Dass Beziehungen nur dem schaden, der keine hat, dürfte sich herumgesprochen haben. Nicht zuletzt verbirgt sich dahinter eine der Triebkräfte, warum virtuelle Netzwerke wie Xing, Linkedin oder Facebook weiterhin regen Zulauf verzeichnen. Ich unterstelle sogar, dass jeder von uns aus dem Stegreif ein paar Namen von Leuten nennen kann, mit denen er regelmäßig essen geht oder die sich mit ihm regelmäßig zum Essen verabreden möchten. Das ist schon mal gut. Aber die entscheidende Frage für die Qualität eines persönlichen Netzwerks stellte mir kürzlich ein Freund:
Wen könntest du nachts um 2 Uhr anrufen?
Die Frage klingt nur trivial. Tatsächlich geht es dabei um mehr als die Mutmaßung, wen man wohl mitten in der Nacht aus dem Tiefschlaf schellen und mit seinen Problemen belämmern darf. Es geht darum: Auf wen kannst du wirklich-wirklich zählen, wenn es drauf ankommt? Und ich vermute mal: Trotz 200 Xing-Kontakten, über 400 Twitter-Verfolgern und wer weiß wie vielen Visitenkarten in der Datenbank – das tragfähige Netz dürfte dann doch recht überschaubar ausfallen. Oder würden Sie gerne von mir nachts um 2 Uhr angerufen werden? Eben.



Gerhard Zirkel
Anrunfen kann ich jeden um diese Zeit – ob der auch ran geht ist die andere Frage. Ich denke für so etwas ist mehr als nur ein Kontakt nötig, eine Freundschaft beispielsweise. Das war aber vor Web 2.0 auch schon so.
Gerhard Zirkel
Jochen Mai
Klar, war das vor Web 2.0 auch schon. Nur lebten wir da noch nicht so sehr in der Illusion über viele nützliche Kontakte zu verfügen.
Theodor
Mir scheint es, für viele Personnen sind die XING und Facebook Kontakte wahre Statussymbole, die Ausdrücken sollen wie wichtig und sympathsich sie sind.
Für meine wichtigen Kontakte brauche ich aber sicher kein XING oder dergleichen. Netzwerke gab es auch schon früher, ohne den Web 2.0 Hype.
Die Frage ist wirklich: Wieviele eigene Kontakte nutzen einem wirklich? Oder hat man sie einfach, dass man sie hat?
Holger Reich
Man darf ein geschäftsfreundschaftliches Netzwerk nicht mit echter Freundschaft verwechseln. Möglicherweise gibt es hier eine Überscheneidung – muß aber nicht zwingend sein. Ich behaupte sogar, das eine Überschenidung von Geschäftsfreund und (echtem) Freund eher selten – und auch zu vermeiden – ist.
Tinkerbell
Spannende Frage an sich. Denn meine 2-Uhr-Nachts-anrufen Kontakte finde ich vielleicht noch bei meinvz aber nicht bei Xing. Das sind eben Freunde von mir. Xing wären eher Geschäftspartner, zukünftige Arbeitgeber oder Kooperationspartner etc.. Und die ruf ich natürlich nicht um 2 Uhr nachts an. Ich denk an sich hinkt dort die Frage. Wie schön gesagt: Netzwerkkontakte und Freunde sollte man nicht in einen Topf werfen. Aber trotzdem gut sich darüber mal wieder klar zu werden.
Kirstin Walther
Ich werf mal einen weiteren Aspekt in die Runde:
Durch diese ganze Vernetzung im Internet, sprich Blog, Twitter etc. habe ich von sehr vielen zusätzlichen Kontakten, mindestens eine Hand voll Leute kennenlernen dürfen, die ich um diese Nachtzeit anrufen könnte und die auch abnehmen würden – sofern sie es hören. ;o) Und deswegen bin ich sehr froh in diesen Sphären unterwegs sein zu dürfen, denn fünf zusätzliche echte Freunde sind wirklich viel in unserer heutigen Zeit.
Thomas Schulze
denke, mit manchen auch ( Xing etc. ) Freunden ist man entweder sofort auf der selben Wellenlänge, oder man wird es nie :-) Echte Freunde, gibt es ewig und manche werden auch aufgrund von Lebensumständen ausgetauscht, oder Prioritäten verschieben sich!
Frank Kemp
Die Facebook-Community nimmt zwar stetig zu, die Frage ist jedoch: Wielange noch? Jeder der auf Facebook ist, sein “Freundeskreis” täglich erweitern “muss” kennt das Angstgefühl, bei einem Logout aus Facebook, weg vom Fenster, weg von Freunden etc., zu sein. Aus meiner Sicht wird sich der SN-Hype legen, zu gross wird der Stress, zu gross die Angst auf Verluste. Sobald ein grosser Teil beginnt, diese Plattformen zu hinterfragen, sich zu fragen, ob dies für das Private wirklich Wert hat, wird eine Gegenbewegung starten. Dem verbindungslustigen Menschen wird es zuviel werden. Er wird den Aufwand minimieren wollen und den Fokus auf wahre, langfristige Beziehungen und Kommunikationen setzen.
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