Wissenschaftlich-methodisch-breit wird das Glück erst seit rund zehn Jahren erforscht. Die einiges gelehrt: Geld zum Beispiel macht tatsächlich nicht glücklicher, jedenfalls nicht, wenn erst einmal unsere Grundbedürfnisse gedeckt sind. Gutes Aussehen, Intelligenz, Jugend – auch keine Glücksgaranten. Einen Partner zu haben hilft dem Glück schon eher auf die Sprünge, zumindest sind Verheiratete im Schnitt glücklicher als Singles. Gläubige Menschen auch. Und Menschen mit vielen Freunden – echten, nicht bloß virtuellen.
Es gibt allerdings auch eine Studie, die älter ist als all die anderen Glücksstudien, deren Ergebnisse zwar nicht bahnbrechend, gleichwohl aber äußerst interessant sind – bisher aber medial kaum beachtet wurden. Die Studie stammt aus Harvard und ist eine der vielleicht umfangreichsten Langzeitstudien der vergangenen Jahre. George Vaillant, Psychiatrieprofessor in Harvard und selbst 75 Jahre alt, hat sie seit 42 Jahren (!) geleitet.
Als die Studie losging, war er allerdings selbst noch ein Kind: 1937 begann der damalige Leiter der Health Services in Harvard, Arlie Bock, damit zu untersuchen, was Menschen glücklich macht. Dazu verpflichtete er 268 Probanden: junge Studenten, die bereit waren, sich ein Leben lang medizinischen Tests zu unterziehen, Interviews zu geben, Fragebögen auszufüllen. Für die Forscher eine scheinbar endlose Sisyphus-Arbeit.
Heute ist ein Großteil der Studienteilnehmer verstorben, wer noch lebt, ist meist über 80 und hat ein bewegtes Leben hinter sich. Natürlich sind nicht alle glücklich damit. Es gibt unterschiedlichste Karrieren, Affären, Abenteuer. Das Leben der anderen zu studieren, hat Vaillant dennoch einige Erkenntnisse beschert. Die Wichtigste ist vielleicht die, dass Glück kein Glücksfall ist, sondern machbar. Größtenteils.
Das Rezept dazu: gesund essen, nicht rauchen, Alkohol nur in Maßen trinken, bis zur Lebensmitte in einer stabilen Beziehung leben und auch im Ruhestand noch aktiv bleiben – körperlich wie geistig. Sicher, das könnte man auch in der handelsüblichen Beglückungsliteratur nachlesen. Damit ist es aber zumindest amtlich. Die Erstaunlichste Aussage Vaillants ist deshlab eher die: „Das Einzige, worauf es wirklich ankommt, sind Beziehungen.“ Die brauche man nämlich immer dann, wenn das Leben nicht so läuft, wie man es gerne hätte. Also praktisch immer. Und genau das unterscheidet dann die Glücklichen von den Unglücklichen: wie sie mit den Schicksalsschlägen umgehen, mit denen sie das Leben herausfordert – wie gut, wie leicht und wie schnell sie die Tiefschläge überwinden. Resilienz heißt diese Eigenschaft im Fachjargon. Ein echter Glückfalls wer sie und gute Freunde besitzt.
Apropos…
Wie fühlen Sie sich gerade? Vielleicht verbessert sich Ihre Stimmung alleine dadurch, dass Sie wissen, wie es anderen geht. Schon 1881 formulierte der irische Ökonom Francis Edgeworth die Hoffnung, es möge irgendwann eine Art Hedonimeter geben, auf dem man ablesen kann, wie sich die Menschen überall auf der Welt gerade so fühlen. Nun, inzwischen gibt es so was in der Art. Auf der Seite WeFeelFine werden derzeit weltweit 2,3 Millionen Blogs in Echtzeit ausgewert. Dabei sucht die Maschine vor allem nach Sätzen, die die Sentenzen “I feel” or “I am feeling” enthalten. Damit lässt sich dann nicht nur eine Stimmungskurve für die Blogosphäre abbilden, sondern indirekt natürlich auch ein Abbild der globalen Gemütsverfassung. Jedenfalls näherungsweise.
Übrigens…
Eine noch weniger wissenschaftliche, dafür aber ebenso amüsante Anlaufstelle für etwas Aufmunterung ist die Meldestelle für Glücksmomente. Auf der Plattform werden persönliche gute Nachrichten gesammelt. Auszüge:
Am Abend zufällig aus dem Fenster blicken und einen großen orangen Mond sehen.
Von einem ehemaligen Arbeitskollegen zum Essen eingeladen zu werden, weil er damit den Dank für die nette Zusammenarbeit ausdrücken will. Ich habe immer geglaubt,die Chemie stimmt nicht – so kann man sich täuschen!
Beim Verabschieden des Liebsten intensiv merken, wie lieb man ihn hat. Und er einen auch.



Christopher Stanik
Vielleicht bestätigt die Ausnahme die Regel in diesem Fall. Ich bin bei der Vorbereitung für eine Seminararbeit auf interessante Untersuchungen gestossen. Diese beweisen, dass wir selbst nicht so ganz genau wissen was uns glücklich macht und was nicht. Im Prinzip meinen wird nur etwas würde uns glücklich machen, in Wirklichkeit aber schadet uns einiges mehr als es uns hilf.
Dan Gilbert beweist in einem TED Talk, dass viele Menschen denken eine Sache würde sie glücklich mache, diese macht sie aber in Wirklichkeit unglücklich.
Das hat damit zu tun, dass wir sehr viel Unbewusst entscheiden.
Ab der 15 Minute in diesem Video ( http://www.ted.com/talks/lang/eng/dan_gilbert_asks_why_are_we_happy.html ) erzählt Dan Gilbert wieso machen uns Dinge unglücklich, die vermeintlich als Glücks-Lieferante gelten.
Ein sehr amüsantes Video, das mit einem Zitat von Adam Smith endet – passt auch perfekt thematisch zu diesem Post.
Tom
Kann irgendwie nicht stimmen. Gerade der Punkt: “gesund essen” hat sich seit 1937 stark gewandelt und kann somit nicht stimmen.
Jochen Mai
Wieso sollte sich der Punkt “gesund essen” gewandelt haben? Funktionieren Menschen heute biologisch anders? Zu viel Fett war schon immer schlecht, gewandelt hat sich allenfalls das Schönheitsideal.
Pingback: IT::fsinn
Tom
Das hat nichts mit biologischer Funktion zu tun, sondern mit wissenschaftlichen Erkenntnissen. Das Fett schlecht ist ist eine Erkenntnis die es 1937 garantiert noch nicht gab. Und wenn dann nicht in der breiten Bevölkerung. Selbst in den 60ern galt doch noch das Prinzip hauptsache viel Fleich. Erst seit den letzten Jahren ist man der Meinung dass rotes Fleisch dann doch nicht so gesund ist. Und somit kann das nur ein total subjektives Kriterium sein. Es sei denn alle Menschen waren vor 1960 unglücklich weil es gesunde Ernährung so wie wir sie heute betrachten damals defakto nicht gab.
Jochen Mai
@Tom: Achtung, Denkfehler! Dass die Ernährungswissenschaften immer wieder neue Empfehlungen rausgeben, ändert nichts daran, dass “gesunde Ernährung” (und nichts anderes steht da) zum Glücksempfinden beiträgt. Da steht nicht “mehr Steaks machen glücklich” oder “Yoghurt macht zufrieden” – da steht, sich gesund zu ernähren, macht glücklicher. Und dafür hat jeder – egal, was ihm Ernährungswissenschaftler auftischen – ein sicheres Körpergespür. Schließlich ist das auch keine Geheimwissenschaft: abwechslungsreiche Kost, vitaminreich, frisch – das wusste man auch 1937 schon (Tiefkühlpizza kannten die da sowieso nicht). Und mit dem guten Körpergefühl steigt durchaus auch das subjektive Glücksempfinden.
Tom
Kein Denkfehler, denn dann ist es so wie ich schon schrieb rein subjektiv und im Endeffekt egal wie ich mich ernähre, hauptsache ich fühle mich dabei wohl. Das würde wiederum bedeuten das Ernährung für Glück eigentlich unwichtig ist, da nur das rein subjektive empfinden zählt ob das Essen was ich zu mir nehme Gesund ist. Vielleicht sollte man dann besser schreiben “gutes Essen”.
Tom
Sorry ich wollte hinter dem “kein Denkfehler” noch ein Smiley setzen nicht das ich wie ein Streithahn daherkomme ;-)
Jochen Mai
Kein Problem… ich streite mich auch mal gerne, solange es nur um die Sache geht. Letztlich dient die Auseinandersetzung ja immer der Klarheit und/oder Aufklärung…
Dennoch bleibt es ein Denkfehler. Denn es ist eben nicht egal, wie man sich ernährt. Die Bedingung ist schon “gesund” – und das hat sich vielleicht in einigen Details verändert. Im Kern jedoch nicht. Ich wüsste nicht, wann die Menschen (außer vielleicht in der Steinzeit) geglaubt haben, dass es gesund wäre, sich nur von Fleisch zu ernähren. Und im 17 Jhd. wusste man spätestens durch die Seefahrt (Skorbut) auch schon, dass Vitamine, firsches Obst und Gemüse gesund sind. Insofern würde ich doch sehr gerne wissen, welche “wissenschaftlichen Erkenntnisse” du meinst. Dass Fett schlecht ist, wusste man auch 1937 schon, man wusste nur nicht genau, wie es im Körper funktioniert. Und wer weiß, vielleicht wissen wir in 10 Jahren noch mehr darüber. Deswegen wissen wir aber trotzdem, wie man sich gesund ernährt.
Tom
Man kann sich natürlich alles schönreden.
Ihrer Aussage nach hat sich
a)In der Ernährungswissenschaft in den letzten 60 Jahren kaum etwas getan. Man wusste also schon 1950 das Butter gesättigte Fettsäuren enthält und ungesund ist, das rotes Fleisch eher ungesund ist etc pp. !? Sie sollten sich vielleicht mal ein Kochbuch aus den 60ern ansehen. Ich glaube kaum dass sie dann immer noch der gleichen Meinung sind, dass früher gesund gekocht wurde so wie wir das heute sehen. Hinzu kommt der Wissenstand der Bevölkerung. Selbst wenn es aus medizinischer Sicht bekannt war so ist immer noch die Frage wusste die breite Masse dies? Wohl eher nicht denn selbst mit den heutigen Informationsmöglichkeiten wissen viele gar nicht was gesunde Ernährung ist. Außerdem glaube ich auch nicht dass es überhaupt ein Bewusstsein gab dass es ungesunde Ernährung gibt.
b)Das sowieso jeder Mensch instinktiv weiß was für ihn gesund ist. Ist natürlich ein Totschlagargument. Dann ist Ernährungswissenschaft eigentlich überflüssig!?
c)Das die Menschen im 17.Jhr. wussten das Vitamine gesund sind obwohl das erste Vitamin erst 1909 entdeckt wurde.
Außerdem ist es selbst heute noch umstritten ob Fett wirklich ungesund ist:
http://www.gesundheit.com/gc_detail_4_gc27020607.html?vpage=0
Jochen Mai
Och, ich rede mir da gar nichts schön, die Studie ist ja nicht mal von mir. Sie betreiben nur eine höchst eigenwillige Interpretation zu zwei Worten und wollen partout nicht einsehen, dass Sie Dinge schlussfolgern, die daraus überhaupt nicht zu schlussfolgern sind.
Nochmal: Da steht, sich gesund zu ernähren macht glücklich.
Ich glaube, ob jemand gesund oder krank ist, ist – neben aller medizinischen Indikation – ein durchaus objektivierbarer Zustand. Dass man heute mehr weiß als früher, steht dabei ebenso wenig zur Diskussion, wie die Tatsache, dass man in den vergangenen Jahren auch immer wieder MEINTE, Dinge zu wissen, die sich dann wieder als falsch erwiesen haben.
Auch wenn Vitamine als solche erst später als solche entdeckt wurden, haben Seefahrer sehr schnell herausgefunden, dass sie bei weiten Reisen immer wieder frische Lebensmittel bunkern müssen, weil sie sonst Skorbut bekommen. Sie wussten also durchaus was es heißt, sich gesund zu ernähren. Sie wussten zwar nichts von Vitaminen, aber wie man via Ernährung gesund bleibt. Das wussten die Menschen auch 1937, 1950, oder 1999. Wie gesagt: Die Rezepte mögen wechseln – im Kern aber geht es doch wohl um das Ergebnis: gesund bleiben. Und das macht glücklich.
Wir können gerne darüber diskutieren, dass das letztlich eine Binse ist (das steht da aber auch schon). Aber es ist sicher nicht falsch: Gesunde sind bestimmt glücklicher als Kranke.
zu b) Das ist kein Totschlagargument, sondern ein Argument. Und es macht die Ernährungswissenschaften auch nicht überflüssig, schließlich will man ja auch wissen, warum und wie manche Nahrungsmittel wirken. Ich finde, Sie oszillieren da ein wenig von einem Extrem ins andere. Die Welt besteht aber nicht aus Extremen.
Den Kommentar zu a) spare ich mir. Das ist Polemik. Lesen Sie doch lieber Kochbücher aus den Sechzigerjahren.
Tom
Was so ein kleiner Kommentar alles bewirken kann. Ich denke bevor das Ganze endlos weiter geht ziehen wir einen Schlussstrich. Kann ja jeder aus der Argumentation seine eigene Meinung bilden. Ich gehe erstmal eine (ungesunde) Pizza essen und bin glücklich dabei :-)
Jochen Mai
Na dann… Guten Appetit!
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