Gewinner: Das zeichnet sie aus
Manchmal verliert man, manchmal gewinnen die anderen. Dabei wollen wir doch eigentlich alle als Gewinner durchs Leben gehen, Siege aneinanderreihen und all die Triumphe auskosten. Ganz so einfach ist das aber leider nicht. Stolpersteine, Feindseligkeiten - und nicht zuletzt auch eigenes Unvermögen verhindern den glatten Durchmarsch. Was aber zeichnet einen Gewinner aus? Hier sind 6 Vorschläge...

Gewinner: Sie?

Als Petra und Hans-Joachim 1994 acht Millionen D-Mark im Lotto gewannen, waren sie vermutlich die glücklichsten Menschen der Welt. So happy. So reich. Gewinner! Kurze Zeit später war das Geld weg, verschenkt, verbrannt, gegen Autos, Grundstücke, Ponyhof, Kartbahn und einen Angelteich mit Ruderbooten eingetauscht. Alles futsch! Seine Erlebnisse verarbeitete das Pärchen 15 Jahre später in einem Buch: „Mit dem Geld kamen die Tränen.“

Es ist wohl weder sehr gewagt noch besonders überheblich, wenn man zu dem Schluss kommt: Die Gewinner waren keine. Nie gewesen.

Um im Leben als Gewinner dazustehen, bedarf es eben mehr als eines glücklichen Zufalls, mehr, als einmal zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Gewinnen muss man auch lernen. Das ist jetzt mal eben so dahingesagt, forsch hinausposaunt, in Wahrheit ist es natürlich extrem schwer.

Und dann stellt sich noch die Frage, was ein Gewinner überhaupt ist, wie er aussieht, was er macht und was er sein lässt. Hier sind ein paar Ideen von uns: Das zeichnet Gewinner aus...

Was Gewinner auszeichnet

  1. Sie empfinden Dankbarkeit

    In zwei Gruppen hatte man die Probanden aufgeteilt. Die Mitglieder von Gruppe 1 sollten einige Minuten darüber nachdenken, wofür sie in ihrem Leben dankbar sind. Die aus Gruppe 2 durften an etwas völlig Beliebiges denken - eine schöne Frau, böse Zombies, Schwarzwälder Kirschtorte, was auch immer. Zehn Wochen lang spielte man dieses Spielchen, jede Woche einmal.

    Das erstaunliche Ergebnis: Die "Dankbaren" aus Gruppe 1 waren im Verlaufe des Experiments deutlich motivierter, optimistischer, sogar ihre Gesundheitswerte verbesserten sich. Robert Emmons von der University of California und Michael Cullough von der University of Miami hatten mit ihrer Studie gezeigt: Dankbarkeit macht glücklich und gesund. Der Trick sei, ergänzt Amy Morin, Autorin des vor gut einem Jahr erschienenen Buchs "13 Things mentally strong people don't do", Selbstmitleid durch Dankbarkeit zu ersetzen. Denn Selbstmitleid ist selbstzerstörerisch, kostet Zeit, Energie und führt aus dem eigenen Dilemma auch keineswegs wieder heraus. Gewinner sind dankbar.

  2. Sie halten Selbstdisziplin

    Eiserner Wille, strikte Disziplin, Zähigkeit und Selbstbeherrschung - Werte, die uns die Yogurette-Werbung ganz sicher nicht vermittelt. Und auch sonst niemand, denn sie klingen so altbacken, so von gestern, irgendwie aus der Zeit gefallen. In Wahrheit sind es Tugenden, deren Bedeutung gar nicht hoch genug bewertet werden kann.

    Das bewies auch eine Studie von Angela Duckworth und Martin Seligman von der Universität von Pennsylvania aus dem Jahr 2005. Sie testeten 300 Schüler im Alter von 13 und 14 Jahren, ob sie in der Lage waren, Regeln zu befolgen, ihr Verhalten anzupassen und impulsive Reaktionen zu unterdrücken. Ergebnis: Wer das konnte, erhielt deutlich bessere Noten, zeigte generell bessere Leistungen in der Schule. Beim zweiten Test untersuchten die Forscher nun auch noch den IQ der Schüler. Ergebnis jetzt: Der Intelligenzquotient wirkt sich auf die Leistungen keineswegs so stark aus. Der IQ hat sogar nur halb so großen Einfluss auf den Erfolg wie die Disziplin. Wer bereit ist, auf kurzfristige Freuden zu verzichten, macht sich auf lange Sicht zum Gewinner.

  3. Sie kooperieren

    Kooperationsfähigkeit und Kommunikationsstärke werden als Schlüsselkompetenzen immer wichtiger. Experten predigen das schon lange rauf und runter. Und dennoch: Sobald es um eigenes Fachwissen geht, ist noch aus dem größten Plappermaul ein Geheimniskrämer geworden. Herrschaftswissen freiwillig preisgeben? Sicher nicht. Schon sieht man den chinesischen Industriespion vor dem geistigen Auge, wie er Dokumente aus der Schublade zieht, abfotografiert und die eigene Kaffeemaschine morgen originalgetreu in Shenzhen nachbauen lässt - für ein Zehntel der Produktionskosten. Die Sorge ist auch gar nicht unberechtigt.

    Andererseits verhält es sich - in den meisten Fällen zumindest - genau anders herum. Wer Wissen teilt, multipliziert es. Darauf weisen auch Wissensmanager wie Gilbert Probst von der Uni Genf regelmäßig hin. Man zapft neue Informationsquellen an, sorgt für einen Wissensaustausch, gewinnt hinzu, indem man kooperiert und damit auch anderen hilft. Das gilt intern, zwischen den Abteilungen im Unternehmen, aber auch für Personen, die sich nach außen als Experten positionieren wollen. Wer gönnen kann, teilt Wissen, um am Ende selbst als Gewinner dazustehen.

  4. Sie schrecken nicht vor Veränderungen zurück

    Veränderung ist nicht per definitionem positiv. Es ist menschlich, sich vor ihr zu fürchten, sie vermeiden, hinauszögern, vielleicht sogar bekämpfen zu wollen. Niemand krempelt frohen Mutes ein Unternehmen um, das sich gerade auf dem Höhepunkt seines Erfolgs befindet. Das Problem ist: Manchmal lassen sich Veränderungsprozesse nicht verhindern, man muss sich ihnen stellen. Und das geht.

    Amy Morin schreibt in ihrem Buch von fünf Phasen, die man dabei Schritt für Schritt umsetzen müsse: Vorüberlegung, Überlegung, Vorbereitung, Aktion und Beibehaltung. Wer einen Plan entwickelt, mit den sich ändernden Gegebenheiten umzugehen, wer diesen durchzieht, kann den Veränderungsprozess managen, sich selbst in eine gute Position bringen und reüssieren. Je länger man warte, sich auf den Wandel einzustellen, desto schwieriger werde es.

  5. Sie glauben nicht, dass die Welt ihnen etwas schuldet

    Wir haben das Recht auf Bildung. Das Recht auf Freiheit. Auf Menschenrechte. Menschenwürde. Auf Sicherheit. Auf ein faires Gerichtsverfahren. Und auf das Existenzminimum natürlich. Den Mindestlohn. Einen Kita-Platz. Die Wahrheit ist: Wir haben auf dieser Welt das Recht auf rein gar nichts. Wir werden in diese Welt geworfen ohne Selbstverständlichkeiten, ohne Sicherheiten, müssen sie uns Stück für Stück selbst erkämpfen.

    "Das Leben ist nicht fair", schreibt Morin. "Aber das heißt nicht, dass Ihnen irgendjemand etwas schuldet, wenn Sie ein schlechtes Blatt auf die Hand bekommen haben." Gewinner sind sich dessen bewusst. Sie setzen nicht voraus, Anspruch auf dieses oder jenes zu haben, auf einen guten Job und die beste Beratung. Sie lamentieren nicht fortwährend rum, sondern versuchen, immer und überall das Beste aus ihrem Blatt zu machen.

  6. Sie verpflichten sich

    Gerhard Schröder hat am Gitter des Bundeskanzleramts gerüttelt: „Ich will da rein!“ Egal, wie man zum Altkanzler steht: Er hat sich ein Ziel gesetzt und es erreicht. Es ist schon fast profan zu erwähnen, dass ein Gewinner nicht bei der ersten Windböe die Flinte ins Korn wirft. Er findet Lösungen, macht Fehler, zwar nie den gleichen zweimal, aber immer wieder andere, er geht Umwege und Risiken ein. Und er macht immer weiter.

    Auch ein anderer Gewinner, diesmal aus dem Bereich Sport, wusste das: Michael Jordan. Weil es gerade so schön passt, hier ein alter, aber noch immer inspirierender TV-Spot mit him:

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