Hamsterkäufe
Gehen Sie bloß nicht einkaufen, wenn Sie hungrig sind. Die Folgen wären fatal: Sie geben mehr aus, als sie wollen und am Ende kaufen sich viele auch noch ungesundes Fastfood unterwegs, um den knurrenden Magen zu beruhigen. Baba Shiv, Professor an der Stanford-Universität, ließ 165 Studenten in zwei Gruppen ein paar Zahlen memorieren. Die erste Gruppe sollte sich eine siebenstellige Zahl merken, die zweite eine zweistellige. Danach sollten sie einen kurzen Weg in einen anderen Raum wandern, um dort die Zahl zu rezitieren. Unterwegs aber schnappte die Falle zu...

Hamsterkäufe: Hunger macht spendabel

Auf dem Weg stand ein Tisch voller leckerer Gratis-Süßigkeiten und Fruchtsalat zur freien Auswahl. Shiv sagte seinen Probanden, das sei eine Art Dankeschön für die Teilnahme an dem Versuch und ermunterte sie zum Snack.

Dabei fiel ihm folgendes auf:

  • Nahezu alle Teilnehmer, die sich die siebenstellige Zahl merken sollten, griffen zur Schokolade,
  • während jene, die sich nur zwei Ziffern einprägen mussten, eher den Fruchtsalat bevorzugten.

Shiv erklärt sich das so: Während die Ratio damit beschäftigt war, sieben Ziffern zu erinnern, übernahmen Emotionen die Kontrolle bei der Snackwahl: weniger gesund, mehr yummy-yummy.

Oder anders formuliert: Wer viel zu tun hat (Shoppingliste abarbeiten) und vielleicht noch hungrig ist, trifft nicht unbedingt die beste (Snack-)Wahl.

Das deckt sich auch mit weiteren Untersuchungen zu dem Thema. Kurzum: Hunger senkt unsere Selbstkontrolle und lässt uns vermehrt irrationale und emotionale Entscheidungen treffen.

Oder wie Oma sagen würde: Wenn du was kaufen willst, nimm nie den Hunger mit!

Hunger lässt Mahlzeiten größer erscheinen

Falls Sie gerade einen Kaugummi kauen, geht es Ihnen vermutlich, wie den meisten Menschen: Mit der Zeit hat man das Gefühl, das Ding wird im Mund immer kleiner. Stimmt ja auch. Aber hätten Sie auch gewusst, dass Sie das ganz anders wahrnehmen, wenn Sie Hunger haben?

Hunger kann die Wahrnehmung tatsächlich beeinflussen, insbesondere die Größenwahrnehmung im Mund. Das ist das Ergebnis von Studien der Würzburger Sozialpsychologen Sascha Topolinski und Philippe Türk Pereira. Gleich mehrere Experimente gingen dem voraus:

  • Experiment 1: Trinkhalme schätzen Hierbei sollten 30 Freiwillige drei Stunden lang keine Nahrung zu sich nehmen (Hunger! Kontrollgruppe aß vorher, war also satt). Dann mussten sie blind die Länge von handelsüblichen Trinkhalmen schätzen, die vorher in drei Zentimeter lange Schnipsel geschnitten worden waren. Aber mit dem Mund. Ergebnis: Die hungrigen Teilnehmer schätzten die Röhrchen im Schnitt 0,4 Zentimeter länger ein als die satten Probanden. Mehr noch: Je mehr Hunger die Probanden hatten, desto größer schätzten sie das Plastikstück ein.
  • Experiment 2: Kaubonbons schätzen Gleicher Versuch, diesmal mit 50 neuen Freiwilligen und mit kleinen länglichen Kaubonbons von 3,8 Zentimetern Länge. Und diesmal durfen die Teilnehmer sie sogar nach der Größenschätzung essen. Resultat: Wieder schätzen die Hungrigen das Bonbon im Schnitt 0,3 Zentimeter länger ein als die Satten.
  • Experiment 3: Unterschiedliche Längen Jetzt sollten 60 Probanden mehrere verschieden lange Trinkhalme nacheinander beurteilen und mit dem Mund messen. Wieder überschätzten die Hungrigen die Länge. Jedoch nur anfangs. Mit der Zeit aber verschwand der Effekt was die Forscher als Hinweis werteten, dass die Überschätzung durch Hunger mit Sensibilität zu tun hat. Das aber wollten sie genauer wissen und starteten...
  • Experiment 4: Kaugummi kauen Nun traten 44 Freiwillige gegeneinander an - hungrige und satte in gleicher Zahl. Allerdings bekam ein Teil von ihnen vorab einen Kaugummi zu kauen. Effekt: Der verstärkte den Hunger zwar, das Kauen aber desensibilisierte zugleich den Mund. Resultat: Hungrige und satte Probanden, die zuvor Kaugummi gekaut hatten, schätzten die Testobjekte ähnlich groß ein. Ohne Kaugummi indes überschätzten die Hungrigen noch immer die Objekte im Mund.

Laut den Psychologen macht Hunger den Mund tatsächlich empfindlicher und lässt uns Dinge darin größer einschätzen. Auch Kaugummi, aber eben nur anfangs.

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