Studium in Regelzeit, Praktika im In- und Ausland, Traumnoten an einer Hochschule mit Renommee, viel Engagegment – und trotzdem keinen Job. So ergeht es derzeit vielen: Die aktuelle Generation von Berufseinsteigern wird von der Krise voll erfasst. Nur 19,7 Prozent der US-Absolventen, die sich 2009 um einen Arbeitsplatz beworben haben, waren bislang erfolgreich, so eine Umfrage der National Association of Colleges and Employers. Vor zwei Jahren waren es noch 51 Prozent.
Und hierzulande? Kaum besser. Seit November 2008 ist die Zahl der Arbeitslosen bei den unter 25-Jährigen um 26 Prozent gestiegen. In den Branchen Metall, Elektro, Maschinen- und Fahrzeugbau gingen die Jobangebote um rund 50 Prozent zurück. Dafür werden immer mehr Praktika angeboten.
Mein Kollege Daniel Rettig befasst sich in der aktuellen WirtschaftsWoche näher mit dem Thema. Schon jetzt zeichnet sich ab: Die Generation Praktikum erlebt gerade ein Comeback.
Als die WirtschaftsWoche Ende 2008 und noch mal im April 2009 rund 300 Unternehmen danach befragte, wer dieses Jahr überhaupt noch einstellt, sank die Zahl der Jobangebote von 23.000 auf 16.500 Stellen (siehe WirtschaftsWoche 15/2009). Die Zahl der angebotenen Praktika stieg derweil auf 17.000 Plätze. Mehr noch:
- Die Hälfte der unter 30-Jährigen hat bereits drei oder mehr Praktika gemacht, 20 Prozent sogar fünf oder mehr.
- Nur ein Drittel der 18– bis 34-Jährigen findet derzeit nach der Ausbildung oder dem Studium nahtlos einen regulären Job, 43 Prozent gelingt dies erst auf Umwegen.
- 51 Prozent der Praktika, die Berufseinsteiger machen, sind unbezahlt. Aber über 80 Prozent von ihnen wurden mehr als die Hälfte der Zeit als normale Arbeitskraft eingesetzt.
Es ist eine prekäre Situation. Wer das nicht mitmacht, riskiert auf der Straße zu landen; wer die Klappe hält, seine Ansprüche herunterschraubt, hat zumindest Hoffnung. Denn auch wenn das Praktikum als Ausnutzen billiger Arbeitskraft verschrien ist – in schlechten Zeiten dient es Bewerbern oft als einzige Eintrittskarte ins Arbeitsleben. Immerhin: In 39 Prozent der Fälle finden Arbeitgeber Mitarbeiter unter ihren Ex-Praktikanten, so das Institut der deutschen Wirtschaft.
Was nach einer halbwegs akzeptablen Nachricht klingt, hat jedoch eine Kehrseite: Arbeitsmarktexperten prophezeien, dass die Generation Praktikum noch weit über die Krise hinaus an den Folgen der aktuellen Einstellungspraxis zu knapsen haben wird. Vor allem an dauerhaft niedrigeren Gehältern, schlechteren Karriereoptionen und kaum Vergünstigungen.







Peter
“Immerhin: In 39 Prozent der Fälle finden Arbeitgeber Mitarbeiter unter ihren Ex-Praktikanten, so das Institut der deutschen Wirtschaft.”
Ja, von den 5 Prozent der Arbeitgeber, die das überhaupt tun, klappt das mit 39prozentiger Wahrscheinlichkeit.
http://www.netzeitung.de/arbeitundberuf/1150657.html
Die Quote bzw. die Erfolgswahrscheinlichkeit über ein Praktikum einzusteigen lautet also 1,95 Prozent. Oder habe ich da was falsch gerechnet?
Die Daten des IAB sehen ähnlich aus:
http://doku.iab.de/kurzgraf/2009/kbfolien1109tab7.pdf
Nur sehr wenige Unternehmen gehen diesen Weg, dann allerdings mit einer ganz guten Erfolgquote. Unter dem Strich ändert sich nicht viel. Die Erfolgschancen für Praktikanten sind auch bei den IAB-Zahlen äußerst mau.
Das Praktikum wird zwar immer als 1A-Einstiegsmöglichkeit gefeiert und es wird immer schön mit der Hoffnung der Praktikanten gespielt (vgl. Zeitarbeiter), die Zahlen sprechen allerdings eine sehr deutliche Sprache: Gegen das Praktikum als Einstiegsweg.
Weitere Infos zu Praktika, auch zur rechtlichen Situation (ja, Praktikanten haben auch Rechte, obwohl das so mancher Arbeitgeber nicht wahrhaben will): http://www.fairwork-ev.de/cms/front_content.php
Leider wird Praktikantenausbeutung streckenweise schon zum System: http://www.youtube.com/watch?v=SsbpF9xd-PE
Ute
Ich kann eigentlich nur sagen, daß ich jederzeit wieder meinen alten Weg gehen würde: Studium von vornherein im Ausland (England, BA, und Frankreich, MA), Praktikum ins Studium eingebunden. Ich war nach dem MA sechs Wochen “arbeitslos” und habe dann ein Stellenangebot von der Firma erhalten, in der ich auch das Praktikum gemacht hatte. Ohne mich überhaupt beworben zu haben. Ausschlaggebend dafür war ganz klar die Tatsache, daß meine Ausbildung nicht dem Standard entsprach.
Michael (Eifelpfeil) Kieweg
Ich kenne einige (große) Firmen im Aachener Raum, die den überwiegenden Teil ihres Geschäftes mit Praktikanten und Doktoranden erledigen. Dazu kommen dann noch ein paar Leiharbeiter “für’s Grobe”. Damit bleibt dann eine Quote von 10% für Festangestellte.
Aus meiner eigenen Erfahrung als Leiharbeiter (Techniker) kann ich nur sagen: “Es ist KEIN Einstieg in einen normalen Job!
Ich hatte dort im technischen Büro Kollegen, die schon seit 6 oder mehr Jahren als Zeitarbeiter, mit allen damit verbundenen Nachteilen, am selben Schreibtisch saßen. Gesetzliche bestimmungen wurden da mit einfachen Hilfskonstruktionen umgangen. Bspw. waren diese Leute “offiziell” bei einer anderen Firma beschäftigt und von dieser an die Firma, in der sie tatsächlich arbeiteten,ausgeliehen.
Solche Praktiken setzen natürlich immer voraus, daß der Arbeitnehmer mitspielt….
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