Streit tut gut. Ein guter Streit reinigt Beziehungen wie ein Gewitter die Luft. Streiten ist sogar wichtig, weil es wie ein Ventil Druck abbaut und so den ganz großen Knall verhindert. Schwelende Konflikte, unausgesprochener Frust dagegen kosten Kraft, Zeit und Geld. Sie belasten das Zusammenarbeiten und können sich negativ auf Gesundheit und Psyche auswirken.

Zuerst die gute Nachricht: Jeder Mensch kann streiten. Jetzt die schlechte: Nur wenige können es richtig. Denn Streitkultur muss man erst lernen. Dazu gehört vor allem, dem Zwist nicht auszuweichen. Weder im Büro, noch zu Hause, in der Uni oder unter Freunden. Machen Sie sich nichts vor: Selbst in den besten Teams und Familien wird gestritten, dass die Fetzen fliegen. Schweigen, Schlucken, Verdrängen, Kleinbeigeben sind dagegen grundfalsch. Vielmehr sollte man bereit sein, für seinen Standpunkt einzutreten und zu argumentieren. Viele Auseinandersetzungen regeln sich bereits dadurch, dass beide Seiten ihre Meinungen vortragen und auch eine abweichende Meinung tolerieren. Toleranz ist beim Streit unabdingbar! Aber auch Selbstkontrolle und Einfühlungsvermögen: Es geht darum, die Art des anderen zu ertragen, ohne dabei auszurasten und sich gleichzeitig in ihn hinein zu versetzen, um ihn zu verstehen und den Konflikt zu deeskalieren. Konflikte bieten schließlich immer auch die Chance zu neuen Ein- und Ansichten. Folgende acht Streitregeln helfen, Spannungen konstruktiv zu lenken:

  • Auf Sprache achten! Männer streiten anders als Frauen. Während Männer in ihren Sätzen vor allem informieren, versuchen Frauen mit ihren Worten Harmonie zu erzeugen. Geht der Mann darauf nicht ein, fühlt sie sich zurückgewiesen und der Streit eskaliert.
  • Schauen Sie nach vorn! 90 Prozent der Auseinandersetzungen konzentrieren sich auf die Vergangenheit. Das ist selten konstruktiv, weil man sich dabei unweigerlich in Details verrennt, die unscharf und für die Zukunft unrelevant bleiben. Förderlicher ist, Sie versuchen daraus zu lernen und fragen, was Sie künftig besser machen können.
  • Fragen statt sagen! Wer Behauptungen aufstellt, kann widerlegt werden. Wer fragt, der lenkt das Gespräch. Zudem lassen sich Fragen so stellen, dass sie keinen Vorwurf enthalten. Das mindert atmosphärische Störungen und eignet sich bestens, um Provokateuren den Wind aus den Segeln zu nehmen. Provokationen sind nur plumpe Tricks, um Sie aus dem Konzept zu bringen. Behalten Sie den roten Faden! Rechtfertigen Sie sich nicht, sondern stellen Sie Rückfragen: Wie kommen Sie darauf? Was wollen Sie damit sagen?
  • Bleiben Sie konkret! „Das sehen/machen alle so.“ „Das ist doch logisch.“ „Diese Idee ist totaler Schwachsinn!“ Solche Verallgemeinerungen sind subtile Attacken. Sie beruhigen keinen, sondern verletzen und schüren Aggressionen. Formulieren Sie Ihren Punkt lieber konkret und als Ich-Botschaft, also nicht „Sie haben das und das gemacht…“, sondern: „Ich beobachte seit einer Woche wie Sie mir ausweichen – am Montag im Aufzug und am Donnerstag in der Garage. Ich habe das Gefühl, Sie ärgern sich über mich. Warum?“
  • Halten Sie Blickkontakt! Wer seinem Gegenüber in die Augen schaut, beweist Selbstbewusstsein und ungeteiltes Interesse. Der andere fühlt sich automatisch ernst genommen – weiß aber auch, dass er es mit einem starken Gegner zu tun hat.
  • Hören Sie aktiv zu! Diese Regel ist ein Rhetorik-Klassiker. Dabei versuchen Sie das Problem des anderen ebenso wie seine Vorwürfe mit eigenen Worten zu wiederholen. Das bewirkt dreierlei: komplizierte Zusammenhänge werden klarer; Sie sind sicher, dass Sie den anderen verstanden haben; der andere fühlt sich verstanden. Letzteres ist entscheidend. Denn auch wenn Sie streiten: Sie wollen oder müssen ja weiterhin miteinander und nicht gegeneinander arbeiten. Sonst könnten Sie sich gleich trennen.
  • Überhören Sie! Ja, richtig gelesen: Überhören Sie Beleidigungen, Unterstellungen, Unverschämtheiten. Das unterscheidet den Profi vom Laien. Natürlich muss man auf starke Vorwürfe eingehen – auch wenn sie ungerechtfertigt sind. Aber nicht wenige Streiter sticheln, wenn sie merken, dass Ihnen mit Argumenten nicht beizukommen ist. Gehen Sie darauf nicht ein, behalten Sie die Zügel in der Hand und beweisen Sie Größe. Allenfalls ein Ausflug in die Metaebene ist erlaubt: „Das war jetzt ein persönlicher Angriff und völlig ungerechtfertigt. Lassen Sie uns bitte beim Thema bleiben…“
  • Behalten Sie Ruhe! Nichts wirkt entspannender. Wer die Fassung verliert, hat schon verloren. Das bedeutet aber auch, seine besten Argumente nicht sofort zu verpulvern, sondern erst im richtigen Moment. Und versuchen Sie nicht, den anderen dann zu „vernichten“. Das ist nur etwas für ein Finale. Danach erübrigt sich jede Zusammenarbeit.