Bewerbungsgespräche haben etwas Einschüchterndes. Wie bei einer mündlichen Prüfung: Da sitzt man einer Gruppe von Mitarbeitern oder Personalern gegenüber, und die fragen einem Löcher in den Bauch – nach dem bisherigen Leben, nach den Erfahrungen, den Erfolgen, danach, was einen angeblich qualifiziert. Und man selbst schrumpft dabei zum Bittsteller für eine Stelle, für die andere ihre in der Schlange stehen oder gar die Oma verkaufen würden… Ganz falscher Ansatz!

Selbst wenn Sie tatsächlich heiß auf den Job sind und wissen, die Konkurrenz ist Legion: Machen Sie sich nicht klein! Und vor allem: Geben Sie die Kontrolle über das Bewerbungsgespräch nicht so leicht aus der Hand. Machen Sie sich vielmehr bewusst: Es ist ein BewerbungsGESPRÄCH. Kein Verhör. Und schon gar kein Test. Den haben Sie längst bestanden, sonst hätte man Sie gar nicht erst eingeladen. Letztlich prüfen ja auch Sie: ob der Job und Betrieb tatsächlich zu Ihnen passen. Oder ob der Laden schicker aussieht, als er ist. Wenn Sie sich also nicht als Hilfs-, sondern als Fachkraft bewerben, zeigen Sie das ruhig.

Natürlich ist es wichtig, sich trotzdem gut auf das Gespräch vorzubereiten. Sie sollten die Antworten auf typische Fragen wissen und selbst gute Fragen stellen können. Ebenso sollten Sie ehrlich und authentisch sein. Das klingt jetzt ein bisschen abgedroschen, meint aber, dass beide Seiten im Dialog herausfinden sollen, ob sie zueinander passen. Und das kann nicht funktionieren, wenn mindestens einer eine Rolle spielt.

Die Gefahr ist allerdings groß, dabei in ein devotes Verhaltensmuster zu verfallen, Motto: Wer fragt, der führt. Dann findet das Unternehmen zwar hoffentlich heraus, dass Sie ganz gut zu der ausgeschriebenen Stelle passen. Doch Sie vermitteln eben auch das Gefühl, erst entdeckt werden zu müssen oder schlimmer noch: austauschbar zu sein.

Andersrum wird eher ein Schuh draus: Zeigen Sie nicht nur, dass Sie motiviert sind, sondern auch, dass Sie es sind, der sich die Jobs aussuchen kann (selbst wenn das ein bisschen gemogelt ist). Natürlich ist der Grat zwischen gesundem Selbstbewusstsein und Arroganz schmal. Das kann leicht kippen. Aber wie heißt es so schön: no guts, no glory! Sie haben sich beworben, weil Sie sich den Job zutrauen, weil Sie eine gute Ausbildung haben, smart sind und was können. Also stehen Sie auch dazu! Sie sind nicht Bewerber Nummer 27a, sondern der beste Kandidat, den man für diese Stelle bekommen kann (was Sie idealerweise durch ein paar Beispiele, Erfahrungen und Erfolge belegen können).

So kontrollieren Sie Ihr Bewerbungsgespräch

Wohlgemerkt, es gibt einen Unterschied zwischen kontrollieren und dominieren. Und nur Ersteres ist hier gemeint: Dass Sie selbst beeinflussen, welche Botschaften Sie über sich transportieren und welchen Eindruck Sie vermitteln möchten. Das ist zu Beginn des Gesprächs relativ leicht: Sie werden gefragt (optimal mit einer offenen Frage: “Erzählen Sie mal, warum sollen wir Sie einstellen?”) und können darauf antworten, was Sie vorbereitet haben. Sie können also volle Kanne in die Offensive gehen.

In der Regel folgen darauf sogenannte Stressfragen. Die sind oft kritischer und hinterfragen Sie und Ihre Aussagen ganz bewusst. An der Stelle geben dann viele Bewerber die Kontrolle ab, werden nervös, geraten ins Schlingern und merken, dass sie etwas anderes gesagt haben, als sie wollten oder dass es anders rüberkam als gemeint. Nicht schlimm! Bleiben Sie ruhig und korrigieren Sie sich ruhig oder präzisieren Sie Ihre Aussagen. Andernfalls kommt die nächste Chance, das Ruder wieder in die Hand zu nehmen, wenn man Sie nach Fragen fragt (“Haben Sie denn noch Fragen an uns?”).

Zweite Chance: Die Rückfragerunde

Jetzt können Sie zwar sofort Rückfragen stellen – müssen aber noch nicht. Es ist ebenso eine Gelegenheit, noch einmal Dinge gerade zu rücken oder zu ergänzen, Motto: “Bevor ich noch ein paar Fragen stelle, würde ich gerne noch einen Punkt ansprechen, der meines Erachtens vorhin nicht ganz deutlich geworden ist (untergegangen ist / noch gar nicht angesprochen wurde / womöglich missverstanden werden konnte)…”

Zu kühn in Ihren Augen? Mitnichten. Sie erinnern sich: Sie führen (sic!) ein Gespröch. Das heißt, beide Teilnehmer treffen sich auf Augenhöhe. Was eben auch bedeutet, dass Sie all die Punkte nennen können, die Ihnen selbst wichtig sind. Freilich ohne überheblich zu sein. Und falls Sie Sorge haben, Sie könnten diese Punkte in all der Aufregung womöglich vergessen: Es ist durchaus erlaubt, ein paar Notizen ins Jobinterview mitzunehmen sowie während des Vorstellungsgesprächs einzelne Punkte zu notieren (was im Übrigen auch noch gewissenhaft und engagiert aussieht).

Zugegeben, eine solche Haltung gefällt nicht jedem Personaler. So mancher schreibt zwar Stellen für unternehmerische Talente aus, sucht aber dann doch den willfährigen Erfüllungsgehilfen und Lohnsklaven. Wenn Sie so jemand sein wollen – völlig ok. Falls nicht: Gut, wenn Sie das schon im Bewerbungsgespräch herausfinden!