Ein Gastbeitrag von Angela Rittig, Manager Corporate Communications bei Xing

„Dann ist das genau das Richtige für Dich, das solltest Du öfter machen“, sagte mein Chef und lehnte sich zufrieden zurück. Gerade war ich von einem langen Tag in München zurückgekommen. Und ich war in Hochstimmung. An seiner Stelle hatte ich einen Journalisten eines großen Lifestyle-Magazins getroffen um zu erfahren, in welchen Bereichen der thematische Fokus des Blattes lag und wie man unsere Themen in eben jenem Heft platzieren könne. Es war einer der Termine bei denen alles klappt, der spielend leicht von der Hand geht, man sein Ziel ohne jede Mühe erreicht. In dem Möglichkeiten erörtert und Ideen wie kleine schnelle Tischtennisbälle hin- und her gespielt werden.

Am Abend stieg ich wie im Höhenrausch in den Flieger zurück nach Hamburg. Wie kam das? Warum sind manche Aufgaben zäh wie Kaugummi und andere gehen wie der Ball nach dem Freistoß ohne Umweg ins Tor?

Wenn sich Arbeit nicht so anfühlt

Warum fiel es mir so leicht? Warum hatte ich so einen Spaß an diesem Termin mit der schreibenden Zunft, die von mir hören wollte, wie Social Networks in ihr Blatt, zu ihren Lesern passte? Wenn es das war, wofür ich bezahlt wurde, was doch meist anstrengend ist und oft in irgendeiner Form von Verausgabung, wenn nicht gar Erschöpfung mündet, warum, ja warum hatte es sich dann so gar nicht nach Arbeit angefühlt?

Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich mag Arbeit. Und ich mag sspeziell meine Arbeit. Sie hat so ziemlich genau alles, was man braucht um im Beruf ausgefüllt zu sein- wenn es so etwas denn überhaupt gibt. Dennoch: Ich hatte nie Schwierigkeiten, zwischen Privat und Beruflich zu unterscheiden. Auch wenn ich ohne Zweifel sehr gerne und ab und an sogar leidenschaftlich arbeite, gehöre ich nicht zu jenen, die bei abendlicher Sommerhitze nicht zwischen einem kühlen Alster am Hafen mit Elbstrandsand unter den Füßen und einer Powerpoint-Präsentation im stickigen Meetingraum bei gleichen Temperaturverhältnissen unterscheiden können.

Die richtige Geschichte erzählen können

Das Gespräch mit besagtem Journalisten unterschied sich nicht wesentlich von anderen Unterhaltungen mit Redakteuren. Natürlich hatte ich mich vorbereitet. Das förderte ein gutes Gespräch, ebenso wie aufmerksames Zuhören, sich in den anderen hinein zu versetzen, professionelles Interesse und Neugier zu zeigen. Aber Spaß, gar Lust an der Arbeit? Nein, es war noch etwas anderes, was dieses Gespräch besonders und mich euphorisch machte: Zum ersten Mal merkte ich, dass ich emphatisch bin.

Durch die kontinuierliche Arbeit in als auch an meinen Gesprächen in den vergangenen Jahren hatte ich ein Gefühl für diesen Menschen mir gegenüber bekommen und konnte einschätzen, was für Informationen, welche Geschichte er erwartete. Ich konnte sie ihm erzählen. Natürlich ersetzt das alles keine Sympathie für Ihr Gegenüber aber es erleichtert das Erreichen des gesetzten Gesprächsziels enorm.

Tipps wie Sie im Gespräch punkten

Unzweifelhaft entwickelt jeder im Laufe seines Berufslebens andere Stärken. Empathie ist nur eine davon. Egal ob Sie im Gespräch eher von Ihrem logischen Denken, Ihrem Verhandlungsgeschick oder einer anderen Fähigkeit profitieren: Es gibt einige Faustregeln, die Sie bei einem Journalistengespräch beachten sollten:

  • Recherchieren Sie, was es über Ihren Gesprächspartner im Netz zu finden gibt. Facebook- und Xing-Profile, jüngste Blog-Artikel – vieles lässt sich finden. In einem der letzten Beiträge meines Gesprächspartners hatte ich gelesen, dass er kürzlich um Haaresbreite einer Prügelei entgangen war, nachdem er mit einem Inter-Mailand-Trikot in der Münchner Nobeldisko P1 erschienen war. Ich brachte meine Anerkennung für seine Tapferkeit zum Ausdruck. Egal, ob Mann oder Frau – streicheln Sie die Eitelkeit eines Journalisten! Sie freuen sich, wenn man ihre letzten Artikel gelesen hat. Und gelesen heißt nicht, ihn oberflächlich am Bildschirm zu scannen sondern fähig zu sein, den Inhalt des Artikels in drei Sätzen wiederzugeben. Übrigens auch eine gute Vorbereitung für das anstehende Gespräch.
  • Haben Sie gemeinsame Bekannte? Auch hier helfen Soziale Netzwerke. Fragen Sie ihren Kontakt wie es zur Bekanntschaft kam. Oft steckt eine kleine Geschichte dahinter und fast immer bietet sie einen guten Einstieg für den späteren Smalltalk im Fahrstuhl. Man lässt schön grüßen…
  • Hören Sie aufmerksam zu. Es geht zunächst nicht darum, was Sie zu sagen haben, sondern hinzuhören, was für Ihren Gesprächspartner wichtig ist. Mit Nach- und Zwischenfragen signalisieren Sie, dass Sie bei der Sache sind. Keinesfalls sollten Sie jedoch den Eindruck vermitteln, dass eine Frage einzig darauf abzielt, Ihre Botschaft unterzubringen während Sie noch die Antwort Ihres Gegenübers abwarten.
  • Haben Sie eine Story parat. Recherchieren Sie vorher, welche Typen im ausgewählten Blatt gewöhnlich portraitiert werden. Sind es die, die den anderen immer um eine Nase voraus sind, die jetzt bereits so leben wie wir Normalos es erst in drei Jahren tun werden? Dann präsentieren Sie nicht die stellvertretende Ortsvorsitzende des Kaninchenzüchtervereins mit ihrer neuen Rasse. Und sei die Geschichte noch so schön. Sie passt nicht.
  • Halten Sie nicht mit Informationen hinter dem Berg. Sie sind der Experte, scheuen Sie sich nicht, das auch zu zeigen. Ihre Sachkenntnis ist der Grund warum man sich mit Ihnen verabredet. Tragen Sie aber nicht zu dick auf, achten Sie darauf wie Ihr Gesprächspartner reagiert. Ihn besserwisserisch zu unterbrechen, ist keine gute Idee.
  • Zu guter Letzt: Seien Sie nicht enttäuscht, wenn es mit der Story beim ersten Anlauf nicht klappt. Vergessen Sie nicht, Sie treffen sich, damit man Sie als Ansprechpartner kennen lernt. Es kann Monate dauern bis Ihr Thema in der Redaktionskonferenz auf die Agenda kommt. Halten Sie bis dahin losen Kontakt. Wenn Sie alles richtig gemacht haben, wird Ihre Zeit kommen.

Arbeit darf Lust sein

Jeder von uns ist mit anderen Fähigkeiten ausgestattet. Was für den einen Empathie ist, kann für den anderen das Einbetten von Sachverhalten in einen strategischen Kontext sein. Diese individuellen Besonderheiten jedoch sollte jeder an sich suchen, sie fördern und gezielt einsetzen.

Arbeit darf Spaß sein, sie muss es sogar. Sich auch mal mit Eifer hineinknien als ob es das eigene Lebenswerk ist. Arbeit darf Lust sein, Freude am Schaffen, Erreichen, Zähne aus- und wieder zusammenbeißen. Lachen ausdrücklich erlaubt. Dann kann Arbeit etwas Besonderes sein, euphorisch machen – auch am Abend im Meetingraum. Holen Sie sich ein Alster und bringen Ihrem Chef auch eins mit. Vielleicht hat er schon erkannt, dass es sich für Sie nicht nach Arbeit anfühlt. Weil es Spaß macht. Auch wenn es Arbeit ist. Gerade weil es Arbeit ist.

Über die Autorin
Angela Rittig beschäftigt sich mit Unternehmenskommunikation im Spannungsfeld von Social Media und klassischer PR. Gegenwärtig ist sie Manager für Corporate Communications bei Xing. Von Hamburg aus zieht es sie immer wieder nach Indonesien und Indien, wo sie sich für unter anderem für soziale Projekte engagiert.


Dieser Artikel wurde für den Autorenwettbewerb 2010 eingereicht. Am Ende der Veröffentlichungsphase entscheiden eine unabhängige Jury sowie die Leser darüber, welcher Gastbeitrag der beste ist.