Gruppendiskussion: Sie soll in konstruktiver Atmosphäre stattfinden und zu greifbaren Ergebnissen führen. Stattdessen: Blockade, laute Stimmen und erhitzte Gemüter. Oder gelangweilte Gesichter, geistig abwesende Kollegen. Das muss nicht sein, doch es erfordert Planung, Fingerspitzengefühl - und hier und da ein paar Kniffe, mit denen sich der Leiter Gehör verschafft. Wir haben einige praktische Tipps gesammelt, mit denen Sie die Gruppe professionell durchs Meeting führen.

Gruppendiskussion Methode Definition Moderation

Gruppendiskussion Definition: Wann ist eine Diskussion eine Gruppendiskussion?

Gruppendiskussion Definition Gruppendiskussion TippsDie Frage, wann eine Diskussion eine Gruppendiskussion ist, lässt sich gar nicht so leicht beantworten. Als Gruppe wird häufig ein Zusammenschluss mehrerer Menschen bezeichnet, die sich in irgendeiner Form zusammengehörig fühlen (beispielsweise bei Peer Groups) oder die ein gemeinsames Ziel verfolgen.

Beides dürfte bei Meetings hoffentlich der Fall sein. Dennoch gestalten sich diese beruflichen Zusammenkünfte oftmals chaotisch und wenig produktiv. Bei einer Personenanzahl von drei bis etwa 25 Leuten spricht man noch von einer Kleingruppe, danach wird sie als Großgruppe bezeichnet.

Die Personenzahl trägt aber auch maßgeblich dazu bei, wie Gruppendiskussionen in Meetings mitunter ablaufen. Denn je größer die Gruppe, desto wahrscheinlicher, dass bestimmte Typen dort vertreten sind, die gewisse Persönlichkeitsmerkmale aufweisen.

Gruppendiskussion Formen Grafik

Persönlichkeit der Teilnehmer: Verschiedene Rollen in Gruppen

Die folgenden Typisierungen sind zugegebenermaßen grob vereinfacht. Es kommt auch durchaus vor, dass in unterschiedlichen Gruppenkonstellationen ein und dieselbe Person unterschiedliche Rollen übernimmt. Hier soll es auch gar nicht darum gehen, dass grundsätzlich alle diese Persönlichkeiten in Gruppendiskussionen vorkommen müssen.

Es kann aber hilfreich sein, sich als Leiter einer solchen Diskussion im Vorfeld Gedanken zu machen, wie er im jeweiligen Falle reagieren würde, damit sich das Meeting nicht verselbständigt.

  • Der Anführer

    Er wäre vermutlich gerne der Chef, kümmert sich um die Teilnehmer und hält sehr viel von sich. Er ist ein Bestimmer, notfalls auch über andere hinweg. Er hat großes Selbstbewusstsein und nutzt seine Präsenz als Sprecher. Schwächere Teilnehmer unterstützt er, aber er macht auch seine Position sehr dominant deutlich, falls jemand daran zweifelt. Für den Leiter des Meetings ist er eine willkommene Unterstützung, da er absolut verlässlich ist und Verantwortung übernimmt.

  • Der Lustlose

    Von alleine wird er nie aktiv. Er empfindet die ganze Veranstaltung nur als Zumutung und Zeitverschwendung. Die Meinung anderer ist ihm ziemlich egal, wenn ihm danach ist, dann spielt er auf dem Smartphone oder surft im Internet - im Grunde genommen ist er nur physisch präsent. Läuft etwas schief, wird die Verantwortung häufig auf ihn geschoben.

  • Der Unscheinbare

    Solche Teilnehmer haben keine eigene Meinung, sind froh, wenn man ihnen die Verantwortung abnimmt. Aus Sicht des Meetingleiters gehören sie zu den angenehmen Zeitgenossen, da sie wenig aufmüpfig sind, sondern sich jeder Entscheidung anschließen. Wenn man ihnen exakte Anweisungen erteilt, werden die Aufgaben gewissenhaft erledigt.

  • Der Bedenkenträger

    Diese Persönlichkeit ist fürs Analytische zuständig. Er ist weniger praxisorientiert, dafür umso mehr für Theorien zu haben. Dabei widmet er sämtlichen Problemstellungen die gleiche Aufmerksamkeit, auch dann, wenn eher schnelle Entscheidungen gefragt sind. Weil er über ein großes Wissen verfügt, fragen ihn andere Teammitglieder um Rat. Nachteilig ist, dass er zumeist pessimistisch und wenig lösungsorientiert ist. So erweckt er teilweise den Anschein des Besserwissers, was seine positiven Eigenschaften in den Hintergrund treten lässt.

  • Der Ja-Sager

    Alle Vorschläge finden uneingeschränkt seine Zustimmung - egal, ob noch vor kurzem das Gegenteil behauptet wurde: Er hat einfach keine eigene Meinung, sondern stimmt grundsätzlich zu. Eigener Input kommt nicht von ihm, das wäre zu anstrengend. Dementsprechend wenig kann er begründen, wenn er nach dem Wert eines Vorschlags befragt wird.

  • Der Komiker

    Das Fachliche liegt ihm nicht so sehr, dafür umso mehr das Späße machen. Er genießt ähnlich wieder Chef die volle Aufmerksamkeit, daher ist er recht laut. Wenn ihn im Meeting die Langeweile übermannt, versucht er abzulenken und mit Humor aufzulockern. Das macht es für den Leiter des Meetings mitunter schwer, den roten Faden zu behalten. Andererseits tragen seine Späße durchaus zur positiven Stimmung in der Gruppe bei.

  • Der Aufopferungsbereite

    Diese Persönlichkeit ist ein echtes Arbeitstier. Sie organisiert, beschafft Materialien und Informationen und denkt für andere mit. Sie ist sehr genügsam und erwartet keinen Dank oder gar Lob. Solche Mitarbeiter übernehmen oft die unangenehmen Aufgaben, vor allem wenn abzusehen ist, dass kein anderer sich meldet. Insgeheim wünschen sie sich Anerkennung und Akzeptanz, jedoch wird ihnen das eher selten zuteil. Eine derart gestrickte Person läuft Gefahr, von anderen Kollegen (und ebenso vom Leiter) ausgenutzt zu werden.

Gruppendiskussion Tipps: 9 Ratschläge, damit Sie glänzend durchkommen

Sie haben sich so viel vorgenommen, wollen auf der Bühne glänzen, das Meeting ausfüllen, dominieren, bestimmen. Und dann hört einem doch wieder keiner zu. Alle quatschen durcheinander oder beschäftigen sich pausenlos mit ihren Handys. Wie geht’s besser - wie führt man gekonnt durchs Meeting?

Ein paar Anregungen haben wir uns dafür bei Robin Camarote geholt. Die Amerikanerin hat viele Jahre als Senior Associate bei der Beratungsfirma Booz Allen Hamilton gearbeitet und ist seit 2013 selbstständige Beraterin in den Bereichen Strategie, Kommunikation und Meetings. In ihrem Buch "Flock - Leaders to follow" erklärt sie, wie Profis eine Gruppendiskussion führen sollten.

Wir haben ihre besten Tipps gesammelt. So leiten Sie das Meeting ...

  • Pünktlich sein

    Zeitnot ist ein Macht- und Statussymbol. Dennoch: Wer zu spät aufkreuzt, muss sich entschuldigen, bevor er irgendetwas anderes sagt - ein denkbar schlechter Start für jedes Meeting. Und manchmal sogar ein moralisches Loch, aus dem man sich nicht mehr herausbuddeln kann. Deshalb Tipp 1: Glänzen Sie daher mit Pünktlichkeit - immer.

  • Raum betreten

    Und zwar so: Wenn Sie in der Tür stehen, eine kurze Pause machen, nach oben schauen und die Szenerie überblicken. Im besten Fall wirkt das staatsmännisch, in jedem Fall souverän. Danach zielgerichtet auf den Platz zusteuern. Tipp 2: Betreten Sie den Raum mit Bestimmtheit.

  • Haltung annehmen

    Beide Füße auf den Boden stellen und sich selbst aufrecht hinsetzen. Sich durch die richtige Sitzhaltung größer machen und nicht kleiner. Auf keinen Fall schon zu Beginn im Stuhl versinken und den Buckel krumm machen. Tipp 3: Rücken durchdrücken und Haltung annehmen.

  • Sich vorstellen

    Gerne die ausgefeilte Standardeinführung wählen, auf die Sie sonst auch zurückgreifen, um sich vorzustellen und vor allem einen guten ersten Eindruck zu hinterlassen. Sie sollte nicht länger als 30 Sekunden sein und die wichtigsten Infos enthalten. "Meine Name ist Manfred Mustermann. Ich arbeite für Gazprom und würde Ihnen heute gerne etwas über unser neues Projekt erzählen. Ich bin schon seit über 15 Jahren in diesem Geschäft tätig, habe aber noch nie eine so spannende Zeit wie gerade erlebt. Warum, dazu komme ich gleich..." Und das Ganze ohne Nuscheln, Flüstern oder Haspeln. Tipp 4: Stellen Sie sich souverän vor.

  • Publikum ansprechen

    Jedes Mal, wenn Sie anfangen zu sprechen, an die Person wenden, die am weitesten von Ihnen entfernt ist. Sorgt automatisch dafür, dass Sie nicht zu leise reden, ohne dabei schreien zu müssen. Und dass Sie den ganzen Raum überblicken und nicht nur mit der ersten Reihe oder den Nebenleuten kommunizieren. Tipp 5: Den ganzen Raum mit einbeziehen.

  • Vorarbeit leisten

    Informationen sammeln, Material hochladen, Dokumente austeilen - all das sollte frühzeitig erledigt sein. Wer gut vorbereitet ist, hat einen Informationsvorsprung, hebt sich von den anderen ab und strahlt Professionalität aus. Und hilft auch den anderen dabei, gut informiert ins und aus dem Meeting zu gehen. Tipp 6: Das Meeting gewissenhaft vorbereiten.

  • Fragen stellen

    Bringen Sie Wissen und Neugier in die Runde mit. Offene Fragen helfen dabei, die Diskussion anzufachen, Interaktion zu erzeugen. Was könnten wir an unseren Produkten noch verbessern? Wo liegt das Problem bei unserem Projekt? Welche Ideen haben Sie? Tipp 7: Die bekannten W-Fragen in die Runde werfen.

  • Meinung haben

    Wer seine Meinung nicht in der Garderobe ablegt, zeigt, dass er mitdenkt und sich ernsthaft für die Materie interessiert. Auch wenn sie aneckt: Ihre Meinung bereichert das Meeting. Und befördert den Gedankenaustausch und hoffentlich auch das Endergebnis. Tipp 8: Eigene Meinungen und Einschätzungen nicht außen vor lassen.

  • Prägnant ausdrücken

    Sie sollten in der Lage sein, Ihre Argumente kurz und bündig auszudrücken. Und überzeugend sollten sie nach Möglichkeit auch noch klingen. Weil das nicht immer einfach ist: Ruhig vorher aufschreiben. Und auf mögliche Einwände und Gegenargumente vorbereitet sein. Tipp 9: Präzise sein und sich kurz fassen können.

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