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Ein wenig erinnert Google+ an Schrödingers Katze: Niemand scheint zu wissen, ob das Netzwerk tot oder quicklebendig ist. Sicher, in den letzten Jahren hat sich bei Google+ viel verändert und so manche attraktive Funktion wurde ausgelagert oder eingestellt. Doch das bedeutet nicht, dass das Netzwerk dadurch irrelevant geworden wäre. Nein, Google+ kann nach wie vor sinnvoller Teil der Kommunikationsstrategie sein - wenn fiese Fehler vermieden und die passenden Tipps beherzigt werden...

Google+: Warum ist das Netzwerk noch relevant?

Google+Die aktuelle Bedeutung von Google+ lässt sich recht einfach durch eine Google Suche erkennen. Bei vielen Themen tauchen Google+ Einträge noch vor den jeweils relevanten Webseiten auf. Und wer nach Unternehmen oder Locations sucht, wird in der Regel über die prominent platzierten Google+ Seiten samt Kartenausschnitt und Kontaktdaten stolpern.

Aus SEO Perspektive spielt Google+ also nach wie vor eine Rolle. Das gilt auch, wenn der Fokus statt auf Seiten auf Profilen liegt, mit denen sich Personen - Autoren, Freiberufler oder Bewerber - positionieren können. Der zeitweise wichtige Author Rank ist zwar Geschichte, doch aktive genutzte Google+ Profile tauchen in den Google Suchergebnissen immer noch weit oben auf. Sie sind oft deutlich sichtbarere, als die individuell gepflegte Webseite.

Zwar wurden und werden Funktionen aus Google+ ausgelagert - jüngstes Beispiel sind die nun eigenständigen Google Photos - doch das bedeutet eben nicht da Ende von Google+. Bradley Horowitz, seines Zeichens Googles Head of Streams, Photos and Sharing, schreibt dazu:

No, Google Plus is not dead. In fact, it’s got more signs of life than it’s had in some time.

Ein Zeichen dafür sind die vor kurzem eingeführten Collections - zu deutsch: Sammlungen - die Content Curation auf Google+ deutlich erleichtern. Dazu später mehr.

Umfragen für mehr Interaktion

Es hat zwar etwas gedauert, doch seit einiger Zeit bietet Google+ Ihnen die Möglichkeit, von Seiten oder Profilen aus Umfragen zu erstellen und so das Feedback Ihrer Follower einzusammeln. Das Anlegen einer Umfrage ist recht einfach - die passenden Anleitung finden Sie hier - ihre gezielte Nutzung jedoch schwieriger.

Denn es ist nicht sinnvoll, einfach auf gut Glück irgendwelche Fragen zu stellen. Erstens kommen sich Ihre Follower dadurch schnell veralbert vor. Und zweitens sind Umfragen nur hilfreich, wenn Sie auch etwas mit den Antworten anfangen und diese nutzen können. Stellen Sie vor dem Erstellen einer Umfrage daher sicher, dass...

  • ... das Thema sowohl für Ihre Follower als auch für Sie relevant ist.
  • ... die Antworten gelesen und analysiert werden.
  • ... daraus auch Konsequenzen folgen.

Änderungen und Konsequenzen, die aus Umfragen folgen, sollten Sie dann natürlich kommunizieren. Dann sehen Ihre Follower, dass ihre Meinung ernst genommen wird.

Google+: Tipps und Tricks für die Kommunikation

Sarawut Aiemsinsuk / shutterstock.comVon Grundlagen wie einem vollständig ausgefüllten Profil, Bild- und Profilgestaltung im persönlichen Look oder der Coporate Identity und der Verlinkung zu allen anderen relevanten Kanälen gehen wir an dieser Stelle aus. Zusätzlich zu diesen in nahezu allen sozialen Netzwerken gültigen Basics sollten Sie in Google+ jedoch auch darauf achten, Profil und Seite mit den jeweils relevanten Google-Diensten zu verknüpfen. So lässt sich beispielsweise ein YouTube Kanal mit einer Google+-Seite oder einem Profil verbinden und für Hangouts ist das Google+ Konto ohnehin nötig.

Für das Kommunkationsverhalten gelten im Grunde die gleichen Grundsätze wie auch für andere Netzwerke. Dazu gehören:

  • Aktives Engagement auf der Plattform und innerhalb der Community
  • Beteiligung an Diskussionen und die Beantwortung von Fragen
  • Feedback annehmen und nutzen
  • Kanalspezifisch aufbereiteten Content nutzen

Beim letztgenannten Punkt kann eine Infografik des Teams von mycleveragency weiter helfen. Sie umfasst im Original zwar mehrere Netzwerke, den für Google+ relevanten Abschnitt finden Sie jedoch im Folgenden.

myperceftagency

Im Gegensatz zu anderen Netzwerken kommen auf Google+ auch längere Beiträge gut an - wenn diese inhaltlich für die Community interessant sind. Bei längeren Texten sollten Sie unbedingt die Formatierungsmöglichkeiten von Google+ nutzen. Fettungen werden durch zwei Sterne vorgenommen (*Text*), Kursivschreibung durch Unterstriche (_Text_) und durchgestrichener Text lässt sich durch Bindestriche erreichen (-Text-). Arbeiten Sie dann noch mit Absätzen und Bildern, werden die Beiträge ansprechend.

Do Share: Google+ Beiträge vordatieren und planen

DoShareFür Google+ Seiten gibt es inzwischen zahlreiche Tools, mit denen sich Beiträge vorab schreiben, planen und veröffentlichen lassen. Für Google+ Profile ist eine solche Funktion jedoch nach wie vor nicht verfügbar.

Abhilfe schafft hier die Chrome Erweiterung Do Share, mit der Sie Beiträge für Ihr Google+ Profil vorplanen können. Einziger Haken: Der Browser muss die ganze Zeit geöffnet um im Google+ Profil angemeldet sein. Schalten Sie den Rechner aus, gehen die geplanten Beiträge nicht online.

Content Curation durch Sammlungen

Google+Beim Thema Content darf eine Funktion nicht unerwähnt bleiben: Die vor kurzem eingeführten Sammlungen oder Collections.

Sammlungen bieten Ihnen die Möglichkeit, Ihre Beiträge zu verschiedenen Themen an einem Ort zu sammeln und so Übersicht für Ihre Follower zu schaffen. Die Optik erinnert an eine Mischung aus Pinterest und Flipboard. Sammlungen können als zentrale Hubs für die Content Curation oder schlicht als Ordnungsintrument für Ihre eigenen Beiträge dienen. Hilfe und Tipps zu Sammlungen finden Sie hier, einen ersten Überblick bietet auch das folgende Gif, das Google selbst bereit stellt.

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Google+ Communities: Direkter Kontakt zu Kunden und Followern

Wollen Sie Ihren Schwerpunkt jedoch eher auf den Community- und Beziehungsaufbau zu Ihren Followern legen, kann sich die Einrichtung einer eigenen Google+ Community lohnen. Die Vorteile und Möglichkeiten einer Google+ Community scheinen auf Unternehmen optimal zugeschnitten zu sein:

  • Der direkte Austausch und Dialog mit Fans und Kunden ist problemlos möglich.
  • Google+ wird aktuell hauptsächlich von ernsthaft am Thema interessierten Personen genutzt. Daher finden Austausch und Diskussion meist auf einem hohen Niveau statt.
  • Die Aktivität in Google+ Communities verbessert (vermutlich) auch Sichtbarkeit und Reichweite in den Google-Suchergebnissen.
  • Daher können auch Nicht-Google+-Nutzer häufig gestellte Fragen - und die entsprechenden Antworten - in der Community durch eine einfache Suche finden.
  • Da relativ viele Influencer auf Google+ aktiv sind, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Diskussionen der Community auch außerhalb von Google+ thematisiert werden.

Google+ Communities können - ähnlich wie Facebook Gruppen - einen mehr oder weniger geschützten Kommunikationsraum bieten, in dem Unternehmen direkt mit ihren Kunden und Followern in Kontakt treten können. Besser noch: Fans und Kunden können sich gegenseitig unterstützen und finden in der Community dafür die - vom Unternehmen moderierte - Plattform.

So verlockend die Vorteile auch klingen, sollten sich Unternehmen natürlich nicht Hals über Kopf oder gar planlos auf eine Google+ Community einlassen. Vor allem drei Faktoren gilt es zu bedenken:

  1. Fan-Basis und Zielgruppe

    Hier spielt die - zumindest in Deutschland - bisher verhältnismäßig geringe Nutzung von Google+ eine große Rolle. Aktuell sind dort vor allem Social Media und Technik affine Nutzer unterwegs. Setzt sich die Zielgruppe und Fan-Basis eines Unternehmens jedoch aus Nutzern zusammen, die überhaupt nicht in dieses Profil passen, ist eine Google+ Community vermutlich die falsche Plattform, um Dialog und Kommunikation zu ermöglichen.

  2. Ressourcen und Kompetenz

    Passt die Fan-Basis ins Profil, kommt der zweite Faktor zur Geltung: Die verfügbaren Ressourcen und die Kompetenz im Hinblick auf Google+. Eine Google+ Community muss aktiv moderiert werden. Zusätzlich sollte sich das Unternehmen aktiv an Diskussionen beteiligen. Beide Aufgaben erfordern den Einsatz von Mitarbeitern mit entsprechenden Zeitkontingenten. Hier spielt noch ein weiterer Faktor eine Rolle: Die zuständigen Mitarbeiter sollten sich mit Google+ auskennen und ein Gespür für die dort aktiven Fans haben oder zumindest entwickeln.

  3. Reichweite und Bekanntheitsgrad

    Ein ebenfalls wichtiger Aspekt: Nur mit einer ausreichend großen Nutzer- oder Fan-Zahl kann eine Google+ Community wirklich aktiv und zu einer Plattform für Fans werden. Die dafür notwendige Reichweite und Bekanntheit sollte jedoch bereits vor dem Start der Google+ Community vorhanden sein. Ein Unternehmen mit geringer Reichweite in anderen sozialen Netzwerken wird in der Regel nicht genug Fans aktivieren können, um eine Google+ Community sinnvoll zu nutzen.

Eine Google+ Community ist also nur sinnvoll, wenn sie in die Kommunikationsstrategie und zu den Kommunikationszielen passt und das Unternehmen bereits auf Google+ aktiv ist. Läuft Google+ jedoch nur mit, sollten Sie von einer Google+ Community Abstand nehmen. Tipp: Als Best Practice Beispiel für Google+ Communities und Corporate Flagge empfehlen wir Ihnen die DB Bahn Community. Und wenn Sie Hilfe zu Google+ suchen, gibt es dafür die Google+ Hilfe Community.

Hangouts und Local

Google LocalZwei Komponenten werden bei Google+ als fast schon selbstverständlich vorausgesetzt, sind uns allerdings eine eigene Erwähnung wert. Den Anfang machen die fast schon allgegenwärtigen Hangouts. Diese Video Chats bieten unter anderem mit den Hangouts on Air einen Livestream-Komponente, die Unternehmen und Freiberuflern zahlreiche Möglichkeiten bieten. Diese stellen wir jedoch in unserem umfassenden Artikel zu Hangouts dar, weshalb wir es an dieser Stelle bei dem Hinweis belassen.

Die zweite Komponente ist Google Local. Unternehmen können und sollten sich mit ihrer Adresse verifizieren und so ihren Eintrag in Google Maps mit ihrer Google+ Seite verknüpfen. Wer in den Suchergebnissen und lokal sichtbarer werden möchte, kommt um Google Local nicht herum.

11 fiese Fehler auf Google+

 IVY PHOTOS/shutterstock.comNach all den Vorteilen und Chancen, die Google+ mit seinen zahlreichen Funktionen bietet, wollen wir abschließend auch auf einige häufige Fehler eingehen. Diese können in der täglichen Arbeit schnell vorkommen und Ihnen das Potenzial von Google+ nachhaltig verbauen.

Einige davon lassen sich durch eine solide Strategie vermeiden, andere bedürfen ständiger Aufmerksamkeit und Achtsamkeit. Halten Sie sich jedoch an unsere tipps und meiden Sie die folgenden Fehler, kann Google+ Ihre Kommunikation spürbar bereichern.

  1. Unter ferner liefen - Viele Unternehmen und Bewerber behandeln Google+ nach wie vor als Netzwerk zweiter Klasse. Der Fokus der Kommunikation liegt dann oft auf Twitter, Facebook oder anderen Netzwerken. So verständlich dieser Ansatz auch sein mag, steht er Ihnen bei der optimalen Nutzung von Google+ doch im Weg. Wenn Sie sich nicht genug Zeit und Energie nehmen, um sich wirklich in das Netzwerk einzuarbeiten, können Sie auch nicht viel davon erwarten.
  2. Crossposting galore - Dieser Fehler ist eine mehr oder weniger direkten Konsequenz aus Fehler eins. Sehen Sie Google+ lediglich als Anhängsel und nice to have, werden Sie vermutlich primär Inhalte und Beiträge aus Facebook crossposten und sich nicht die Mühe machen, eigene Beiträge und Texte für Google+ zu erstellen oder dafür anzupassen. Doch auf Facebook funktionieren kürzerer Posts am besten, während Sie auf Google+ durchaus auch längere Texte schreiben sollten. Eines der beiden Netzwerke wird unter diesem Widerspruch leiden.
  3. Schwerpunkt SEO - Einige Strategen und Unternehmen nutzen Google+ ausschließlich wegen seiner spürbaren Auswirkung auf die Google-Suchergebnisse. Abgesehen davon, dass der genaue Einfluss von Google+-Beiträgen auf die Google-Suche noch nicht ganz klar ist, ist dieser Ansatz nur kurzfristig von Erfolg gekrönt. Denn auch bei Google+ geht es in erster Linie um die Kommunikation mit Menschen und für diese sollten die Beiträge auch verfasst werden. Wer seine Posts jedoch auf Biegen und Brechen auf optimale SEO Wirkung ausrichtet, wird damit nur wenige Menschen erreichen - und keine nachhaltige Reichweite aufbauen.
  4. Keine Hashtags - Eine Form der legitimen Optimierung sollten Sie jedoch unbedingt nutzen: Hashtags. Was auf Facebook nur bescheiden funktioniert und Twitter längst gang und Gäbe ist bietet Ihnen auch auf Google+ zahlreiche Chancen. Durch Updates hat Google diese Funktion in den letzten Monate deutlich aufgewertet. So können und sollten Sie beispielsweise Hashtags dazu nutzen, ähnliche oder thematische verwandte Beiträge zu finden und Ihren eigenen Beiträgen mehr Sichtbarkeit zu verschaffen.
  5. Fehlende Verknüpfung - Google hat sein soziales Netzwerk inzwischen in zahlreiche Dienste integriert und beispielsweise für Youtube bereits zur Pflicht gemacht. Dennoch versäumen es viele Unternehmen, ihre verschiedenen Accounts mit der Google+-Seite zu verknüpfen und vergeben dadurch enormes Potenzial. Stellen Sie daher sicher, dass alle relevanten Netzwerke und Online Präsenzen auch auf Ihre Google+-Seite verweisen und dort ebenfalls verlinkt sind.
  6. Falsche Themen - Auf die etwas andere Community auf Google+ sind wir bereits zu Beginn des Artikels eingegangen. Einige Kommunikatoren treiben es mit der Anpassung für die verschiedenen Netzwerke allerdings zu weit und kommunizieren auf Google+ ganz andere Themen als in anderen Netzwerken. Eine solche thematische Unterscheidung ist jedoch nicht sinnvoll, da zu große Unterschiede zwischen den Netzwerken zu Irritation und Verwirrung führen können und keinen überzeugenden Eindruck bei Netzwerkpartnern hinterlassen. Ihre Kernthemen sollten auch auf Google+ im Zentrum stehen.
  7. Keine Hangouts - Hangouts (on Air) sind das Alleinstellungsmerkmal des Google-Netzwerks, doch nur wenige Unternehmen nutzen diese aktiv und strategisch. Auch wenn die rechtliche Lage von Hangouts on Air in Deutschland noch unklar ist, sollten Sie das Format der Hangouts dazu nutzen, um mit Ihren Fans in Kontakt zu treten und Ihre Community aktiv in Themen und Entscheidungen einzubeziehen. Einige Tipps für Hangoutformate finden Sie im Textkasten.
  8. Keine Differenzierung - Sie passen Ihre Beiträge für Google+ individuell an und bereiten Inhalte für das Netzwerk neu auf? Wunderbar, dennoch könnten Sie einen weit verbreiteten Fehler begehen: Alle Themen finden auf allen Kanälen statt. Natürlich sollten Sie alle Ihre wichtigen Themen in den Netzwerken ansprechen, doch wenn Sie erreichen wollen, dass Menschen Ihnen in mehreren Netzwerken folgen, sollten Sie Themenschwerpunkt für verschiedene Netzwerke bilden und diese klar kommunizieren.
  9. Nutzung als Blogersatz - Natürlich können Sie Ihre Google+-Seite als eine Art Blogersatz nutzen und verstehen - einige Kommunikatoren und Bewerber tun das auch - doch bitte nicht, wenn Sie über ein eigenes Blog verfügen! Denn dann treten Sie mit langen Beiträgen auf Google+ in direkter Konkurrenz zu Ihrem eigenen Blog - was definitiv keine gute Idee ist. Hier sollten Sie sich nochmals Gedanken über Ihre umfassende Kommunikationsstrategie machen.
  10. Wenige Bilder - Ja, Textbeiträge laugen auf Google+ deutlich besser als auf Facebook. Ja, die meisten Google+-Nutzer lesen auch längere Texte. Dennoch sollten Bilder einen spürbaren Teil Ihrer Kommunikation ausmachen und Ihren Stream damit bereichern. Reine Textwüsten wirken einfach nicht attraktiv.
  11. Wenig Videos - Auch Videos können auf Google+ hervorragend eingebunden und genutzt werden - es tun nur wenige Unternehmen und Marken. Dabei bietet die Integration von Videos auch die Möglichkeit, den eigenen Youtube-Kanal zu pushen und dessen Reichweite und Sichtbarkeit deutlich zu steigern. Dieses Potenzial sollten Sie auf jeden Fall nutzen.

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[Bildnachweis: Presskit Google, Sarawut Aiemsinsuk, IVY PHOTOS by Shutterstock.com, blueximages by 123rf.com]