„Mein Arbeitgeber steuert in eine schwere Krise. Jetzt stecke ich vor der Frage: Soll ich kündigen oder bleiben?“

„Das ist tatsächlich ein Dilemma: Wenn du bleibst, hast du vielleicht die Chance, mit deiner Leistung noch positiver aufzufallen oder gar den Turnaround zu schaffen. Zudem machen dich Erfahrungen als Krisenmanager extrem wertvoll für den Arbeitsmarkt. Auf der anderen Seite stellt es ein hohes Risiko dar, zu bleiben: Geht das Unternehmen endgültig unter, beschädigt das deinen Ruf, denn du warst Teil davon.“

„Ja, aber ich hatte keine Schuld!“

„Das ist unerheblich. Du hattest ja die Chance, rechtzeitig abzuspringen, bist es aber nicht. Es gibt sogar eine Studie der Universität Indiana, die nachwies, dass Manager, die ihrem Krisenunternehmen treu blieben, hinterher zu 54 Prozent schlechtere Jobs hatten. Bei den Flüchtlingen waren es nur 41 Prozent. 77 Prozent der Treuen mussten für den Job gar ihren Ort wechseln – verglichen mit 23 Prozent der Illoyalen.“

„Aber genau das ist der Punkt: Ich fühle mich so ehrlos, einfach abzuhauen, wenn der Laden schlecht läuft. Schließlich waren die in den vergangenen Jahren auch gut zu mir.“

„Verständlich. Vergiss dabei aber nicht: Die waren gut zu dir, weil du gut für sie warst. Wärst du in deren Augen kein Leistungsträger, stündest du jetzt gar nicht vor dem Dilemma, sondern würdest längst einen neuen Job suchen müssen!“

„Und was soll ich nun machen?“

„Abwägen. Wie groß sind die Chancen, dass dein Arbeitgeber die Krise heil übersteht oder den Turnaround schafft? Wie gut ist das Top-Management, um den Sturzflug aufzuhalten? Wenn du das Risiko für überschaubar und deinen Einfluss auf den Erfolg für groß hälst, spricht vieles für das Wagnis. Ansonsten solltest du schleunigst den Fallschirm packen und abspringen…“