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Handelsvertreter im Direktvertrieb und Außendienst

Handelsvertreterin-Türklingel-Spion
Der Traum von der Selbstständigkeit. Und dann am besten noch mit einer namhaften Marke im Rücken. Wer nicht gerade einen eigenen Betrieb gründen und aufbauen oder ein Ladenlokal eröffnen will, dem bleibt noch die Alternative im Vertrieb – als selbstständiger Handelsvertreter.

Manche nennen sie auch Selbstständige im Direktvertrieb oder im Außendienst. Weniger freundlich klingt der Begriff Strukturvertrieb in dem Zusammenhang – man denkt dabei unwillkürlich an Haustürgeschäfte, an Klinken putzen und Drückerkolonnen mit dem obligaten Stahlkappenschuh in der Tür.

Solche Handelsvertreter gibt es zwar auch. Zunächst aber ist es ein ganz normaler Vertriebsjob, bei dem jemand selbstständig arbeitet, jedoch im Namen und Auftrag eines Unternehmens (manchmal auch mehrerer Firmen) dessen Produkte oder Dienstleistungen verkauft werden sollen. Sie schließen also in deren Namen – häufig zeitlich beschränkt für eine bestimmte Region – Kaufverträge ab. Dafür bekommen die Vertriebspartner schließlich eine Provision. Ein festes Gehalt gibt es also nicht. Dafür aber können die meisten selbst bestimmen, wie und wann sie arbeiten.


Jobvoraussetzung: Auf Menschen zugehen können

Handelsvertreter-Selbstständig-AußendienstVoraussetzungen für den Vertriebsjob gibt es kaum. Es handelt sich dabei weder um einen Lehrberuf, noch benötigt man dafür einen Schulabschluss oder eine Berufsausbildung. Laut Paragraf 60c Abs. 2 der Gewerbeordnung benötigt der Handelsvertreter lediglich eine sogenannte Reisegewerbekarte. Die meisten Auftraggeber legen hierauf durchaus auch wert: Dann sparen sie sich die Sozialversicherungsbeiträge.

Wesentlich entscheidender ist, ob ein Vertriebspartner in spe auf Menschen zugehen kann; Spaß daran hat, sie zu beraten; aber auch mit häufigen Abweisungen umgehen kann. Denn auch das gehört zum Job: Die potenziellen Kunden schlagen einem die Tür vor der Nase zu, reagieren gereizt, beschimpfen einen oder drohen gar mit körperlicher Gewalt.

Hier noch einmal die Vor- und Nachteile des Jobs im Überblick

Vorteile:

    Daumenhoch_t

  • Keine Geschäftsidee erforderlich
  • Keine Ausbildung nötig
  • Auftraggeber übernimmt meist Schulung
  • Freie Zeiteinteilung
  • Auch Teilzeitarbeit möglich

Nachteile:

    Daumenrunter_t

  • Erfolgsabhängiges Einkommen auf Provisionsbasis
  • Volles unternehmerisches Risiko
  • Häufig Mobilität erforderlich
  • Kundenstamm muss erst erarbeitet werden
  • Häufige Ablehnung

Handelsvertreter gesucht

Zugegeben, dem Handelsvertreter Job haftet nicht gerade der beste Ruf an. Doch deshalb sind freie und gute (!) Handelsvertreter Mangelware. Die Handelsreisenden werden enorm gesucht – und das, obwohl es laut Schätzungen in Deutschland rund 700.000 Menschen gibt, die diesem Beruf nachgehen. Bevorzugt in den Branchen:

  • Versicherungen
  • Banken, Baufinanzierer
  • Energiewirtschaft
  • Konsumgüter, Kosmetik
  • Verlage

Vertriebsjobs gibt es genug. Nur eben zu wenige, die Lust haben, draußen direkt mit dem Kunden vor Ort in Kontakt zu treten. Dabei werden nicht gerade wenige Stellen im Innendienst abgebaut, während die Nachfrage im Außendienst steigt. Einige Auftraggeber bieten daher teils neben den Provisionen auch eine Art Fixum im ersten Jahr als Starthilfe an. Bis zu 15.000 Euro werden hier mitunter gezahlt.

Letztlich aber variieren die Einkommen in diesem Beruf erheblich. Alles hängt ab vom verkäuferischen Geschick und Engagement des Handelsvertreters. Er muss selbstständig Kunden akquirieren, sie beraten undn mit aktuellen Produktinformationen versorgen.

Manche bleiben sogar nach Abschluss noch Ansprechpartner – etwa bei Reklamationen, Reparaturen oder Vertragsänderungen. Das ist aber von Branche zu Branche und Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich.

Deshalb sollten Sie sich auch noch orientieren an unserer…

Checkliste für Handelsvertreter

Bevor Sie einen Job im Direktvertrieb annehmen, prüfen Sie bitte:

  • Wie bekannt ist die Marke des Auftraggebers?
  • Welchen Ruf hat der Auftraggeber bei der Zielgruppe?
  • Wie aggressiv operiert er am Markt?
  • Sind die Produkte bei Kunden beliebt?
  • Werden die Verkäufer vorab ausreichend geschult?
  • Gibt es regelmäßige Weiterbildungen?
  • Ist das Verkaufsmaterial (Broschüren, Muster) professionell?
  • Wie hoch sind die Provisionen und wie viel müssen Sie verkaufen, um davon leben zu können?
  • Unter welchen Bedingungen erhalten Sie die Provision und wann nicht?
  • Müssen Sie erst einmal selber investieren – etwa in Musterkollektionen oder Schulungen?
  • Haben Sie in Ihrer Region einen Gebiets- und Kundenschutz?
  • Was passiert, wenn der Vertrag endet – wem „gehören“ etwa die Kunden?
[Bildnachweis: naito8, Zadorozhna Natalia by shutterstock.com]



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