Ein Gastbeitrag von der Trainerin Sabine Prohaska
Es gibt manchmal so Situationen, da geraten wir – beruflich und privat – in Gespräche, in denen scheinbar nichts mehr geht. Unser Gegenüber verstockt und versteinert. Die Atmosphäre ist gespannt. Dann ist Humor häufig ein probates Mittel, um die Spannungen zu lösen und das Gespräch in neue Bahnen zu lenken. Aber nur, wenn Sie die Lage richtig einschätzen können und gelernt haben, Humor gezielt einzusetzen. Sonst könnte die Stimmung endgültig kippen und das Lachen im Halse stecken bleiben. Bestenfalls.
Lachen ist gesund. Das haben zahlreiche wissenschaftliche Studien bewiesen. So soll Lachen Schmerzen lindern, das Immunsystem stärken und Heilungsprozesse beschleunigen. Doch Humor heilt nicht nur, er wirkt auch entkrampfend – zum Beispiel in Gesprächen und Situationen, in denen alles festgefahren scheint. Denn Humor schafft eine emotionale Distanz zu Problemen und lässt sie in einem anderen, meist helleren Licht erscheinen. Ein Scherz an der richtigen Stelle kann einen Konflikt entschärfen und neue Perspektiven eröffnen.
Doch Vorsicht! Falsch eingesetzt wirkt Humor destruktiv. Steht zum Beispiel die Beziehung zum Gegenüber auf wackeligen Füssen, wird ein gut gemeinter Scherz schnell als Schadenfreude oder zynisch interpretiert. Ähnlich ist es, wenn eine Person in dunklen Gedanken gefangen ist. Dann wird eine humorvoll gemeinte Aussage oft als Ausdruck mangelnder Empathie empfunden. Deshalb möchte ich Ihnen hier einige Methoden vorstellen, wie Sie mit Humor schwierige (Gesprächs-)Situationen meistern:
Methode 1: Das Welt- oder Selbstbild sanft karikieren
Eine Technik, die wir im Alltag, bei Freunden und Verwandten, oft intuitiv anwenden, ist das liebevolle auf die Schippe nehmen. Ein Beispiel: Ein Ehemann jammert seit Tagen, er werde alt und sei immer weniger leistungsfähig. Seine Frau hört ihm zunächst geduldig zu, versucht ihn vom Gegenteil zu überzeugen und bemitleidet ihn – ohne Erfolg. Intuitiv greift sie deshalb zur Medizin Humor: Als er erneut jammert, erwidert sie augenzwinkernd: „Ich habe mich schon für den Kurs Pflege von älteren Angehörigen angemeldet. Außerdem sollten wir frühzeitig einen Rollstuhl besorgen.“
In diesem Beispiel steigt die Frau in das Welt- beziehungsweise Selbstbild ihres Ehemanns ein und überzeichnet es sanft – mit einem Augenzwinkern. Dadurch wird ihrem Mann klar, dass sein Selbstmitleid überzogen ist. Er wird wachgerüttelt und denkt über sein Verhalten nach.
Ein Beispiel aus dem Berufsalltag: Bürokauffrau Frau Müller vertraut ihrer Führungskraft an, sie leide darunter, dass sie so gutmütig sei und zu oft vorschnell „Ja“ sage. Und sie habe das Gefühl, ihre Kollegen nutzten dies aus. Immer würden zeitaufwändige Arbeiten bei ihr abgeladen. Hier könnte eine humorvolle Intervention ihres Chefs sein – vorausgesetzt die Beziehung stimmt: „Frau Müller, Ihre Kollegen freuen sich sicher darüber, dass Sie so hilfsbereit sind. Sie sind ja fast so selbstlos wie eine Heilige. Es wäre aber schade, wenn Sie deshalb einen Burnout erlitten. Deshalb empfehle ich Ihnen, …“ Eine solche Überzeichnung könnte ein Anstoß für eine Verhaltensänderung sein, so dass Frau Müller nicht stets „Ja, ich mach’s“ sagt.
Methode 2: Negatives umdeuten
Ist ein Glas halb leer oder halb voll? Wie wir eine Situation bewerten, hängt von uns ab. Wir können selbst bestimmen, ob wir sie eher aus einem negativen oder positiven Blickwinkel betrachten. Ähnlich wie ein altes Bild, das wir in einen neuen Rahmen stecken: Es wirkt sofort moderner.
Ein Beispiel dafür, wie hilfreich ein humorvolles Umdeuten sein kann: Frau Huber, eine 45-jährige Bürokauffrau, ist seit einem Jahr arbeitslos. Sie lässt sich beraten, weil sie gerne wieder als Sekretärin arbeiten möchte. Sie ist total frustriert, denn sie wird zwar regelmäßig zu Bewerbungsgesprächen eingeladen, doch sie erhält nie eine Jobzusage. Die Atmosphäre in der Beratung wird immer düsterer und schwerer, je länger Frau Huber ihre erlittenen Kränkungen schildert. Und nebenbei klagt sie auch noch darüber, dass sie Single sei und gerne wieder einen Partner hätte. An diesem Punkt ergreift die Beraterin das Wort und fragt Frau Huber: „Führen Sie die meisten Vorstellungsgespräche mit Männern?“ Diese ist erstaunt über diese Frage, bejaht sie aber. Daraufhin schlägt die Beraterin der perplexen Bürokauffrau vor: „Betrachten Sie die Bewerbungsgespräche doch als Blind Dates im Rahmen Ihrer Partnersuche. Nehmen Sie die Interviewer ebenso unter die Lupe, wie diese es mit Ihnen tun.“ Frau Huber solle zum Beispiel schauen: Trägt mein Gesprächspartner einen Ehering? Hält er beim Sprechen Blickkontakt? Ist er ein sportlicher Typ? Zum ersten Mal in der Beratungsstunde muss Frau Huber herzhaft lachen.
Dieses Umdeuten hat zumindest die Beratungssituation aufgelockert. Vielleicht hat es aber auch eine nachhaltigere Wirkung. Vielleicht denkt Frau Huber im nächsten Bewerbungsgespräch tatsächlich an das Stichwort Partnersuche und geht lockerer und entspannter in das Gespräch. Dadurch verbessert sich ihre Ausstrahlung und ihre Chance auf eine Jobzusage steigt.
Methode 3: Das Problem verschlimmern
Ein weiteres Mittel, um festgefahrene Sichtweise zu lockern, sind paradoxe Fragen und Aussagen. Also statt zu fragen „Wie lösen wir das Problem?“ beispielsweise zu fragen: „Wie verstärken wir das Problem?“ Eine solche Intervention löst oft eine problemlösende Gegenreaktion aus. Überraschen Sie also in heiklen Situationen Ihr Gegenüber zuweilen mit scheinbar paradoxen Fragen oder Aufforderungen. Fragen Sie ruhig mal: „Wie schaffen Sie es, noch schlechter zu schlafen?” Oder: „Was müsstest Du tun, damit Du endlich einen Burnout erleidest?“ Oder: „Wie erreichen Sie es totsicher, dass Ihr Chef Sie entlässt?“
Humor nur sehr selektiv und gezielt einsetzen
Alle Methoden haben eines gemeinsam: Es ist enorm wichtig, ein Gefühl dafür zu entwickeln, wann sie genutzt oder besser nicht genutzt werden. Sie selbst sollten dabei stets ausgeglichen und relaxt sein. Sonst bekommen humorvoll gemeinte Aussagen schnell einen sarkastischen und verletzenden Unterton. Humor in heiklen Gesprächen als Instrument einzusetzen, bleibt eine Gratwanderung. Prüfen Sie deshalb, bevor Sie sich für den Einsatz dieses Instruments entscheiden, stets:
- Wie tragfähig ist unsere Beziehung?
- In welcher mentalen Verfassung ist mein Gegenüber?
- Und: Was verrät mir seine Körpersprache?
Ist er beispielsweise innerlich kurz vorm Platzen, dann sollten Sie auf Humor verzichten. Ebenso ist es, wenn Sie spüren, es kostet Ihr Gegenüber viel Überwindung, sich zu öffnen. Entsprechendes gilt, wenn Sie selbst unsicher sind, ob Humor in der aktuellen Situation ein geeigneter Spannungslöser ist. Im Zweifel gilt: lieber verzichten. Sonst aber – und mit der erforderlichen Übung – ist Humor eine wirkungsvolle Arznei.
Über die Autorin:
Sabine Prohaska ist Inhaberin des Trainings- und Beratungsunternehmen Seminar Consult Prohaska in Wien. Das Unternehmen bildet unter anderem Trainer und Coaches aus. Dauerlesern der Karrierebibel ist Sabine Prohaska keine Unbekannte. In einem Interview mit uns erklärte sie schon Anfang des Jahres, worauf es im Trainerberuf ankommt.
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