Täuschung. Kaum ein Mensch kann dem Ausdruck von Wertschätzung widerstehen. Das kann ein materielles Präsent sein, genauso wie eine scheinbare Vertraulichkeit, zugeflüstert unter höchster Exklusivität. Wer so umschmeichelt wird, gibt leicht eigene Geheimnisse preis. Seien Sie vorsichtig mit Geschenken! Weniger, wenn sie von Griechen kommen, dafür umso mehr von Konkurrenten.
Das ist aber nur eine Technik, wie man andere dazu bringen kann, ihre wahren Pläne zu offenbaren. Die andere ist, ihnen vehement zu widersprechen, sie bis zur Rage zu reizen. Dann verlieren nahezu alle ein Stück weit die Kontrolle, reagieren emotional und verraten sich.
Die dritte Strategie ist das Spiel mit der Eitelkeit. Je tiefer man in die Machtzirkel eindringt, desto häufiger begegnen einem Menschen, die in sich selbst verliebt sind. Dumm nur, dass an dieser Liebe kein anderer beteiligt ist. Sie bleibt deshalb immer unbefriedigend – und das ist Ihre Chance: Schauen Sie tief in die Seele des anderen, loten Sie seine Vorlieben aus und machen Sie sich zu einer Art Echo. Kaum einer macht sich heute die Mühe, die Dinge mit den Augen des anderen zu sehen, ihn wirklich zu verstehen. Wer das bewusst tut, das Innerste seines Gegenübers spiegelt, der entwaffnet und überwältigt ihn zugleich.






