Oft, viel zu oft, liest man etwas Falsches. Zum Unternehmer, so heißt es, wird man geboren. Papperlapapp. Wer immer mit dem Gedanken spielt, sich selbstständig zu machen, muss sich nicht grämen – den geborenen Paradegründer gibt es nicht.
Sicher verfügen manche Menschen über ein paar Eigenschaften, die den späteren Erfolg wahrscheinlicher machen. Dazu gehören Mut, Strebsamkeit, Organisationstalent, Disziplin, Sorglosigkeit, betriebswirtschaftliche Grundkenntnisse, so was. Die Jenaer Psychologie-Professorin Eva Schmitt-Rodermund, die das Phänomen Paradeunternehmer wissenschaftlich untersucht hat, ergänzt die Liste noch um den Punkt, dass Fabrikanten häufig auch ein bisschen Sozialschwein sind. Denn ohne eine gewisse Härte setzen sie sich später weder gegenüber Konkurrenten noch bei säumigen Lieferanten durch. Deswegen seien auch Selbstachtung und Selbstsicherheit unverzichtbar. Sonst treffen die Leute ihre Entscheidungen entweder zu sanft oder nie. Gute Gründer, das stand schon für den Nationalökonomen Joseph Schumpeter fest, sind nämlich vor allem ungeduldige Menschen.
Sie merken schon an der Vielzahl der angeführten Eigenschaften: Allenfalls Supermann bekam diese vollzählig in die Wiege gelegt. Der Machertyp ist eben eine Mär. Schließlich gibt es mehr Unternehmer als Menschen, die diese Attribute auf sich vereinen.
Warum sich der eine selbstständig macht und der andere nicht, liegt daher weniger am Charakter, sondern vielmehr an der Motivation. Und die variiert erheblich. Der eine gründet aus Autonomiestreben (Endlich Chef sein!), der andere will seine Schwächen kompensieren (Keiner mehr, der meine Arbeit kritisiert!), wieder andere wollen das Wirtschaftsleben entdecken (Vom Tellerwäscher zu Millionär – geht das?). Neugier ist fast immer im Spiel: Die meisten Gründer wagen etwas, ohne genau zu wissen, was sie dabei erwartet oder ob sie erfolgreich sein werden. Der Schweizer Soziologe Peter Schallberger, der seit langem Gründermotive untersucht, hat festgestellt, dass die meisten Unternehmer eine Botschaft in die Welt tragen wollen. Sie haben eine Vision und mit der Gründung eines Unternehmens wollen sie etwas bewegen. Es sind Rebellen, aber auf konstruktive Weise.
Geld treibt die wenigsten an. Mehr noch: Diejenigen, die nur des Geldes wegen Unternehmer werden, scheitern häufiger. Das zeigen gleich mehrere Untersuchungen. Vor einiger Zeit ermittelte das Institut für Mittelstandsforschung, dass 60 Prozent der deutschen Gründer berufserfahrene Angestellte waren. Dabei wollen acht von zehn eigene Ideen umsetzen, 72 Prozent ihr eigener Chef sein. Das errechnete die KfW Mittelstandsbank. Geld spielte dabei keine Rolle. Denn oft ist es so: Wer mit einiger Berufserfahrung und einem kleinen Bankpolster in die Selbstständigkeit startet, hat statistisch größere Erfolgschancen als solche, die gleich nach der Ausbildung oder aus dem Bauch heraus auf den Chefsessel wechseln. Erstere handeln oft rationaler, strategischer, vor allem aber machen sie weniger Fehler.
Trotz unterschiedlicher Motive – nahezu jeder Typus hat auch seine Schwachstellen. Der Autonomiestreber zum Beispiel stellt an seine Arbeit in der Regel extreme Ansprüche. Weil er sie als Angestellter aber nicht verwirklichen kann und sich gebremst fühlt, wird er selbst zum Chef. Sein Mangel: Er kann kaum delegieren. Und wenn, dann überträgt er seinen Perfektionismus fast immer auf seine Leute. Von ihnen fordert er die gleichen Standards ein, die sie sich selbst auferlegt und reagiert äußerst ungehalten und rechthaberisch, wenn diese Ziele verfehlt werden. Die Folgen sind hohe Mitarbeiterfluktuation und mittelmäßige Ergebnisse.
Noch schlimmer ist der narzisstische Gründer, also jemand, der sich selbstständig macht, um nicht jedermann sondern jemand zu sein. Solche Typen haben das Potenzial zum Despoten. Sie gieren nach Lob und Aufmerksamkeit, adaptieren den betriebswirtschaftlichen Jargon und schielen immerfort aufs Big Business. Aber wehe, Kritik oder Krisen kündigen sich an, dann flüchten sie sofort in neue Projekte. Tatsächlich sind narzisstische Gründer ständig damit beschäftigt, ihre Schwächen zu vertuschen. Ihr Scheitern ist also nur eine Frage der Zeit.
Ein Dilemma, dessen Lösung an bisschen an die Musketiere erinnert: Nicht einer für alles, sondern alle für eines. Selbst dem seltenen Allroundtalent fehlen bisweilen wichtige Eigenschaften für ein Erfolg versprechendes Startup. Das kann ein Gründerteam besser ausgleichen. Falls Sie also jemals Lust verspüren, sich selbstständig zu machen, versuchen Sie es nicht auf eigene Faust, sondern suchen Sie sich eine Truppe zusammen, deren Stärken und Schwächen sich gegenseitig ergänzen und ausgleichen. Zumindest statistisch steigern Sie damit Ihre Erfolgsaussichten um ein Vielfaches. Was Sie sonst noch tun können, erfahren Sie in den nächsten Tagen. Bei einem kleinen Gründkurs, den ich heute beginne…







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Thomas Schulze
Die Zahl, dass… 60 Prozent der deutschen Gründer berufserfahrene Angestellte waren zeigt auch deutlich, dass Erfahrung und Branchen Know How einiges Wert ist!
Verena Kurth
sehr interessanter und bodenständiger Artikel. Leider ist die Vorstellung von “DEM GRÜNDERTYP” bei vielen – besonders bei Ämtern und Banken – vertreten.
Ich habe Sie in meinem Blog zitiert. Freue mich auf weitere Artikel des “Gründkurs”.
Verena Kurth