eierWer jemals beobachtet hat, welche Scheußlichkeiten in deutschen Wohnzimmervitrinen vegetieren, um dort den Staub einzufangen, den wundert nicht, zu welchem Ruhm es der güldene Tinnef des russischen Goldschmieds Carl Peter Farbergé (1846 bis 1920) gebracht hat. Sein Lebenslauf ist schnell erzählt: Fabergé wurde als Nachkomme hugenottischer Einwanderer in Sankt Petersburg geboren und entstammte einer Juwelierfamilie. 1860 zog er mit seiner Familie zunächst nach Dresden, kehrte aber 1870 nach Sankt Petersburg zurück und übernahm zwei Jahre später das Juweliergeschäft seiner Familie. Zusammen mit seinem Bruder restaurierte er erst große Schmucksammlung, was ihn später dazu inspirierte, Geschmeide in altrussischem Stil anzufertigen, teils gar als originalgetreue Kopien. Der Durchbruch gelang den Fabergés schließlich 1882 als sie einige Arbeiten an den Zaren Alexander III. verkauften. Für das erste Fabergé-Ei verlieh der Zar Fabergé sogar eine Goldmedaille.


Seinen Ruhm aber verdankt Fabergé einem Kollegen, dem finnischen Goldschmied Eric Kollin, der zuerst die Idee hatte, das russische Osterbrauchtum mit Goldschmiedekunst zu verbinden. Gut gekupfert, ist aber auch schon halb Gold. In der Folge entstand so zu jedem Osterfest ein neues Fabergé-Ei, das der Zarin Maria Fjorodowna geschenkt wurde. Nach 1895 ließ Alexanders Sohn und Nachfolger Nikolaus II. sogar je zwei Eier anfertigen, die er der Zarin Alexandra und seiner Mutter schenkte.

Die Russische Revolution beendete allerdings den Aufstieg Fabergés. In den Wirren der Oktoberrevolution verkaufte er seine Geschäftsanteile an seine Angestellten und floh nach Wiesbaden. Da blieb der Kosmopolit aber nicht. Er starb in Lausanne (Schweiz) und wurde in Cannes (Frankreich) bestattet. Heute wird die Tradition von Fabergé durch die Pforzheimer Juwelenmanufaktur Victor Mayer als einzigem autorisierten Werkmeister von Fabergé weitergeführt. Sein erstes Ei schenkte Mayer übrigens 1991 Michail Gorbatschow für seine Verdienste um den Weltfrieden. Das zehn Zentimeter hohe Ei ist grün und mit gelbgoldenen Girlanden verziert, die mit 18 karätigen Diamanten und Smaragden besetzt sind.

Das teuerste je verkaufte Fabergé-Ei kam jedoch 2002 bei Christie’s unter den Hammer (und blieb heil!). Das von Carl Fabergé gestaltete „Winter-Ei“ war ein Ostergeschenk von Zar Nikolaus II. an seine Mutter und erzielte nach nur zehn Minuten einen Verkaufspreis von 9.579.500 Dollar. Der Käufer ist unbekannt.

Gewiss, diese filigranen Überaschungseier mögen hohe und geschätzte Handwerkskunst sein. Mir persönlich gefallen sie nicht – zu viel Pomp. Und das meiner Meinung nach größte Fabergé-Ei steht sowieso in keiner Vitrine, sondern in der Londoner Innenstadt, genauer in der 30 St. Mary Axe, und wurde von dem Stararchitekten Sir Norman Foster geschmiedet: der Swiss Re Tower.