DankeJeder kennt die Sprüche: „Keine gute Tat bleibt lange ungestraft“, „Gute Mädchen kommen in den Himmel, böse überall hin“. Dahinter stecken pure Konkurrenzgedanken: Das ganze Leben ist ein endloser Wettbewerb, in dem nur die Starken überleben. Belege für diese Thesen gibt es so einige. Sie verschleiern aber zugleich, dass es mindestens ebenso viele Gegenbeispiele gibt: Menschen, die ihre Karriere nicht ihren Ellbogen, spitzen Zungen, Stuhlbeinsägen und verkniffenen Gesichtsmuskeln verdanken, sondern deren Erfolg auf Loben, Lächeln und Dankbarkeit basiert.

Als ich diese Geschichte las, musste ich spontan schmunzeln. Nicht nur weil es eine schöne Geschichte mit einem Happy End ist, sondern weil Sie zweierlei beweist: Freundlichkeit und Dankbarkeit zahlen sich langfristig aus. Und: Man begegnet sich immer zweimal im Leben.


Es ist die Geschichte von Rafael J. Hernandez, der seinen Job bei einer Agentur verlor. Das allein wäre nichts besonders, das kommt vor, in diesen Zeiten sowieso. Doch Hernandez entschied sich, über die Kündigung nicht narzistisch gekränkt und wutschnaubend von Dannen zu ziehen. Nein, er schrieb seinem Ex-Boss einen Brief – und zwar einen sehr netten. Darin bedankte er sich für die Chance, für diese Agentur eine zeitlang arbeiten zu dürfen, für die gute Zeit und die vielen Dinge, die er dabei lernte. Der Brief verfehlte nicht seine Wirkung: Über seine ehemaligen Kollegen hörte Hernandez, dass sich sein ehemaliger Chef über so viel menschliche Größe und das nette Lob sehr gefreut hätte. Deswegen bekam er den Job nicht zurück, blieb aber in positiver Erinnerung. Und tatsächlich: Jahre später, Hernandez arbeitete zwischendurch für eine andere Agentur, wurde aber wieder arbeitslos, meldete sich sein Ex-Chef erneut bei ihm. Sein Brief blieb ihm über all die Zeit im Gedächtnis – und nun bot er ihm einen neuen Job an, sogar zu besseren Konditionen.

Ein simples Dankeschön – eine so große Wirkung. Dankbarkeit beugt eben nicht nur Größenwahn vor – sie sorgt auch dafür, dass wir uns vergegenwärtigen, wie wichtig es ist etwas weiterzugeben und zu teilen. Wer stets den ganzen Kuchen für sich alleine haben will, bekommt davon nur Bauchschmerzen, lautet ein schönes Sprichwort. Die selbstlose Tat dagegen zahlt sich in der Regel viel mehr aus.

Denken Sie nur an folgende historische Anekdote: Als der Straßenhändler Ernest Hamwi auf der Weltausstellung 1904 „Fruchtcreme in Zalabias“ verkaufte, eine persische Waffelspezialität, sah er den Eisverkäufer am Nachbarstand – und dass der keine sauberen Schalen mehr für seine Eiscreme hatte. Nun hätte sich Hamwi schadenfroh freuen und darauf spekulieren können, dass die Passanten sich nun umso mehr für seine Waffeln interessieren würden. Stattdessen aber rollte der Mann eine seiner Waffeln zu einer Tüte zusammen, gab eine Eiskugel hinein und bot das Konstrukt seinem Nachbarn als Lösung an. Voilà, durch die noble Geste hatte Hamri nicht nur das Waffeleis erfunden, sondern wurde auch noch zu einem reichen Mann.

Ein anderes weltweit erfolgreiches Nahrungsmittel wurde übrigens genauso geschaffen: Damals suchte der Schweizer Schokolatier Daniel Peter händeringend nach einem Weg, eine neue Schokolade auf der Basis von Milch zu kreieren. Er wollte so Geschmack und Textur seiner Schokolade verbessern. Doch normale Milch mischt sich nicht ohne Weiteres unter die Kakaomasse. Glücklicherweise traf er den Apotheker Henri Nestlé, der gerade ein Milchpulver für Säuglingsnahrung entwickelt hatte – aus gesüßter Kondensmilch. Genau das war es, was Peter brauchte – und auch bekam. Seitdem erfreut sich die Menschheit an leckerer Vollmilchschokolade. Und wie reich die Hersteller damit geworden sind, muss ich Ihnen sicher nicht erzählen.