Seit Jahren steigt der Stresspegel in den Büros bedenklich an: Allein zwischen 1997 und 2004 haben die seelischen Leiden am Arbeitsplatz um 70 Prozent zugenommen. Jeder fünfte Deutsche zeigt inzwischen typische Stresssymptome wie Kopfschmerzen, Herzrasen, Schlafstörungen oder Durchfall. Jeder zehnte Fehltag soll bereits auf das Konto von Stress gehen. Unisono schlagen Mediziner und Psychologen deshalb Alarm, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Stress bereits zu „einer der größten Gesundheitsgefahren des 21. Jahrhunderts“ erklärt. Über den besseren Umgang mit Stress, können Sie hier ja schon einiges lesen.
Nun aber hörte ich von einer schönen Metapher, die so plastisch ist, dass sie sich ebenso gut als Merkhilfe eignet: Stellen Sie sich die Wirkung von Stress wie bei einem Gymnastik-Gummiband vor. Sie können es strecken und dehnen, trotzdem wird es sich jedes Mal danach in seine ursprüngliche Form zurückziehen. Sie können es allerdings auch überdehen, dann reißt es. Wenn Sie es nach dem Strecken indes loslassen und zurückschnellen lassen, kann Sie das peitschende Band sogar verletzen.
Soweit das Bild, das wohl keiner weiteren Erklärung bedarf. Der letzte Aspekt allerdings scheint mir der wichtigste zu sein. Die meisten Menschen versuchen nach einer anstrengenden und stressigen Woche nämlich genau das: Sie fahren rapide herunter und hoffen auf einen Blitzerholungseffekt. Doch den gibt es nicht. In der schlagartigen Ruhe lauert viel öfter die Krankheit. In Deutschland heißt dieses Phänomen Entlastungsdepression, in den USA nennt man die Diagnose schlicht Holiday Blues.
Der Grund dafür ist relativ simpel: Das Immunsystem stürzt ab. Wenn jemand vor dem Feiertag unter großem Druck stand, dann hat der Körper während dieser Zeit jede Menge Hormone ausgeschüttet, die ihn tapfer durchhalten lassen, bis die geforderten Leistungen erbracht sind, der Schreibtisch leer gearbeitet, die Präsentation fertig oder die Prüfung geschrieben ist. Warum der Organismus das so lange Zeit durchhält, ist medizinisch nicht geklärt. Sicher aber ist, dass dieser Hormoncocktail zugleich das Immunsystem schwächt, so dass jede längere mentale Anspannung, jede Das-stehe-ich-noch-durch-Parole den Körper danach kollabieren lässt. Bei den einen geschieht dies pünktlich mit dem ersten freien Tag, bei anderen zieht es sich noch, was sogar die häufigen Montagskrankschreibungen erklären kann.
Die eine Lösung für das Problem sind regelmäßige Pausen. Der menschliche Organismus schafft es ohnehin nicht, sich länger als maximal 70 bis 80 Minuten am Stück zu konzentrieren. Spätestens danach sollte man eine kurze Ruhezeit einlegen. Kurz aufstehen, Beine ausschütteln, Arme in die Luft strecken und sich recken und dehnen – das reicht schon. Solche Übungen helfen, die Muskeln zu revitalisieren und die Durchblutung anzuregen – auch die im Oberstübchen. Ein paar Mal vom Bürosessel aufstehen und wieder hinsetzen mag albern aussehen, funktioniert aber ebenso. Studien haben gezeigt, dass fünf Minuten ausgiebiges Strecken bis zu eine Stunde Schlaf ersetzen können. Natürlich ist dieser Effekt nicht addierbar, Motto: 40 Minuten strecken – nie mehr schlafen.
Pausen sind übrigens keine Zeitverschwendung – vorausgesetzt, Sie portionieren sie richtig. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen steigt der Erholungseffekt dabei nämlich nicht linear. Oder anders ausgedrückt: Sie erholen sich vor allem im ersten Drittel einer Pause, danach kaum noch. Deshalb sind lange Pausen nicht effizient. Statt einer 45-minütigen Unterbrechung ist es wesentlich erfrischender über den Tag verteilt drei Mal 15 Minuten abzuschalten.
Ein weiterer Schritt gegen den Holiday Blues ist, seinen Rhythmus nicht gleich am ersten freien Tag rigoros zu ändern. Schlafen Sie also nicht bis in die Puppen – das bestraft der Körper meist mit Kopfschmerzen. Schalten Sie lieber allmählich zurück. Frühstücken Sie gesund, mit viel Obst, und sorgen Sie für leichte Belastung, etwa durch leichten Sport, etwa eine halbe Stunde Jogging vor dem Frühstück. So rasselt die Anspannung nicht von Hundert auf Null in zehn Sekunden und erspart Ihnen so die Entspannungs-Peitsche.







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