Lightspring/Shutterstock.comStudenten geisteswissenschaftlicher Fächer haben es auf dem Arbeitsmarkt nicht unbedingt leicht. Viele Unternehmen können mit geisteswissenschaftlichen Abschlüssen und Fachrichtungen nicht viel anfangen und daher nicht einschätzen, welche Vorteile entsprechende Bewerber bieten. Doch auch die Absolventen und Bewerber selbst präsentieren sich oft nicht gerade vorteilhaft und scheitern daran, ihren Wert und ihre Kompetenzen in Bezug auf die ausgeschriebene Stelle deutlich zu machen. Unsere Karrieretipps können das ändern.

Geisteswissenschaftler: Kennen Sie Ihre Kompetenzen?

Die mangelnde Selbstpräsentation auf Bewerber-Seite hat einen einfachen Grund: Viele Geisteswissenschaftler absolvieren ihr Studium - hoffentlich - aus Überzeugung und Begeisterung für das Thema. Der praktische Nutzen im Arbeitskontext und ihre entsprechenden Kompetenzen sind vielen jedoch gar nicht so klar. Der erste Schritt sollte also darin bestehen, sich die eigenen Kompetenzen und Fähigkeiten bewusst zu machen.

Dabei spielt der berufliche Bezug zunächst noch gar keine Rolle. Wichtig ist, dass Sie sich als Student oder Absolvent darüber klar werden, wo Ihre Stärken liegen, was Sie wirklich gut können und welche Fähigkeiten und Eigenschaften Sie auszeichnen. Für diese Analyse empfehle ich Ihnen, die folgenden Fragen als Basis zu nutzen:

  • Welche Arbeitsschritte und Aufgaben fallen Ihnen im Studium leicht?
  • Welcher Teil des wissenschaftlichen Arbeitens liegt Ihnen besonders gut?
  • Bei welchen Arbeitsschritten tun Sie sich schwer?
  • Welche Gebiete und Aufgaben interessieren Sie?
  • Welche Stärken sehen und schätzen Ihre Kommilitonen und Professoren an Ihnen?
  • Welche Schwächen machen Ihnen immer wieder zu schaffen?
  • Können Sie sich schnell und leicht in neue Gebiete einarbeiten?

Beantworten Sie diese Fragen ernsthaft und ehrlich, werden Sie nach und nach einen Überblick über Ihre Stärken und Fähigkeiten gewinnen. Dann folgt der zweite Schritt: Die Einordnung in den beruflichen Kontext.

Geisteswissenschaftler im Unternehmen: Mehr Kompetenzen, als Sie ahnen

ollyy/shutterstock.comDieser Schritt ist oft der schwerste, erfordert er doch ein gewisses Umdenken und die gedankliche Annäherung an den Arbeitskontext. Bevor sich jetzt der eine oder andere Geisteswissenschaftler aufregt: Nein, ich unterstelle nicht, dass es sich bei allen Studenten der Geisteswissenschaften um weltfremde, romantisch verklärte Menschen handelt, die von der Arbeitswelt keine Ahnung haben.

Doch vielen Studenten und Absolventen geisteswissenschaftlicher Studienfächer fehlt schlicht Erfahrung in Unternehmen. Daher fällt es ihnen schwer, ihre Kompetenzen und Stärken mit den in Stellenausschreibungen geforderten Fähigkeiten in Verbindung zu bringen und einzuschätzen.

Um die fehlende Erfahrung auszugleichen, sollten Sie sich als Student und/oder Absolvent daher mit Young Professionals und berufserfahrenen Arbeitnehmern mit geisteswissenschaftlichem Hintergrund zusammensetzen und deren Erfahrungen für sich nutzen. Eine Möglichkeit für die Kontaktaufnahme bieten hier die Alumni-Foren und -Veranstaltungen, die an allen Hochschulen angeboten werden. Suchen Sie hier aktiv den Kontakt zu Young Professionals, beteiligen Sie sich an Gesprächen und stellen Sie Fragen zum Arbeitsalltag. Sie werden sehen, durch solche Gespräche können Sie sich schnell einen ersten Eindruck des Arbeitsalltag verschaffen und Ihre Kompetenzen nach und nach zuordnen.

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Selbst die besten Gespräche können eigene Erfahrung jedoch nicht ersetzen. Daher empfehle ich Ihnen, sich bereits während des Studiums nach Praktikumsmöglichkeiten umzuschauen und auch Ihre Studentenjobs möglichst in Unternehmen zu absolvieren, die als Arbeitgeber infrage kommen. Das ist natürlich leichter geschrieben als getan und bietet Ihnen zunächst noch keine Orientierung zu Ihren berufsbezogenen Fähigkeiten. Daher habe ich im Folgenden einige Kompetenzen und Eigenschaften zusammengestellt, die Geisteswissenschaftler für Arbeitgeber attraktiv machen:

  • Die Fähigkeit, Zusammenhänge schnell zu erfassen und Auswirkungen frühzeitig zu erkennen.
  • Eine schnelle Auffassungsgabe die es Geisteswissenschaftlern erlaubt, sich auch in komplexe Situationen und Zusammenhänge schnell einzuarbeiten.
  • Das Denken in Netzwerken und Zusammenhängen, das oft zu erstaunlich kreativen Verknüpfungen und Lösungen führt.
  • Die Fähigkeit zur systematischen Analyse und Bearbeitung von Literatur und Quellen.
  • Der geübte Umgang mit großen Textmengen und die Fähigkeit, diese schnell zu erfassen und wichtige Informationen extrahieren zu können.

Geisteswissenschaftler: Suchen Sie Praxiserfahrung

Ich habe es bereits anklingen lassen: So viele Kompetenzen Sie auch mitbringen, ohne praktische Erfahrung können Sie bei der Jobsuche vor einem ernsthaften Problem stehen. Daher sollten Sie frühzeitig nach Möglichkeiten suchen, genau diese Erfahrung zu sammeln.

Neben den bereits erwähnten Praktika gibt es hier jedoch noch weitere Möglichkeiten und Wege. Dazu gehören unter anderem:

  • Kooperationsprojekte von Hochschule und Unternehmen
  • Projekte mit hohem Praxisanteil
  • Orchideenfächer, die mit und in Unternehmen durchgeführt werden.
  • Studentenjobs in passenden Unternehmen
  • Studien- und Semesterarbeiten in Kooperation mit Unternehmen
  • Werkstudenten-Stellen und Programme

All diese Optionen stellen im Vergleich zu regulären Studium einen zusätzlichen Aufwand dar. Doch wenn Sie das notwendige Engagement investieren, profitieren Sie davon mehrfach. Dann so verbessern Sie nicht nur Ihre Bewerbungs- und Jobchancen, sondern erhalten auch wichtige Impulse für Ihre persönliche Entwicklung und Ihr Studium.