Voodoo-Puppe-Karrierekiller-Boss
Haben Sie schon mal von Googlability gehört? Sollten Sie aber! Das Internet kennt heute nicht nur Antworten zum Klimawandel oder Rezepten für Boeuff Stroganoff. Es weiß auch immer öfter Wissenswertes über die Fragensteller selbst: Immer mehr Nutzer füttern das soziale Netz mit immer persönlicheren Daten – und das lockt Neugierige an. Selbstdarstellung und Exhibitionismus sind nicht nur Freizeitbeschäftigung für Millionen - ein paar Klicks reichen aus, um Karrieren zu zerstören...

Wie das Internet Karrieren killt

Was da entsteht, ist ein gigantisches globales Zentralarchiv, ein Online-Gedächtnis, das alles sieht und weiß und fast nichts mehr vergisst. Und das ist das Problem.

Noch nie konnten Menschen so schnell auf Informationen zu allen erdenklichen Themen zugreifen, Kontakte knüpfen und bekamen ebenso schnell eine Reaktion darauf. Selbst von Menschen, die sie gar nicht kennen. Das alles hat bereits die Arbeitswelt revolutioniert. Jetzt ist die Privatsphäre dran – und damit der letzte persönliche Schutzraum.

Die Situation könnte grotesker kaum sein: Während Datenschützer darüber streiten, welche Daten Außenstehende sammeln, kombinieren und nutzen dürfen, lässt die Internet-Gemeinde schonungslos die Hüllen fallen: Hobbys, Wohnort, Job, der Streit mit dem Chef, die Affäre mit der Kollegin, die eigenen sexuellen Vorlieben, verwackelte Bikini-Selfies – alles lässt sich problemlos mit ein paar Suchmaschinen-Klicks zusammenrecherchieren. Eine gigantische Fundgrube für Datenbanker...

Der große Nutzen des Internets ist zugleich seine größte Gefahr: die Schwarmintelligenz. Je mehr Leute etwas behaupten, desto wahrer wirkt es. Die Behauptungen, die andere ins Netz stellen, können so für ihre Opfer leicht zur Lynchjustiz werden. Selbst das, was andere in bester Absicht über jemanden schreiben, Schnappschüsse, die Fremde oder Freunde auf ihre Seiten laden, sogar das Verhalten in virtuellen Diskussionen kann den Ruf ramponieren. Oder wie Kurt Tucholsky es formulierte:

Das Gegenteil von gut ist nicht böse, sondern gut gemeint.

Das Netz macht Lebensläufe transparenter

Mal eben ein paar Ausrutscher retuschieren und die eigene Laufbahn schönen – das ist kaum noch möglich. Wahr ist, was digital geschrieben steht. Und das hat Folgen.

Immer mehr Personaler werten dieses Wissen systematisch aus, durchforsten die Online-Vita eines Kandidaten, achten auf Lücken oder Widersprüche im Lebenslauf, auf eine seriöse Darstellung sowie darauf, ob jemand die Schlüsselpersonen seiner Branche kennt und umgekehrt. Profiling heißt das im Fachjargon. So ist auf einmal für jeden erkennbar, wo und mit wem jemand zur Schule gegangen ist, für welche Vereine oder Verbindungen er sich engagiert hat, wer seine oder ihre Freunde sind und was die so treiben. Aber auch die Schattenseiten einer Vita – ein missglücktes Projekt, Verleumdungen, die Rache eines verschmähten Liebhabers, Jugendsünden – stehen plötzlich für alle sichtbar im Cyberspace.

Das Netz mutiert nicht nur zu einem allumfassenden Wissensspeicher, sondern auch zum Reservoir der Indiskretion. Ein enormes Wissen – und eine enorme Macht.

Der Internet-Leumund ist längst ein Faktor, der die Karriere entscheidend beeinflussen kann. Bei einer Befragung des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater (BDU) von mehr als 300 Personalberatern und Personalentscheidern gaben 28 Prozent an, das Internet regelmäßig zu nutzen, um Lebensläufe von Kandidaten auf Schwachstellen abzuklopfen: Referenzen, fachliche Eignung, Vergangenheit, Kompetenzen, Meinungsäußerungen, Mitgliedschaften, Freizeitaktivitäten – alles wird gesammelt und ausgewertet.

Und Netzwerke wie Xing oder Linkedin sind wahre Fundgruben. 69 Prozent der Personalprofis nutzen das Medium dazu immer häufiger, mit entsprechenden Konsequenzen: In 34 Prozent der Fälle flogen Kandidaten schon nach den Online-Recherchen aus dem Auswahlprozess.

Deshalb, darum und daher: Wissen Sie, was man über Sie weiß?

Schon bald wird Menschen, die nicht im Web zu finden sind, eine Aura des Geheimnisvollen umgeben, prophezeit der US-Journalist John Battelle in seinem Buch "Die Suche". Alle anderen aber täten gut daran, möglichst oft bei Google & Co. ihre Namen zu suchen und sich ein Bild davon zu verschaffen, wer sie in der Welt des Web sind. Sie am besten auch:

  • Beginnen Sie mit den größten Suchmaschinen – Google, Yahoo, MSN. Dort geben Sie Ihren vollen Namen in Anführungszeichen und bei enthaltenen Umlauten abwechselnd in beiden Schreibweisen ein – also: "Peter Müller" und "Peter Mueller" – vergessen Sie auch nicht "Müller, Peter". Sollten Sie zu viele Ergebnisse erzielen, können Sie die Suche eingrenzen, indem Sie den Namen Ihres Wohnortes, Ihres aktuellen Arbeitgebers oder andere personenbezogene Daten ergänzen, die Sie üblicherweise in Bewerbungen verwenden. Wiederholen Sie die Suche und fragen Sie auch Ihre E-Mail-Adresse ab oder Ihre Spitznamen, die Sie im Internet verwendet haben. Gefährlich wird es dann, wenn an einer Stelle der Tarnname mit dem Klarnamen in Verbindung gebracht wird. Dann kann dann jeder herausfinden, was Peter Müller alias Hengst21 im Netz treibt. Erweitern Sie nun Ihren Suchradius um Bilder. Bei Google geht das komfortabel, indem Sie über dem Suchfeld die Rubrik "Bilder" anklicken und danach wie in Schritt eins sämtliche Namen-Kombinationen durchspielen. Wer weiß, vielleicht gibt es eine private Seite mit Fotos von einer Party auf der Sie waren. Und wer weiß, was Sie da gerade machen...
  • Archive wie Wayback finden auch noch uralte Daten. Und ein Google-Alert hilft Ihnen, künftig über neue Einträge mit Ihrem Namen informiert zu bleiben. Achten Sie auch auf Verwechslungsgefahren mit Namensvettern: Womöglich sind Sie ein anständiger Kerl, Ihr Namenszwilling aber nicht. Dumm, wenn das der Personaler nicht merkt, der nach Ihnen sucht. Klares distanzieren über eine eigene Webseite hilft. Ansonsten drängen Sie Freunde oder Seitenbetreiber dazu, unliebsame Einträge zu löschen. Vergessen Sie dabei das Google-Cache, eine Art Seitenfotokopie, nicht.

Gegengift zur Googlability: Selbstmarketing

Bevor andere über Sie ein Profil anlegen – machen Sie es selbst. Unliebsamen Einträge können Sie vielleicht weder löschen noch verhindern. Aber Sie können sie verdrängen. Die Strategien dazu sind vielfältig, legitim und oft sogar kostenlos. Dazu gehören:

  • Der Eintrag in virtuellen Businessnetzwerken. Dort gilt es vor allem, Kontakte zu Leuten mit hoher Strahlkraft und Renommee aufzubauen. Der hinterlegte Lebenslauf sollte lückenlos und eindrucksvoll sein, das Foto professionell und sympathisch – genau wie bei einer Bewerbung. Ein paar verlinkte Einträge in Fachforen unterstreichen das Bild. Wichtig ist dabei, stets Qualität vor Quantität zu setzen. Mehr als 100 enge Businesskontakte braucht kein Mensch – wenn es die richtigen sind.
  • Eine eigene Webseite oder besser ein eigenes Blog. Das kostet weder Geld noch viel Zeit, wird aber von Suchmaschinen bevorzugt. Auf dem Blog können solide recherchierte Fachartikel veröffentlicht oder Branchennachrichten kommentiert sowie der eigene Lebenslauf (eventuell Passwort geschützt) hinterlegt werden. Links zu anderen seriösen Seiten zeigen subtil, was der Seitenbetreiber sonst noch liest und wofür er sich interessiert. Effekt: Man positioniert sich als belesener Experte, der moderne Kommunikationsmittel zu handhaben weiß.
  • Dasselbe gilt für Diskussionsbeiträge in öffentlichen Fachforen. Hier beweist man nicht nur Kompetenz, sondern auch Streitkultur. Nur eines ist dabei tabu: labern.
  • Nach dem gleichen Prinzip lassen sich noch mehr Treffer generieren: Wer zeigen will, wen er kennt und auf welch wichtigen Treffen er verkehrt, kann zum Beispiel Fotos von sich mit anderen Gästen kostenlos bei Instagram einstellen (Achtung: Vorher mit den Betroffenen klären, ob man die Bilder veröffentlichen darf, sonst verletzt man Persönlichkeitsrechte!). Beim Online-Buchhändler Amazon wiederum kann kostenlos eine Wunschliste publiziert werden. Nebeneffekt: Wer sie findet, lernt etwas über den Musik- und Literaturgeschmack der Person. Darüber hinaus hilft es auch, seine Freunde und Mentoren zu bitten, gegebenenfalls auf deren Webseiten subtil Lobendes zu veröffentlichen und Links zu setzen.

Entscheidend ist dabei allerdings nicht, wie oft der eigene Name in den Suchlisten auftaucht, sondern in welchem Zusammenhang. Personal Branding heißt das im Fachjargon.

Bei dem digitalen Reputationsmanagement geht es letztlich darum, einen professionellen Eindruck zu hinterlassen. Das betrifft sowohl das Design wie die Inhalte. Bevor Sie also künftig etwas online stellen, fragen Sie sich: Würde ich zusammen mit diesem Text, diesem Bild und meinem Namen in der Zeitung stehen wollen? Lautet die Antwort Nein – löschen Sie es!

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