Soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter werden von den meisten Firmen als Kommunikationskanäle genutzt. Doch vor einem Corporate Blog schrecken viele Unternehmen zurück, zu groß scheint der Aufwand, zu gering der Nutzen. Das ist zwar so nicht korrekt, als erste Reaktion jedoch nachvollziehbar. Doch wie wäre es denn mit einer Google+-Seite als Blog-Alternative? Dise kann sowohl Vorstufe zu einem eigenen Blog als auch dauerhafte Alternative für Ihr Unternehmen sein.
Denn sowohl die Einrichtung als auch die Nutzung einer Google+-Seite ist – im Vergleich zu einem selbstgehosteten Blog – unkompliziert. Das senkt die Hemmschwelle sowohl für den Administrator als auch für die Mitarbeiter, die das Blog pflegen. Auch Google+ bietet Formatierungsmöglichkeiten für Texte an, doch diese sind längst nicht so umfangreich wie beispielsweise in HTML. Klar, das schränkt Ihre Möglichkeiten einerseits ein. Andererseits senkt es jedoch auch die Hemmschwelle für Mitarbeiter, die sich neu in das System einarbeiten sollen.
Weniger flexibel, dafür bedeutend einfacher
Sicher, ein selbstgehostetes Blog ist deutlich flexibler, als es eine Google+-Seite je sein könnte. Bei einem eigenen Blog können Sie sowohl das Design als auch die integrierten Funktionen – beispielsweise Share-Buttons – komplett selbst bestimmen. Doch die technische Betreuung eines solchen Blogs erfordert dann auch Zeit und Energie. Genau das sparen Sie sich bei einer Google+-Seite. Auch das Hosting von Bildern oder Videos entfällt komplett, denn diese Inhalte liegen dann auf den Google-Servern.
Datenschutz-Erwägungen – immerhin liegen die Daten dann auf Google-Servern – sollten bei einer Blog-Alternative nun wirklich keine Rolle spielen, denn Sie wollen die Inhalte ja öffentlich zugänglich machen.
Hohe Sichtbarkeit und Integration
Unter SEO-Gesichtspunkten ist eine Google+-Seite definitiv eine gute Wahl, denn Google bevorzugt sein eigenes Netzwerk in den Suchergebnissen und integriert Google+-Inhalte immer tiefer. Zusätzlich ist auch die Integration mit Youtube und anderen Google-Diensten weit vorangeschritten und wird voraussichtlich noch ausgebaut. Das macht es Ihnen und Ihren Mitarbeitern dann natürlich einfach, Videos, Fotos und sonstige Inhalte anderer Google-Dienste auf Google+ zu teilen.
Durch die enge Verzahnung mit Diensten wie Youtube können Sie die Abonnenten und Zuschauer Ihres Youtube-Kanals leicht zu Lesern Ihrer Google+-Seite machen. Denn Youtube-Videos lassen sich problemlos in Google+-Beiträge integrieren. Und auf dem Youtube-Kanal können Sie die Verlinkung zu Ihrer Google+-Seite prominent platzieren. Dazu kommt: Im Gegensatz zu Facebook, wo ein Nutzer Fan Ihrer Seite werden muss, um regelmäßig alle Beiträge in seinem Stream zu sehen, nutzt Google+ die so genannten Kreise. Da der einzelne Nutzer sehr fein einstellen kann, wie viele Beiträge er von welchen Kreisen in seinem Stream sehen will, ist es oft ein geringe Hemmschwelle, Google+-Seiten einzukreisen. Denn der Google+-Nutzer sieht nur das, was er wirklich von Ihrer Seite sehen will und wird nicht von Werbung, Anwendungen oder zu vielen Beiträgen erschlagen.
Der Fokus liegt auf den Inhalten
Design und Layout so manches Firmenblogs machen es dem Leser nicht leicht, sich auf den Text zu konzentrieren. Zu überladene Seiten, zu viele bewegte Elemente und eine unklare Struktur lenken die Aufmerksamkeit effektiv vom eigentlichen Inhalt ab. Sicher, dass kann durch ein klares Design verhindert werden. Doch bei einer Google+-Seite stehen die Inhalte schon vom Design her im Mittelpunkt. Das Lesen Ihrer Texte fällt einem Besucher daher leicht. Trotz der eingeschränkten Designmöglichkeiten können Sie Ihre Google+-Seite natürlich trotzdem Ihrem Corporate Design anpassen. Sowohl das große Titelbild als auch das kleiner Logo Ihrer Google+-Seite können Sie frei wählen und so die Zugehörigkeit zu Ihrem Unternehmen sichtbar machen.
Alle Inhalte einer Google+-Seite sind auch ohne Google+-Konto frei zugänglich. Das ist erst mal kein Vorteil gegenüber einem Blog. Doch da die meisten Besucher bereits ein Google-Konto haben, müssen sie sich nur noch mit genau diesem Konto bei Google+ anmelden, um kommentieren zu können. Das ist für den einen oder anderen sicherlich bequemer, als sich per Facebook oder mit einem neuen Konto bei einem anderen Kommentarsystem anzumelden.
Hohe Interaktion und Reichweite
Seit dem Google+-Start hat sich gezeigt: Die Nutzerbasis mag – vor allem im deutschen Sprachraum – noch nicht an Facebook heranreichen. Doch auf Google+ werden sehr viel mehr hochwertige und inhaltlich wertvolle Diskussionen geführt, als auf Facebook. Das ist zwar erst mal Arbeit für die Mitarbeiter, die die Seite pflegen – die Kommentare sollten zumindest gelesen und eventuell auch moderiert werden – doch so erhalten Sie das Feedback Ihrer Leser und Kunden. Dazu kommt, dass auf Google+ viele Nutzer unterwegs sind, die auf Twitter, Facebook und anderen Kanäle eine hohe Reichweite haben. Teilen diese Nutzer die Beiträge Ihrer Google+-Seite, so erhöht sich die Zahl Ihrer Leser drastisch.
Das Engagement Ihrer Leser können Sie jedoch auch noch auf eine andere Art steigern. Dazu nutzen Sie die in Google+ integrierten Videokonferenzen, die so genannten Hangouts. Mit diesen können Sie beispielsweise Frage-und-Antwort-Runden mit verantwortlichen Mitarbeitern Ihres Unternehmens oder bekannten Persönlichkeiten durchführen. Außerdem lassen sich damit hervorragend Leser an laufenden Events beteiligen.
Der Fussballverein HSV hat beispielsweise bereits im Februar diesen Jahres einen öffentlichen Hangout mit dem Bundesliga-Spieler Marcell Jansen veranstaltet. Die Fans waren aktiv dabei, konnten Fragen stellen und sich direkt in den hangout einschalten. Die Resonanz war so gut, dass auf diese ersten Hangout inzwischen mehrere gefolgt sind.
Ein anderes Beispiel ist die METRO-Kette. Das METRO-Genussblog hatte im November 2011 zur virtuellen Weinprobe via Google+-Hangout geladen. Den Teilnehmern hat die Veranstaltung offensichtlich gefallen und METRO so sicherlich den einen oder anderen neuen Weinkunden gewonnen. Diese beiden Beispiele zeigen: Mit Hangouts können Sie kreativ werden und neue Ansätze ausprobieren. Dadurch können Sie Ihre Leser nicht nur stärker einbinden, sondern auch als loyale Kunden für Ihr Unternehmen gewinnen.
Eine Google+-Seite kann eine gute Alternative zu einem Corporate Blog darstellen. Sie können eine solche Seite jedoch auch als Vorstufe für ein “richtiges” Blog sehen. Wie Sie ein Corporate Blog dann pflegen und aufbauen, hat Jochen Mai bereits beschrieben.
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Ivan Blatter
Ein guter Artikel und eine spannende Meinung.
Ich nutze beides (Blog und Google Plus), um möglichst viele Leute anzusprechen.
Was zwar ein Vorteil sein KANN, ist für mich ein Nachteil: Die fehlende Flexibilität beim Design und Aufbau.
Pingback: Corporate Blogs: Wo ist Ihre Mitte? | PR-Doktor
Jürgen
Hallo Karrierebibler,
erstmal bin ich der Meinung, dass eine gute Pflege einer G+ Page mindestens genauso viel Aufwand bedeutet wie ein eigener Blog.
Das ist jedoch gar nicht der Haken an eurem Artikel … wie kann man ernsthaft empfehlen so wichtige Inhalte, wie die eines eigenen Blogs, auf ein Netzwerk wie G+ oder auch ein anderes auszulagern?
Das ist meiner Meinung nach ein absoluter Irrsinn, man sollte doch versuchen so wenig wie möglich Abhängigkeiten zu schaffen. Und noch dazu G+? Wir wissen doch mittlerweile wie schnell Google Produkte / Tools wieder vom Markt verschwinden.
Hier noch meine Meinung zum Thema von Anfang Mai: http://designetage.com/der-blog-ist-die-basis/
Christian Mueller
Hallo Jürgen,
erst mal danke für deinen Kommentar.
Sicher macht sich ein Unternehmen von Google bis zu einem gewissen Grad abhängig, wenn es G+ als Blog-Alternative einsetzt. Doch erstens sollten die Inhalte natürlich auch noch mal offline als Kopie vorliegen – was das Neuaufsetzen im Zweifelsfall relativ einfach macht – und zweitens ist die komplette Unabhängigkeit wirklich nur bei großen Unternehmen gegeben. Die betreiben natürlich ihre eigenen Server, doch kleine und mittlere Unternehmen setzen oft auf gehostete Server. Hier ist die Abhängigkeit ebenfalls gegeben, nur eben vom Hoster statt von Google. Zudem gibt es nicht gerade wenige Firmen, die auf Google Apps setzen und dei gesamte Infrastruktur mehr oder weniger auslagern. Bei denen ist Google+ dann nur der nächste logische Schritt.
Google hat zwar nicht den besten Trackrecord, was das Einstellen von Diensten betrifft. Doch die Entwicklungen von Google+ und die voranschreitende Integration in andere Google-Dienste zeigen aus meiner Sicht, dass Google sien Netzwerk ganz klar als zweiten Schwerpunkt neben seiner Suche sieht. Daher wird Google+ einer der letzten Dienste sein, den Google abschalten wird. Das Netzwerk wird im Gegenteil wahrscheinlich eher noch an Bedeutung gewinnen und noch tiefer mit allen anderen Diensten integriert werden.
Grundsätzlich gebe ich dir Recht, wenn bei dir die Kontrolle über deine Inhalte an erster Stelle steht und du völlig unabhängig sein willst, ist G+ nicht die richtige Wahl. Doch dann musst du konsequenterweise auch deine eigenen Server betreiben. Ist alles möglich, nur eben auch mit Aufwand verbunden. Und das ist – neben Hangouts, SEO-Wert, Kreisen, Youtube-Integration usw. – eine der Stärken von G+ als Blogalternative: Es ist unkompliziert und annähernd kein Aufwand. Klar, Unternehmen tauschen hier Kontrolle gegen Komfort ein. Doch manchen Firmen ist es das durchaus wert.
Gruß,
Christian Müller
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