Die Diskussionen um die Frauenquote haben zwar in den Medien abgenommen. Aber was ist seitdem wirklich in den Unternehmen passiert? Proporz ist das Eine, echte Frauenfreundlichkeit im Betrieb etwas völlig anderes. Offenbar. Denn es gibt dazu gerade eine bemerkenswerte Studie von Synergy Consult – und ein trauriges Ergebnis: Nur noch 62,5 Prozent (statt wie 2011 noch 67,9 Prozent) der Befragten nehmen ihr Unternehmen als frauenfreundlich wahr.

Trotz gesellschaftlicher Diskussionen zu mehr Vielfalt, den Bemühungen der Unternehmen zur Frauenförderung und politischer Drohungen: 14 von 15 Antworten zur Frauenfreundlichkeit in deutschen Unternehmen fallen im Vergleich zum Vorjahr schlechter aus. Nur ein Ergebnis hat sich verbessert: Es gibt mehr Frauen in Führungspositionen. Fast 40 Prozent der Befragten gaben an, dass der Frauenanteil in Führungspositionen bei über 15 Prozent liegt. Immerhin etwas, wenn auch nicht viel.

Deutlich schlechter bewertet werden jedoch alle Punkte, die mit Arbeitsflexibilisierung zu tun haben: Teilzeitarbeit wird weniger akzeptiert (minus 6,6 Prozentpunkte), ebenso sank die wahrgenommene Chance für Führungskräfte, in Teilzeit zu arbeiten (minus 5,9 Prozentpunkte). Die Angebote zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie fielen schon um 12,1 Prozentpunkte, die Möglichkeit zur Telearbeit gar um 13,1 Prozentpunkte.

Anwesenheit ist akzeptiert, Elternzeit nicht

Zwar gibt es diese Angebote in mehr als der Hälfte der antwortenden Unternehmen. Doch ob flexibles Arbeiten vom Chef und den Kollegen auch positiv angenommen und toleriert wird, steht auf einem anderen Blatt. Wenn die Kollegin also etwa um 16 Uhr aufhören muss, um ihr Kind vom Kindergarten abzuholen, dann akzeptieren das heute 68,6 Prozent – im vergangenen Jahr aber noch 73,9 Prozent. Und wenn beispielsweise mal die Väter in Elternzeit gehen, dann sehen das nur noch 27,9 Prozent der Betriebe gerne, vorher aber 38,1 Prozent. Aber sehen Sie selbst:

Das eigentliche Problem aber steckt in einer ganz unscheinbaren Frage mittendrin. Sie lautet: Haben Sie eine Ursachenanalyse durchgeführt, warum Frauen weniger in Führung vertreten sind. Ergebnis: Nö. Das machen gerade mal rund 29 Prozent der Unternehmen. Und das obwohl 53,5 Prozent der befragten Unternehmen bestätigen, dass ihr Topmanagement ein Commitment abgegeben hat, Frauen zu fördern.

Naja, zwischen Theorie und Praxis passt manchmal ein ganzer Canyon.