Geschaeftsidee-finden-Ideenlabor

Ein Gastbeitrag von Reinhold Lackner

Viele denken bei einer guten Geschäftsidee an einen plötzlichen Geistesblitz, der aus dem Nichts kommt und einem ein fertiges Geschäft serviert. Meiner Erfahrung nach ist dies nicht der Fall. Solche Einfälle sind höchstens die erste Sprosse auf einer Leiter, die zu einer runden Idee führt. Und häufig wechselt man am Weg nach oben sogar auf eine völlig andere Leiter oder nimmt am Ende dann doch den Aufzug...

Geschäftsideen finden: Schritt für Schritt zum Erfolg

Das Finden von Ideen ist kein geheimnisvolles Mysterium, das auf Zufällen und Geistesblitzen beruht, die aus dem Nichts kommen. Vielmehr ist es ein systematischer Prozess, der sehr dem Forschen ähnelt.

Es geht darum den Fokus unseres Gehirns auf die richtigen Dinge auszurichten und nach guten Ideen zu forschen. Es hat also viel damit zu tun, sich bewusst dazu zu entscheiden, nach guten Ideen zu forschen, anstatt auf Geistesblitze aus dem nichts zu warten.

In der Folge werde ich Ihnen, so kompakt wie mir aktuell möglich, einen systematischen vierstufigen Weg vorstellen, damit Sie Ihren Ideen sowohl genügend Raum als auch genügend Struktur geben.

Schritt 1: Eröffnen Sie ein Ideenlabor

Der erste und wichtigste Schritt ist aufkommende Ideen nicht einfach zu verwerfen, sondern Ihnen Raum zu geben. Oftmals müssen Ideen im Hinterkopf eine Weile reifen. Wir eröffnen daher ein Ideenlabor und Sie werden bewusst zum Ideenforscher.

Dazu brauchen wir kein großes Geld. Unser Labor ist ein Notizbuch. Denn ein guter Forscher führt Buch. Seien Sie offen und verwerfen Sie keinen noch so kleinen Einfall, sondern notieren Sie ihn. Manchmal führen die sonderbarsten Einfälle bei dritter Betrachtung doch noch zu einer runden Idee.

Das mag Ihnen als kleiner Schritt erscheinen, aber unterschätzen Sie nicht welch positive Wirkung es hat, wenn Sie bewusst ein Ideenlabor eröffnen. Unser Gehirn liebt experimentelle Aufgaben. Und es liebt Struktur.

Der Begriff Ideenlabor ist daher hilfreich, weil er das Forschende und das Experimentelle unterstreicht. Sie können in Ihr Labor Ideen aufnehmen, diese mit anderen Ideen kombinieren, daraus wieder Neue ableiten und so weiter. Es ist ein Ort, um Dinge kreativ zu probieren und runde Geschäftsideen zu finden hat mehr mit probieren und reagieren zu tun, als Sie glauben.

Tipps für Ihr Ideenlabor:

  • Verwenden Sie ein Blanko Notizbuch (nicht liniert oder kariert). Völlig leere Seiten schränken Sie am wenigsten ein.
  • Führen Sie es immer mit sich. Dadurch halten Sie Ihren Fokus dauerhaft offen.
  • Ein farbiges Bändchen hilft schnell die nächste leere Seite zu finden.
  • Geben Sie Ihren Ideen Struktur.

Der folgende Aufbau hat sich in meiner Arbeit als einfach und effektiv erwiesen:

Ideenlabor_Struktur-Lackner

Schritt 2: Legen Sie Ihre Ideeneinkaufsliste an

Nun, da Sie ein Ideenlabor eröffnet haben, in dem Sie aufkommende Ideen strukturiert festhalten können, geht es darum den Rahmen zu kreieren, in welchem Sie Ideen finden wollen. Sie möchten ja nicht irgendwelche Ideen finden, sondern Ideen, die zu Ihnen passen.

Wir geben Ihrem Gehirn also ein Geländer, an dem es sich bei der Suche orientieren kann: Dazu befüllen wir die drei folgenden Schubladen mit den Zutaten, die unsere Wunschidee enthalten soll.

Ich weiß, in Kreatitivätsworkshops wird gelehrt, man solle nicht in Schubladen denken, sondern möglichst out-of-the-box, um gute neue Ideen zu finden. Ich fand diesen Hinweis aber nie besonders hilfreich.

Wie soll man denn bitte gezielt außerhalb der Box denken?

Gezieltes außerhalb der Box denken funktioniert nicht. Das ist als würden Sie versuchen außerhalb Ihres Gehirnes zu denken.

Eine Schublade mit Wünschen ist daher notwendig. Es ist der Rahmen in den Ihre Idee passen soll. Das zwingt Ihr Gehirn dazu viel fokussierter und fantasievoller zu denken. Wir legen quasi eine Einkaufsliste an, mit der wir dann in den Ideensupermarkt fahren.

Füllen Sie dazu die drei folgenden Schubladen mit den wichtigsten Zutaten:

Schubladen-Lackner

Schritt 3: Erkennen Sie Marktbedürfnisse und Trends

Eine Idee, die Sie gerne machen, die aber keiner haben will, ist keine Geschäftsidee, sondern ein Hobby. Wir müssen unser Forschungsgebiet also nach außen ausweiten und prüfen, ob die Idee am Markt denn überhaupt gefragt ist.

Forschungsgebiete-Lackner

Runde und rentable Ideen liegen genau in der Schnittmenge dieser zwei Forschungsgebiete. Genau dort, wo Sie mit innerer Freude ein äußeres Bedürfnis am Markt bedienen können, liegt Ihre Berufung. Dort liegen runde Ideen.

Es geht also darum im Alltag hellhörig zu sein für Marktbedürfnisse und Trends.

Dazu gehören zwei Schritte: Reibung erkennen und Trends erkennen.

  • Reibung erkennen

    Reibung entsteht immer dann, wenn Kundenbedürfnis und Angebot nicht zusammenstimmen, sondern aufeinanderprallen. Wann immer Sie eine solche Diskrepanz erkennen, sollten Sie hellhörig werden und es in Ihrem Ideenlabor notieren. Diese Reibung kann sehr unauffällig sein. In den seltensten Fällen schreien Kunden heraus, was sie wollen, weil sie es ja oft selbst nicht wissen.

    Folgende Fragen können Ihnen dabei helfen Reibung zu erkennen:

    • Wo plagt sich jemand?
    • Wer beschwert sich und worüber?
    • Was könnte man einfacher machen?
    • Was ist viel zu teuer?
    • Was ist kompliziert zu beschaffen?
    • Was ärgert mich so richtig an manchen Produkten?
  • Trends erkennen

    Die zwei folgenden Online-Tools können Ihnen zudem dabei helfen Trends frühzeitig zu erkennen.

    • Quora: Was liegt derzeit im Trend? Worüber denkt die Community momentan nach? Auf Quora können Sie das Geschehen entspannt verfolgen.
    • Trendosaur: Wenn Sie wissen wollen, welches Produkt gerade beginnt richtig trendy zu werden und bald völlig durch die Decke geht, sind Sie hier richtig. Trendosaur scannt abertausende Anzeigen und Onlineshops und zeigt Ihnen in unterschiedlichsten Kategorien, die bald angesagtesten Produkte. Selfie-Sticks hat Trendosaur gerüchteweise schon Monate, bevor der Trend losging, vorausgesagt.

Schritt 4: Lernen Sie gängige Geschäftsmodelle kennen

Es gibt verschiedene Konzepte, die bei erfolgreichen Unternehmensgründungen immer wieder zum Einsatz kommen. Diese Konzepte lassen sich oft auf andere Branchen und Märkte übertragen. Ich möchte Ihnen fünf davon nun als Schablone an die Hand geben. Vielleicht ist eines davon ja für Sie stimmig übertragbar:

  1. Job zur Berufung

    Das mit Abstand am häufigsten angewandte Modell ist den Job zur Berufung zu machen. Die überwiegende Mehrzahl der Gründer geht diesen Weg der Synergie. Das heißt, Sie bauen auf bisheriges Knowhow auf und eröffnen ein Unternehmen in derselben Branche, in der Sie im Angestelltenverhältnis gearbeitet haben.

    Sie können auf Bestehendes aufbauen. Sie beginnen nicht auf der grünen Wiese, sondern haben bereits ein Fundament, auf das Sie aufbauen können. Sie haben Knowhow, Erfahrung und womöglich einen bestehenden Kundenstamm, den Sie in die Selbständigkeit mitnehmen können.

    Sollte Ihnen die Tätigkeit aber schon im Angestelltenverhältnis keinen Spaß gemacht haben, kommen Sie dadurch vom Regen in die Traufe. Nur weil Sie nun Ihr eigner Boss sind, wird die Tätigkeit nicht spannender. Sie gewinnen dann nur eine Reihe weiterer organisatorischer Tätigkeiten hinzu.

    Wenn Sie das, was Sie tun, aber gerne machen, und wenn es mit Ihnen stimmig ist, dann ist dies der direkteste und einfachste Weg zur eigenen Geschäftsidee.

  2. Leidenschaft zur Berufung

    Das zweite Modell folgt dem Motto Hobby zum Beruf machen. Hobbys sind ein guter und stimmiger Startpunkt für eine runde Idee. Häufig erlauben es solche Ideen auch klein und nebenbei zu starten. Man muss seine Zeit nicht groß umschichten, denn das Hobby übt man ja ohnehin aus.

    Wenn eine so entstandene Idee als Vollzeiterwerb angestrebt wird, ist aber besonders hohes Augenmerk auf die finanzielle Tragfähigkeit zu legen. Es ist ein großer Unterschied, ob Sie fünf selbst gestrickte Pullover im Monat an Freunde verschenken oder davon finanziell leben möchten.

  3. Zwischenstationen ausschalten

    Dieses Konzept basiert auf der einfachen Tatsache, dass eine Verkürzung der Lieferkette zu reduzierten Preisen führt. Günter Faltin ist einer der bekanntesten Gründer, der sich dieses Konzept zunutze gemacht hat.

    Er kauft Darjeeling Tee direkt im Herkunftsland und verkauft diesen in 1-Kilo Großpackungen an den Kunden weiter. Er nennt das die Teekampagne. Dadurch, dass er den Großhändler und Einzelhändler umgeht, kann er den Tee zu wesentlich günstigeren Preisen anbieten.

    Er hat also Zwischenstationen zwischen Kunde und Hersteller reduziert. Mittlerweile hat das Kampagnenkonzept auf andere Produkte übergegriffen. Es gibt Olivenölkampagnen, Gewürzkampagnen, Energiesparlampenkampagnen und so weiter.

  4. Abos anbieten

    Ein dem Kampagnenkonzept ähnliches System ist das Abokonzept. Sie bieten dem Kunden etwas, das er häufig braucht, als Abo an. Sie vereinfachen ihm die Beschaffung, da er nicht jedes Mal erneut bestellen muss und verschaffen ihm bessere Konditionen, da er größere Mengen bestellt, indem er sich an Sie bindet. Als Unternehmer erhalten Sie dafür größere Bestellmengen und eine vereinfachte Abwicklung, da sich die Bestellungen alle gleichen.

    Ein Beispiel hierfür ist Blacksocks, wo Sockenabos angeboten werden. Andere Beispiele sind auch Gemüseabos, die vor die Türe geliefert werden.

  5. Franchise

    Als Alternative zur Neugründung mit einer eigenen Idee gibt es die Möglichkeit fertige Unternehmenskonzepte zu übernehmen: Sunpoint Sonnenstudios, Segafredo Zanetti Bar, Palmers, Town & Country Haus, Unimarkt, Vodafone Shop, McDonalds - all das sind Beispiele für Fanchise-Modelle.

    Vorteil ist, Sie bauen auf ein bestehendes Netzwerk auf und profitieren vom Marketing des Franchisepartners. Der Nachteil ist, dass Sie viele unternehmerische Freiheiten opfern und Gebühren an den Franchisegeber entrichten müssen. In der Regel haben Sie auch einen anteiligen Investitionskostenbetrag vorzuschießen. Es gibt aber Systeme die mit relativ wenig Eigenmittel auskommen und durchaus im Trend liegen. Es gibt einige gute Portale im Netz, die die unterschiedlichen Franchisesysteme vergleichen.

    Weitere Informationen dazu finden Sie hier: Franchising: Worauf Franchisenehmer achten müssen.

Wenn Sie diesen skizzierten Weg spielerisch und offen gehen, werden sich schnell die ersten Geschäftsideen zeigen. Wichtig ist diese aufkommenden Ideen nicht zu verwerfen, sondern sie zu notieren und möglichst im Hinterkopf zu behalten.

Ein wachsamer und mit Geschäftsideen gefüllter Hinterkopf ist die wirkungsvollste Waffe am Weg zu einer stimmigen und rentablen Unternehmung.

Wenn Sie nur eine Sache von meinem Beitrag hier mitnehmen, dann das: Verwerfen Sie Ideen niemals, sondern behalten Sie sie im Hinterkopf.

Über den Autor

Reinhold LacknerReinhold Lackner ist Gründerberater und Experte für Onlinemarketing. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht aus der Unternehmensgründung wieder das zu machen, was sie sein sollte: ein Abenteuer. Nach Jahren in Führungspositionen in der freien Wirtschaft gibt er nun in seiner Gründerberatung Ideenchecker Unternehmensgründern einen Werkzeugkoffer an die Hand, um Geschäftsideen zu finden, zu entwickeln und rentabel umzusetzen. Reinhold Lackner lebt und arbeitet am Attersee in Österreich.

[Bildnachweis: Peter Bernik by Shutterstock.com, Reinhold Lackner]