Unabhängigkeit und Freiheit. Das sind die Hauptmotive, die Existenzgründer antreiben. Nach einer Einschätzungen des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) wird die Zahl der Existenzgründungen im Jahr 2010 etwa 425.000 betragen. Damit steigt die Zahl der Jungunternehmer im Vergleich zum Vorjahr um rund vier Prozent.
Dem Weg in die Selbstständigkeit stehen oft jedoch einige Hürden im Weg. Zum Beispiel die Angst vor dem Scheitern, zu geringes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, das Fehlen einer guten Idee – oder eben fehlendes Startkapital.
Und genau an dieser Stelle setzt, die neue, fünfteilige Karrierebibel-Serie an, die Sie die kommende Woche begleiten wird. Wir beschäftigen uns darin eine Woche lang mit dem Thema „Gründerfinanzierung“. In vier Beiträgen stellen wir Ihnen verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten durch den Staat, Business Angels, Banken und Venture Capital vor. Zum Abschluss zeigen wir Ihnen, wie Sie bei Verhandlungen mit künftigen Geldgebern Ihre Position stärken können und somit mehr herausholen und weniger Unternehmensanteile abgeben können. Hier eine kurze Vorschau auf die Serie:
- Montag: Gründerfinanzierung – So bekommen Sie Geld vom Staat
- Dienstag: Gründerfinanzierung – So überzeugen Sie Business Angels
- Mittwoch: Gründerfinanzierung – Auch ein Kredit von der Bank ist eine Alternative
- Donnerstag: Gründerfinanzierung – So bekommen Sie Venture Capital
- Freitag: Gründerfinanzierung – So verhandeln Sie mit Geldgebern
Spätestens am Samstag haben Sie dann einen optimalen Überblick über den Finanzierungswirrwarr. Und los geht es heute mit den Fördermöglichkeiten durch den Staat.
Welche Förderprogramme bietet der Staat?
- EXIST-Gründerstipendium (Antrag) – Unterstützt technologisch-innovative Gründungsvorhaben mit guten wirtschaftlichen Erfolgsaussichten (Checkliste)
- EXIST-Forschungstransfer (Antrag) – Von der Forschungsidee zur Unternehmensgründung (Checkliste)
- High-Tech Gründerfonds – Startfinanzierung für Forschung und Innovationen
- KfW-StartGeld – Darlehen der KfW für Investitionen und Betriebsmittel (Checkliste)
- KfW-Unternehmerkredit – Für mittel- bis langfristige Finanzierung von Investitionen
- Mikrokreditfonds Deutschland – Kleine Kredite für Existenzgründer
- Einstiegsgeld – Unterstützung Arbeitsloser beim Einstieg in die Selbstständigkeit
- ERP-Regionalförderprogramm – Förderung von gewerblichen Investitionen (Checkliste)
- ERP-Startfonds – Beteiligung der KfW an kleine innovative Technologieunternehmen (Checkliste)
- Bürgschaften der Bürgschaftsbank für Sozialwirtschaft (Antrag) – Bürgschaften für soziale Einrichtungen (Checkliste)
Welche nicht monetären Unterstützungen kann ich vom Staat erhalten?
- Förderdatenbank – aktuellen Überblick über die Förderprogramme des Bundes
- BMWi Gründungsassistent – Leicht die gewünschten Informationen aus dem BMWi-Existenzgründungsportal finden
- Gründercoaching (pdf) der KfW (Antrag) – Zuschuss auf Beratungsleistungen (Checkliste)
- BMWi-Softwarepaket für Gründer und junge Unternehmen – eLearning in der Gründungsvorbereitung
- Businessplaner – Erstellen Sie Ihren Geschäftsplan online
- Vor der Gründung – Förderung von Existenzgründungsberatungen
- Nach der Gründung – Förderung von Unternehmensberatungen für kleine und mittlere Unternehmen sowie Freie Berufe (Antrag)
- Gründungswerkstatt – Informationen, Werkzeugen und persönlicher Beratung in die Selbständigkeit
- Schutz von Ideen für die gewerbliche Nutzung (SIGNO) Patentaktion – Unterstützung und Anleitung von Existenzgründer bei der erstmaligen Sicherung Ihrer Ergebnisse durch gewerbliche Schutzrechte
- BMWi-Patentserver – Recherche, Anmeldung und Management von Patenten
Weitere Informationen zur Existenzgründung, beginnend mit der Planung, Finanzierungsmöglichkeiten, Beratungsmöglichkeiten, sowie Hilfen zu Themen wie Personal, Marketing oder gar Export finden Sie unter “Checklisten und Übersichten” auf der Webseite Existenzgründer.
Was macht die Förderprogramme so attraktiv?
In den verschiedenen Programmen stecken zahlreiche Vorteile, die es von privatwirtschaftlicher Seite nicht gibt. So werden Beratungen kostenlos angeboten und Kredite für Existenzgründer mit besonders niedrigen Zinsen vergeben. Noch besser wird es beim EXIST-Gründerstipendium. Dort erhalten Sie einen nicht rückzahlbaren Gründerzuschuss. Quasi geschenktes Geld. Insbesondere die kostenlosen Trainings und Coachings lohnen sich nachhaltig. Private Investoren dagegen sind auf der Suche nach einer hohen Rendite und dem schnellen Geld. Der Staat hat da deutlich mehr Geduld und setzt vor allem auf das langfristige Schaffen von Arbeitsplätzen. Wenn Sie also Ihr Unternehmen viele Jahre führen möchten, kann die staatliche Förderung durchaus sexy sein.
Was setzen die Programme voraus?
Das ist der Haken: Vor das günstige Geld hat der Staat leider zahlreiche, teils komplizierte Bedingungen gestellt. Schnell geht der Überblick verloren, und Sie wissen nicht, welches Programm für Sie in Frage kommt. Bei den Voraussetzungen werden jedoch häufig drei grundlegende Fragen gestellt:
- Haben Sie schon gegründet?
- Wie lange liegt Ihr Gründungsdatum zurück?
- Besitzen Sie einen Businessplan?
Das muss in den Businessplans:
- Executive Summary
- Produkt oder Dienstleistung
- Das Unternehmerteam
- Markt und Wettbewerb
- Marketing und Vertrieb
- Geschäftssystem und Organisation
- Realisierungsfahrplan
- Chancen und Risiken
- Finanzplanung und Finanzierung
Wie die Bestandteile eines Businessplans im Einzelnen aussehen und welche Zwecke sie erfüllen, erfahren Sie im kostenlosen Handbuch des Münchener Businessplan Wettbewerbs: Der optimale Businessplan.
Der Zeitpunkt der Gründung ist wichtig. Manche Fördermittel beziehen sich allein auf Gründungen in der Entstehungsphase, andere zielen auf die Aufbauphase. Wieder andere helfen ausschließlich Unternehmern, deren Gründung innerhalb der letzten ein, drei oder fünf Jahre stattgefunden hat.
Die wichtigste Voraussetzung bei fast allen Förderprogrammen aber ist ein ausgepfeilter Businessplan.
Wie beantrage ich die Mittel?
Die Art und Weise wie Sie die Mittel beantragen, können unterschiedlich sein. Teilweise können Sie die Anträge gleich online stellen. Oben in der Liste der Fördermöglichkeiten wurden bereits einige Anträge für Sie verlinkt. Abhängig von den von Ihnen gewählten Fördermitteln müssen Sie in aller Regel Vordrucke ausfüllen und an die jeweilige zentrale Bearbeitungsstelle zu schicken.
Wie schnell Sie an die Mittel gelangen, hängt vom jeweiligen Auswahlprozess ab. Fragen Sie daher immer bei einem Ansprechpartner für die individuelle Förderung nach!
Wie kann man mit dem Geld umgehen?
In aller Regel sind die erhaltenen Mittel an einen Zweck gebunden. Sie möchten eine Unterstützung für ein privates Coaching? Sie wollen einen Kredit für Investitionen in neue Sachmittel? Dann müssen die Zuschüsse, Darlehen und Unterstützungen auch für den jeweiligen Zweck verwendet werden. Ein Beispiel liefert das EXIST-Gründerstipendium: Über ein Jahr erhält ein Gründerteam mit maximal drei Mitgliedern ein Stipendium mit bis zu 2500 Euro. Geld, dass Sie nur für sich selber verwenden sollen. Darüber hinaus werden Sachmittel von bis zu 1700 Euro und persönliche Coachings von bis zu 5000 Euro gesponsert.
Was passiert bei einer Pleite des Unternehmens?
Abhängig von der Förderung und Ihrer Unternehmensform sind Ihre Verpflichtungen nach einer Insolvenz sehr unterschiedlich. Bei einem Darlehen stehen Sie oder das Stammkapital Ihrer GmbH in der Pflicht, die Forderungen zu begleichen. Bei einer nicht rückzahlungsfähigen Förderung wie EXIST gibt es keine Verpflichtungen, auch nicht bei einer Pleite des Unternehmens.
Sie merken schon – es gibt viele Förderprogramme und viele Möglichkeiten. Doch bei der Frage, welches am besten zu Ihnen passt, müssen Sie sich vorher überlegen, was Sie mit der Finanzierung erreichen wollen. Ist es die Bezahlung von Sachgütern oder wollen Sie das Geld für Werbung verwenden? Brauchen Sie ausschließlich finanzielle Mittel um Ihren Lebensunterhalt in den ersten sechs Monaten bestreiten zu können? Sind Sie bereit ein Darlehen aufzunehmen? Besitzen Sie genügend Zeit, um einen längerer Antragsprozess, wie bei einem Förderprogramm abzuwarten?
Diese Fragen sollten Sie für sich persönlich beantworten und danach die verschiedenen Fördermöglichkeiten nach Ihren Kriterien durchkämmen. Wenn Sie jedoch gar nicht an einer Unterstützung durch den Staat interessiert sind, dann schauen Sie morgen bei unser vorbei, wenn wir Ihnen Finanzierungsmöglichkeiten durch Business Angels vorstellen.
Außerdem erschienen:
- Gründerfinanzierung (2) – So überzeugen Sie Business Angels
- Gründerfinanzierung (3) – Der Bankkredit als Alternative
- Gründerfinanzierung (4) – So bekommen Sie Venture Capital
- Gründerfinanzierung (5) – So verhandeln Sie mit Geldgebern







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