Sie wollen mit Ihrem Unternehmen sehr schnell wachsen? Wollen national, wie international als neuer Stern aufsteigen? Dann brauchen Sie für Ihre Expansion sicher viel Kapital. Geld, was Sie nicht haben. Noch nicht! Die Beteiligung einer Venture-Capital-Gesellschaft (kurz: VC) könnte das ändern. Die Lösung hat aber auch ihre Tücken. Deshalb ziehen wir in unserem heutigen Serienteil zur Gründerfinanzierung die Lupe auf die ebenfalls sogenannten Wagnisfinanzierer, auf was Sie achten müssen und wie Sie an VC-Geld gelangen.
Was ist überhaupt Venture Capital?
Venture Capital, auch Risikokapital genannt, bezeichnet die zeitlich begrenzte Bereitstellung von haftendem Eigenkapital. Klingt kompliziert, bedeutet aber nichts anderes, dass der VC-Geber voll ins Risiko geht: Geht Ihre Firma pleite, ist auch sein Geld futsch. Es dient zur Finanzierung von jungen, innovativen Unternehmen mit erkennbaren Wachstums- und Entwicklungspotenzial. Venture Capital wird in aller Regel in Form eines Fonds organisiert und von einer Beteiligungsgesellschaft verwaltet. Die VC-Geber verlangen meist keine Sicherheiten von Ihnen, wie Sie sie etwa von einem Bankkredit kennen. Als Gegenleistung müssen Sie allerdings Unternehmensanteile an den VC-Fonds abgegeben. Die Laufzeit für diese Beteiligung beträgt häufig drei bis zehn Jahre und wird vertraglich festgelegt. Kapitalnehmer wiederum sind meist junge, innovative Unternehmen aus dem Technologiebereich oder der Biotechnologie. Denn die versprechen das höchste Wachstumspotenzial und damit die beste Rendite.
In welcher Gründungsphase kommt Venture Capital zum Einsatz?
| Early-Stage (Gründungsphase) | Later-Stage (Expansionsphase) | |||||
| Phase | Seed | Start-up | First Stage | Second Stage | Third Stage | Bridge/IPO |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Haupt-aufgabe | Forschung/ Marktanalyse | Unternehmens-gründung | Produktions-beginn/ Markt-einführung | Nationale Expansion | International-isierung | Börsengang |
| externes Eigenkapital | Inkubator, Business Angel | Business Angel | Business Angel, Venture Capital | Venture Capital | Private Equity | Private / Public Equity |
Wie arbeitet eine Venture-Capital–Gesellschaft?
Die VC-Gesellschaften verwalten häufig Fonds mit mehreren zehn oder hundert Millionen Euro. Gleichzeitig spezialisieren sie sich auf eine oder wenige Branchen, in denen sie sich an Startups beteiligen. Ziel ist, durch die Beteiligung binnen weniger Jahre eine hohe Verzinsung des eingesetzten Kapitals zu erreichen – entweder durch den späteren Verkauf der Anteile an einen anderen Investor oder die Gründer – oder durch einen Börsengang (beides sogenannte Exit-Strategien). Dabei durchläuft der Fonds oft zwei Phasen:
- Investitionsphase – Besonders in den ersten Jahren des Fonds werden gezielte Investitionen durchgeführt.
- Verkaufsphase – Gegen Ende der Laufzeit werden die erworbenen Anteile wieder veräußert.
Diese Phasen eines Venture-Capital-Fonds sollten Sie bei der Ansprache beachten. Wenn ein VC-Fonds schon lange aufgelegt ist, befindet er sich sehr wahrscheinlich schon in der Verkaufsphase und ist an neuen Investments gar nicht mehr oder nur sehr schwach interessiert. Oder die VCs drängeln bald schon in Sachen Exit.
Auf was muss ich bei der Auswahl einer VC-Gesellschaft achten?
Die folgenden Fragen sollten Sie in Form einer Checkliste für sich klären:
- Hat der VC ein relevantes Netzwerk (Partner, Kunden …) ?
- Hat der VC genügend Kapital?
- Wie beurteilen die Portfoliofirmen Ihren Investor (nachfragen!)?
- Wie reagiert der VC in schlechten Zeiten?
- Habe ich und der VC ähnliche Vorstellungen bezüglich Exit-Volumen und Zeitpunkt?
Auf was achten Venture-Capital-Gesellschaften?
Nachdem Sie einige Wagnisfinanzierer in Ihrer Branche ausfindig gemacht haben, sollten Sie sich auch in deren Seite hineinversetzten. Um Ihre Chancen auf eine Beteiligung zu erhöhen, sollten Sie umgekehrt auch deren Fragen beantworten, beziehungsweise Interessen erfüllen können. Denn auf diese Punkte legen Venture-Capitalisten besonderen Wert:
- Ist das Geschäftsmodell überzeugend und innovativ?
- Welche technologischen Alleinstellungsmerkmale gibt es?
- Wie groß ist der Markt dafür?
- Gibt es Wettbewerber – wie viele?
- Wie aussichtsreich und realistisch das Wachstum des Unternehmens?
- Ist das Geschäftsmodell skalierbar?
- Wie setzt sich das Gründerteam zusammen?
- Welche Exit-Szenarien kommen in Frage?
Wie bekomme ich Venture Capital?
Haben Sie eine oder mehrere Beteiligungsgesellschaften ins Auge gefasst, müssen Sie den ersten Kontakt professionell vorbereiten. Dazu gehört das Verfassen eines sogenannten Executive Summary, also einer Kurzzusammenfassung des aktuellen Businessplans und ein Finanzplan sowie Referenzen von Kunden, Partnern oder Marktexperten. Auf welchem Weg Sie einen VC-Fonds ansprechen, kann ganz unterschiedlich sein – von einer E-Mail bis zu einem kurzen, persönlichen Gespräch ist alles möglich.
Nach dem ersten Kontakt prüft die Beteiligungsgesellschaft Ihre Unterlagen und gibt Ihnen ein Feedback. Anschließend berät sich die VC-Gesellschaft intern, in wie weit Ihre Geschäftsidee interessant und erfolgsversprechend erscheint. Kommt man zu einem positiven Schluss läd man Sie zu einer ersten, jedoch kurzen Team- und Unternehmenspräsentation ein. Hierbei bekommen Sie die Gelegenheit, dass Ihre Idee und den bisherigen Stand Ihres Unternehmens vorzustellen. Nach der Präsentation holt sich der VC-Fonds selbstständig Informationen zu Ihrem Markt und Ihrer Idee ein und führt eine erste Beteiligungsprüfung durch. Ist diese abgeschlossen und positiv läd die Beteiligungsgesellschaft Sie ein zweites Mal zu sich ein und Sie bekommen eine weitere Gelegenheit, sich zu präsentieren. Dieses Mal jedoch ausführlicher und detailreicher. Ist der VC-Fonds nach wie vor angetan, wird anschließend eine Absichtserklärung abgeschlossen. Dies ermöglicht eine ausführliche Kaufprüfung, die sogenannte Due Diligence. Wenn alles gut geht, werden anschließend die Verträge vorbereitet und unterschrieben.
Hier noch einmal alle Ablaufphasen im Überblick:
- Erste Ansprache
- Feedback an Sie
- Beratung (intern)
- Erste Präsentation
- Vorprüfung
- Zweite Präsentation
- Absichtserklärung
- Kaufprüfung
- Vertragsabschluss
Was sind mögliche Exit-Strategie?
Am Ende einer Beteiligungsphase gibt es folgende Ausstiegsmöglichkeiten für einen VC-Fonds (die in der Regel englische Fachbegriffe haben):
- Initial Public Offering (IPO) – der Börsengang
- Trade Sale – Verkauf an einen Investor aus der Industrie
- Secondary Purchase – Veräußerung an einen anderen Finanzinvestor
- Buy Back – Die Mitgesellschafter oder Gründer kaufen die Anteile zurück
Was geschieht wenn das Unternehmen pleite geht?
Als Anteilseigner an Ihrem Unternehmen verliert der Venture-Capital-Fonds bei einer Insolvenz sein gesamtes investiertes Kapital. Da Sie keine Sicherheiten, wie bei einem Bankkredit hinterlegt haben, hat der Verlust des Wagniskapitals keine Auswirkung auf Sie. Deshalb heißt es ja auch Risiko- oder Wagniskapital. Und in starken Wachstumsphasen ist allerdings oft noch weiteres frisches Kapital notwendig. Auch bei diesen Finanzierungsrunden machen die VCs oft mit, solange sie an eine hohe Rendite glauben.
Die Finanzierung über Risikokapital hat also einige Vorteile, dafür aber den Nachteil, dass die eigene Anteile am Unternehmen abgeben müssen – nicht selten 30 bis 50 Prozent oder gar mehr. Daher sollten Sie sich vorher gut überlegen, was Ihnen wichtig ist: schnelles Wachstum oder viele Anteile.
Wo findet man Venture-Capital-Firmen?
Die meisten VC-Gesellschaften sind auf spezielle Segmente und Branchen fokussiert. Im Bereich Internet-Startups sind das zum Beispiel:
- BrainsToVentures
- Earlybird
- European Founders Fund
- HackFwd
- Hanse Ventures
- Holtzbrinck Ventures
- IBB Beteiligungsgesellschaft
- Media Ventures
- Target Partners
- Team Europe Ventures
- Tengelmann E-Commerce Beteiligungs-GmbH
Wenn Sie darüber hinaus weitere Venture-Capital-Firmen suchen, empfehlen wir Ihnen die Seite des Bundesverbands Deutscher Kapitalgeber. Dort können Sie in einer Suchemaske speziell nach den Kriterien Branche, Standort, Umfang der Beteiligung und Art der Beteiligung nach passenden Venture-Capitalisten fahnden.
Außerdem erschienen:
- Gründerfinanzierung (1) – So bekommen Sie Geld vom Staat
- Gründerfinanzierung (2) – So überzeugen Sie Business Angels
- Gründerfinanzierung (3) – Der Bankkredit als Alternative
- Gründerfinanzierung (5) – So verhandeln Sie mit Geldgebern







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