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2 von Jochen Mai am 30. Januar 2010 → Artikel in Psychologie
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Gute N8 – Was die Schlafposition über Sie verrät

Auch wenn es vielen angesichts zunehmend voller Terminkalender wie pure Verschwendung erscheint, ein Drittel ihrer Lebenszeit in der Horizontalen zu verbringen: Wir alle brauchen unseren Schlaf, um klarer zu denken, den Psychomüll zu entsorgen, schneller zu reagieren und Neues zu lernen. Typischerweise verläuft gesunder Schlaf in fünf Phasen (siehe Abbildung): In Phase 1, also wenn wir zu Bett gehen, fährt der Organismus allmählich runter, Blutdruck und Körpertemperatur sinken ab, wir schlafen ein. In der Tiefschlafphase (2) setzt der Körper vor allem auf Erholung, wir regenerieren uns – dank Somatotropin. In Phase 3 verarbeitet das Gehirn die Eindrücke des Tages und lernt, Folge: Wir träumen besonders wild. Die Körpertemperatur erreicht jetzt ihren Tiefststand. In Phase 4 sind körperliche Erneuerung und Lernprozess abgeschlossen, der Hormonmix verändert sich: Statt Melatonin strömt nun vermehrt das Aufwachhormon Kortisol durch die Blutbahnen. Wir schlafen immer flacher, träumen aber umso wilder, nicht selten auch Erotisches. Spätestens in Phase 5 kommen noch eine ordentliche Dosis des Sexualhormons dazu sowie ein Schuss Ghrelin – das Hormon sorgt für wachsenden Hunger. Sobald Kortisolspiegel und Hungergefühl ausreichen, wachen wir von alleine auf.

Regelmäßige Nachtruhe ist ein regelrechter Jungbrunnen, bei dem wir uns nicht nur psychisch erholen, sondern geradezu körperlich regenerieren. Verantwortlich dafür ist insbesondere das Wachstumshormon Somatotropin, das nur während des Tiefschlafs ausgeschüttet wird und für das Wachstum sowie die Erneuerung unserer Zellen sorgt. Aus dem Grund ist es zum Beispiel auch so wichtig, dass wir regelmäßig tief und durchschlafen, sonst verringert sich das Zellwachstum und wir bekommen schneller Falten.

Schlank macht Schlaf außerdem. Verantwortlich dafür wiederum ist die Ausschüttung des Hormons Leptin, ein Gegenspieler von Ghrelin, das den Hunger drosselt. Schläft man zu wenig, erhält der Körper zu wenig davon und bekommt vermehrt Appetit. Wie die Mediziner Steven Heymsfield und James Gangwisch herausfanden, führt schon eine einzige Stunde weniger Schlaf zu messbaren Gewichtsunterschieden. Psychologen der Uniklinik Regensburg haben wiederum festgestellt, dass Kurzschläfer doppelt so häufig in unteren Gehaltsgruppen anzutreffen sind wie Langschläfer. So gesehen, verdienen manche von uns ihr Geld also wirklich im Schlaf.

Zu viel davon ist allerdings auch nicht gesund. Die Psychologin Petra Hasselbach sagt, dass ausgemachte Langschläfer ein um 140 Prozent erhöhtes Risiko haben, früher zu sterben. Bekräftigt wird dieser Befund durch Forschungsarbeiten der britischen Warwick Medical School, die dazu über 10.000 britische Beamte in zwei Zeitperioden untersuchten: zwischen 1985 und 1988 sowie zwischen 1992 und 1993, Ergebnis: Diejenigen, die nachts länger als acht Stunden schliefen, hatten ein doppelt so hohes Risiko in den Folgejahren an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben als jene, die ihren Schlaf auf täglich sieben Stunden limitierten.

Nun gibt es Menschen, die legen sich abends einfach in ihr Bett, murmeln vielleicht noch ein „Gute Nacht“, drehen sich zur Seite und schlafen sofort ein. Kein nächtlicher Harndrang, kein schnarchgestörtes Erwachen, keine Albträume. Am nächsten Morgen wachen sie auf, sind ausgeruht, fröhlich, leistungsfähig und putzmunter. Toll.

Leider sind diese Typen die Ausnahme. Tatsächlich ist für viele Deutsche einschlafen Schwerstarbeit. Rund 42 Prozent der Deutschen haben Probleme damit, 15 Prozent sogar behandlungsbedürftige Schlafstörungen. Besonders betroffen: Frauen, Freiberufler und Arbeiter. Vor allem die 35- bis 55-Jährigen (65 Prozent) plagt die Insomnia – und damit ausgerechnet jene, die im Beruf täglich gefordert sind. Diese Leute leiden an erhöhter Wachsamkeit. Bis eins laborieren sie an ihrer Bettunruhe und probieren alle möglichen Schlafpositionen durch. Um zwei sind sie bereits Großhirte und hüten eine 1367 Lämmer umfassende Schafherde. Kurze Rotweinverklappung um drei. Anschließendes Wälzen bis vier. Immerhin: Manche trösten sich am Morgen über ihren nächtlichen Wachdienst mit einem unwiderstehlichen Schlafzimmerblick hinweg.

Wussten Sie, dass Sie mit der iPhone-App Sleep Cycle (0,79 Euro) Ihren Schlaf überwachen und sich optimal wecken lassen können? Dazu legt man das iPhone oberhalb des Kopfkissens mit dem Display nach unten auf die Matratze. Die Sensoren messen Ihre Bewegungen im Bett und Ihre jeweilige Schlafphase. Geweckt werden Sie, wenn Sie sich in einer Leichtschlafphase ca. 30 Minuten um Ihre voreingestellte Weckzeit befinden. Vorteil: Sie wachen weniger gerädert auf.

Apropos Wälzen. In der HuffPost fand ich einen interessanten Artikel darüber, was die (Ein-)Schlafposition über uns verrät. Laut Untersuchungen des Schlafforschers Samuel Dunkell soll die jeweilige Haltung viel mit unserem Alltag und anderen Lebensgewohnheiten gemein haben. Natürlich drehen, wenden und wälzen wir uns regelmäßig im Schlaf, doch hat wohl jeder so etwas wie eine bevorzugte Bettposition, in der er in das Land der Träume reist. Um diese geht es. Deshalb also

Vier typische Einschlafpositionen – und was sie verraten

  • Bauchschläfer. Vertreter dieses Typs liegen am liebsten auf dem Bauch mit dem Gesicht ins Kissen vergraben, die Arme meist vor dem Kopf verschränkt oder ins Kissen gewühlt. Die Popikone Madonna soll angeblich so am besten einschlafen können. Aber auch wer als Normalsterblicher so bevorzugt einschläft, ist laut den Untersuchungen sehr häufig ein Gewohnheitstier, mit Tendenzen zur Dickköpfigkeit und zum Eigensinn bis hin zu zwanghaften Verhaltensneurosen. Naja. Es gibt aber auch etwas Positives daran: Diese Menschen sind meist auch enorm zielorientiert und setzen sich gerne durch.
  • Rückenschläfer. Dieser Typus ist das glatte Gegenteil vom Bauchschläfer: Der Körper liegt zwar auch waagerecht im Bett, aber auf dem Rücken, die Arme ruhen oft seitlich davon auf dem Laken. Es ist eine sehr offene und verletzliche Position, vielleicht auch ein bisschen langweilig. Aber: Diese Schläfer beweisen so ihr ausgeprägtes Selbstbewusstsein und –vertrauen. Es sind zumeist starke Persönlichkeiten, die so einnickern. Viele Workaholics, Gründer und Manager bevorzugen angeblich diese Position.
  • Seitenschläfer. Das ist die wohl am stärksten bevorzugte Bettstellung. Ob linksrum oder rechtsrum ist letzlich egal – entscheidend ist: Der Körper liegt dazu komfortabel auf der Seite, die Arme irgendwie so, dass sie ihn stabilisieren. Manchmal erinnert die Haltung deshalb auch ein wenig an die stabile Seitenlage aus der Ersten Hilfe. Wer so einschläft, ist tendenziell das, was man einen umgänglichen Typ nennt: versöhnlich, kompromissbereit, sanft, harmoniebestrebt. Schlafforscher empfehlen diese Position überdies als gesündeste von allen.
  • Embyonalschläfer. Dies ist die extremere Variante des Seitenschläfers. Die Beine sind angewinkelt, der Rücken eingerollt, die Arme schützen den Oberkörper. Manchmal klemmen sich diese Schlaftypen auch noch ein Kissen oder Laken zwischen die Beine. Was diese Position verrät? Laut Dunkell deutet das auf einen hochemotionalen, sensiblen Menschen mit starkem Bindungsdrang hin, der zudem an monogamen Beziehungen interessiert ist. Angeblich sind Frauen, die so bevorzugt einschlafen, häufiger zu multiplen Orgasmen fähig.

Daran kann man glauben – oder auch nicht. Und so oder so hilft das freilich wenig, besser einzuschlafen. In dem Hollywood-Streifen Staatsanwälte küsst man nicht versuchen es die Protagonisten übrigens mit Skigymnastik und Bügeln um Mitternacht. Kann man so machen, empfehle ich aber nicht. Im Blockbuster Schlaflos in Seattle wählen Tom Hanks und Meg Ryan wiederum die Variante: Liebe. Finde ich persönlich besser. Im Genre des Vampirfilms hingegen meiden die untoten Blutsauger kategorisch jedwedes Sonnenlicht. Auch daraus lässt sich eine pragmatische Einschlafhilfe ableiten.

Hypnos, in der griechischen Mythologie der Gott des Schlafes, wiederum half der eifersüchtigen Hera beim Einschläfern ihres Gatten und Übergottes Zeus. Allerdings griff der Halunke dabei zu Betäubungsmitteln wie Mohn, Opium oder Morphium. Davon kann ich nur abraten. Dann schon lieber heiße Milch mit Honig, wie sie Großeltern gerne empfehlen. Wahrscheinlich ahnten sie, dass das Kalzium in der Milch beruhigt. Nur für Menschen mit Laktoseüberempfindlichkeit ist das nichts.

Sind Sie eigentlich noch wach?



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1. Kommentar

Lesender
31.01.10 um 05:44 Uhr

man kann sich wirklich über alles gedanken machen. ich bin froh, wenn ich abends ins bett sinken kann und gleich einschlafen. mein tag ist eh stressig genug.

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