Der aktuelle Job macht keinen Spaß mehr, es fehlen die Herausforderungen, eine Perspektive sowieso, die Kollegen nerven und der Chef sowieso. Das alles sind Alarmzeichen – dafür, dass bei Ihnen gerade einiges aus dem Ruder läuft oder aber, dass es Zeit wird, sich eine neue Stelle zu suchen. Aus ungekündigter Position heraus ist das zudem recht komfortabel: Sie haben keinen wirklichen Zeitdruck, am Ende des Monats kriegen Sie weiterhin Ihr altes Gehalt, vor allem aber: Sie sitzen am Drücker und entscheiden, wann und wohin die Reise gehen soll. Zu Ihren ganz individuellen Bedingungen.
Natürlich hat auch diese Medaille eine Kehrseite, wäre ja sonst auch zu einfach gewesen… Während Sie also einerseits ganz entspannt den Arbeitsmarkt sondieren, Ihren Marktwert testen sowie Ihre Bewerbungsunterlagen auf Vordermann bringen und Ihre Netzwerke aktivieren können, müssen Sie zugleich behutsam mit Ihren Plänen und Absichten sein – insbesondere gegenüber Ihrem Chef und den Kollegen. Da herrscht praktisch absolute Schweigepflicht.
Die erste Empfehlung bei der Jobsuche aus einem bestehenden Arbeitsverhältnis heraus lautet daher: Behalten Sie die Sache möglichst für sich und überlegen Sie ganz genau, wem Sie sich im Job anvertrauen. Die Kollegin, die gestern noch Ihre beste Klatsch-Freundin war, kann morgen schon zur Intrigantin werden, wenn sie hört, dass Sie das gemeinsame Unternehmen verlassen wollen. Es ist nun mal ein Loyalitätsbruch, und man weiß nie, welche fast schon religiöse Bindung mancher an den bisher gemeinsamen Arbeitgeber pflegt. Und bekommt der Boss erst einmal Wind von der Sache, sind Ihre Tage dort gezählt – und mit der entspannten Suche ist es dann auch vorbei.
Darüber hinaus gilt es noch diese vier Punkte zu beachten:
- Verändern Sie keine Gewohnheiten. Falls Sie bisher immer in Jeans und Hoodie zur Arbeit erschienen sind, wäre es zu auffällig, wenn Sie plötzlich im Anzug erscheinen – und dann auch noch in der Mittagspause für längere Zeit verschwinden. In dem Fall weiß dann sowieso jeder sofort bescheid. Aber auch andere Veränderungen sind verräterisch: Häufigere Telefonate, die Sie heimlich führen oder sich dazu zurückziehen; besagte Mittagspausen, die Sie nun seltener mit den Kollegen verbringen; ein auffällig veränderter Kleidungsstil. Bleiben Sie lieber bei den vertrauten Routinen – und verlegen Sie die Jobsuche auf den Feierabend. Headhunter haben dafür Verständnis – auch dafür, dass Sie die Kleidung nicht wechseln können, ohne aufzufallen. Besser wirkt freilich, Sie haben den passenden Anzug im Auto und ziehen sich beispielsweise heimlich in einer Tiefgarage um.
Lassen Sie nichts liegen. Gut, manchmal lassen sich erste Kontaktaufnahmen nicht auf den Feierabend verschieben. In diesem Fall sollten dennoch möglichst nichts im Büro auf Firmenpapier notieren oder dort liegen lassen. Headhunter rufen zwar meist auf der Firmennummer an, lassen sich per Mail aber leicht auf das Handy und einen späteren Termin umlotsen. GMail (und andere) erlaubt Ihnen beispielsweise, mehrere E-Mails vorzubereiten und als Entwürfe zu speichern. Dort können Sie dann ein neutrales Anschreiben verfassen und Ihren aktuellen Lebenslauf als PDF schon hochladen. Ruft dann ein Personalberater bei Ihnen an, fragen Sie den nur unauffällig nach dessen E-Mail-Adresse, geben diese über Ihr Smartphone bei einem der gespeicherten Entwürfe ein – und schon hat der Headhunter Ihre privaten Kontaktdaten und ersten Unterlagen. Es versteht sich von selbst, dass Sie für Ihre Jobsuche ohnehin nicht das Diensthandy oder den Firmenrechner verwenden.- Streuen Sie die Kunde nicht zu breit. Überlegen Sie sich auch im privaten Umfeld genau, wem Sie von Ihrer Wechselabsicht erzählen. Das gilt auch für Freunde. Sie wissen ja: Jeder kennt jeden um maximal sieben Ecken (Kleine-Welt-Phänomen) und im Internet sind es sogar nur drei im Schnitt. Wenn Sie also allzu redselig werden, kann das schnell zum Bumerang werden. Insbesondere in Sozialen Netzwerken, wie Xing, Linkedin, Facebook und Co. sollten Sie noch einmal ganz genau prüfen, mit wem Sie dort aus dem Unternehmen befreundet sind. Entsprechend sollten Sie auf auffällige Veränderungen in Ihrem Profil verzichten: “suche Herausforderungen” ist ebenso verräterisch, wie seinen Lebenslauf samt Foto auszuwechseln oder anzureichern. So etwas sollten Sie besser schon heute tun – wenn Sie noch gar keinen neuen Job suchen. Und: Lästern Sie während Ihrer Umschau auf keinen Fall über den aktuellen Arbeitgeber – davon könnte der neue ebenfalls hören, und Sie laden schnell wieder im Aus.
Kündigen Sie erst, wenn der neue Vertrag unterschrieben ist. Der Tipp mag offensichtlich sein – trotzdem kommt es immer wieder vor, dass sich Jobwechsler auf mündliche Zusagen verlassen. Schön blöd. Im schlechtesten Fall sind Sie dann beides los: den alten und den neuen Job. Und weil Sie selbst gekündigt haben, gibt es drei Monate lang nicht mal Arbeitslosengeld. Auch wenn der neue Arbeitgeber gerne Zeit sparen und die Kündigungsfrist möglichst rasch hinter sich bringen will: Niemals kündigen, bevor die Tinte auf dem neuen Arbeitsvertrag nicht trocken ist und Sie den im Zweifel auch noch mal von einem Arbeitsrechtler haben prüfen lassen. So viel Zeit muss sein. Professionell ist es überdies.
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Hans
… autobiographisch ;) ?
Dirk Ellerbrok
Bei XING schaltet man am während der Stellensuche am besten fast alle Nachrichten über eigene Aktivitäten aus: Klick auf das eigene Bild links oben, dann rechts auf “Einstellungen” klicken, dann auf den “Bearbeiten”-Button neben “Meine Aktivitäten”.
Dort dann am besten “Persönliches”, “Stammdaten” und sicherheitshalber auch “Neue Kontakte” und “Unternehmensprofile” deaktivieren. Dann dürften einem einige der beschriebenen Fauxpas nicht so leicht passieren.
Für Vertriebsmitarbeiter ist es übrigens eh generell gut, “Neue Kontakte” deaktiviert zu lassen, damit nicht ggf. existierender Wettbewerb unter den eigenen Kontakten über neue Leads informiert wird… :-)
Jochen Mai
Hey Dirk, vielen Dank für die Ergänzung. Gute Tipps! (Gerne mehr davon…)