Rund 40 Millionen Deutsche sind inzwischen im Netz – 64 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren, so die aktuelle Erhebung „Internet Facts 2007-III“ der Arbeitsgemeinschaft Online Forschung (AGOF). Bei den 14- bis 29-Jährigen verfügen bereits 92,9 Prozent über einen Internetzugang, von den 30- bis 49-Jährigen sind es immer noch 79,3 Prozent und die über 50-Jährigen sind mit 36,4 Prozent dabei. Hauptgründe für Online-Affinität sind laut Studie:

  1. Information über Produkte
  2. E-Mail-Kommunikation
  3. Informationsrecherche

Der letzte Punkt hat es allerdings in sich. So stellt eine andere aktuelle Studie des University College London (.pdf) fest, dass die sogenannte Generation Google zwar viel im Internet recherchiert und auch weiß, wo sie suchen muss, mit der Masse der Informationen jedoch kaum umgehen kann: Inhalte werden kaum kritisch hinterfragt, analysiert oder eingeordnet. Der Effekt: Die Leute lesen zwar vieles und klicken sich so durch – sie lernen aber kaum etwas dazu.

In this report, we define the `Google generation’ as those born after 1993 and explore the world of a cohort of young people with little or no recollection of life before the web. […] Internet research shows that the speed of young people’s web searching means that little time is spent in evaluating information, either for relevance, accuracy or authority. […] Young people have a poor understanding of their information needs and thus find it difficult to develop effective search strategies. […] As a result, they exhibit a strong preference for expressing themselves in natural language rather than analysing which key words might be more effective. […] Faced with a long list of search hits, young people find it difficult to assess the relevance of the materials presented and often print off pages with no more than a perfunctory glance at them.

Die Haupteigenschaften der Generation Google sind demnach:

  1. Cut-and-Paste. Sie vervielfältigen Informationen, verlinken sie, kopieren und kommentieren sie. Aber die wenigsten gehen tiefer, recherchieren weiter, ordnen ein oder hinterfragen.
  2. Bilder vor Text. Zwar hat das geschriebene Wort auch weiterhin eine große Bedeutung. Multimediale Inhalte, insbesondere Videoclips oder Animationen, üben jedoch die größere Anziehungskraft aus.
  3. Multitasking. Soziale Netzwerke, E-Mail, Twitter, Blogs, Foren, Chat-Rooms – die Generation Google ist auf allen Informationsplätzen gleichzeitig. Der Effekt: Die durchschnittliche Zeit, in der man sich mit einer Sache beschäftigt, nimmt ab. Damit fehlt zunehmend auch die Muße, sich mit neuen Informationen, Nachrichten oder kritischen Analysen zu beschäftigen.

Das Szenario ist beängstigend. Nicht nur, weil es eine völlig neue und bedenkliche Definition von Wahrheit und Wissen erzeugt (Wahr ist, was die Masse für wahr hält, weil es sich oft genug im Netz findet. Oder kurz: Wiederholungen sind mächtiger als die Wahrheit), sondern weil sie auch zeigt, wie sehr diejenigen versagt haben, die dem hätten entgegen wirken können: Bildungsinstitutionen, Journalisten, Blogger. Vor allem diese drei Gruppen müssen sich fragen, ob sie Informationen einfach nur vervielfältigen und zu Link- und Nachrichtenschleudern mutieren oder ob sie stärker auswählen, analysieren, überprüfen, kommentieren und so ein wertvolles Informations-Gegenangebot schaffen. Ich bin davon überzeugt: Je mehr der Informationsberg wächst, desto mehr suchen die Leser nach qualitativer Auslese. Ein solches Angebot wird sich langfristig durchsetzen – dazu muss es aber auch angeboten werden. Darüber hinaus sind Schulen, Hochschulen sowie Medien genauso gefragt, für mehr Medienkompetenz im Umgang mit Webinformationen zu sorgen. Google-Treffer sind eben nicht alles.