Das Wichtigste zuerst: Geschüttelt wird nicht, schon gar nicht gerührt. Händeschütteln ist ein Fauxpas; wer sich begegnet, gibt und drückt sich kurz die Hand. Mit Betonung auf kurz: Ein professioneller Handschlag dauert etwa drei bis vier Sekunden. Längeres Händedrücken sollte engen Freunden vorbehalten bleiben. Die Basics:
- Falls Sie sitzen, stehen Sie zum Handschlag auf.
- Stellen Sie sicher, dass Ihre Hand trocken ist.
- Im Büro obliegt es dem Chef, ob er Ihnen die Hand reicht.
- Als Gastgeber reichen Sie Ihren Gästen die Hand – dem Ranghöchsten zuerst.
- Der Schwung dazu kommt aus dem Ellbogen, nicht aus der Schulter.
- Halten Sie Blickkontakt, nicht auf die Hände schauen!
- Stellen Sie sich dabei mit Namen vor.
- Profis wiederholen den Namen Ihres Gegenübers mit einem Gruß: „Herr Huber: Herzlich Willkommen!“
Allerdings ist der Händedruck mehr als eine bloße Begrüßung. Neben dem Blickkontakt, der Stimme und dem Duft ist der Händedruck eines der stärksten Sympathie-Signale und damit entscheidend für den ersten Eindruck. Hand aufs Herz: Ist Ihnen bewusst, was alles diese kurze körperliche Begegnung über Sie aussagen kann?! Hier der Versuch typischer Handschlag-Varianten – und was sie bedeuten:
- Der Distanz-Handschlag: Die Hand wird weit vom Körper gestreckt, so dass zwischen Beiden der größtmögliche Raum bleibt. Das kann ein Zeichen von Antipathie sein – oder auch für Reserviertheit sprechen, Motto: „Mein Vertrauen musst du dir erst noch verdienen.“
- Der intime Handschlag: Das Gegenteil zum Distanz-Handschlag. Hier wird die Hand kaum vom Körper abgerückt, so dass sich beide extrem auf die Pelle rücken. Womöglich hat das einen sexuellen Hintergrund – vor allem wenn ER ihr dabei näher kommen will. Es kann aber auch eine subtile Dominanzgeste sein, weil derjenige so zwangsläufig in die Intimzone seines Gegenübers eindringt. Vorsicht: Die Variante macht schnell unsympathisch.
- Der schlaffe Händedruck: Den meisten Menschen gilt er als Indiz für einen schüchternen, durchsetzungsschwachen Zeitgenossen. Psychologen sagen sogar, er sei typisch für Pessimisten. Keine Frage: der Karrierekiller unter den Handschlägen.
- Der Zangen-Handschlag: Dieser Typ drückt Ihnen nicht einfach nur die Hand – er nimmt Sie regelrecht in die Zange und lässt Ihre Hand so schnell nicht mehr los. Jedenfalls vermittelt er den Eindruck, als würde er den Arm gleich dazu haben wollen. Hier verspricht jemand: „Ich weiß, was ich will und werd’s mir auch nehmen.“
- Der Roboter-Handschlag: Sie stehen noch nicht in Reichweite, schon fährt die Hand hoch – oder ihr Gegenüber geht Ihnen mit ausgestreckter Hand entgegen. Anschließend wird automatisch und emotionslos das Programm abgespult: „Guten Tag“ sagen, Hand drücken, loslassen, Arm runterfahren, sprechen: „Schönes Wetter heute“ zum Beispiel. Willkommen in Metropolis! Sie grüßen gerade eine Arbeitsmaschine – oder jemand, dem Sie ziemlich schnuppe sind.
- Der Frontal-Handschlag: Ihr Gegenüber strahlt vor Testosteron, der Handschlag energisch fest, fast dominant, die Augen aufgerissen, der Blick stier. Womöglich haben Sie es hier mit einer Engstirne zu tun, jemand, der nicht gerne von seinem Weg abweicht, kaum zuhört und sich gerne durchsetzt.
- Der Hand-Kanten-Schlag: Kommt in der Regel nur unter Männern vor und ist ein verkappter
Schwanz-Kräftevergleich, wer den größeren Druck ausüben (und aushalten) kann. Dabei wird gegenseitig und immer fester zugedrückt – bis einer nachlässt. Danach ist eigentlich alles klar und nichts mehr zu sagen. - Der normale Handschlag: kurz, fest, mit freundlichem Blick in die Augen – so begrüßen sich Profis.







André Wegner
Zum Thema Handschlag gibt es eine schöne Anekdote aus der Politik.
Als ein Teil der Ping-Pong Diplomatie zwischen China und den USA besuchte Nixon Mao. Die Beziehungen waren zwischen beiden Ländern lange Zeit sehr gespannt.
Ein sinnfälliges Symbol dafür war ein diplomatischer Faux-Pas den (meiner Erinnerung nach) ein amerikanischer General beging, als er demonstrativ den angebotenen Handschlag des chinesischen Premierministers ausschlug (bitte nicht auf die Portagonisten festnageln).
Jedenfalls als Nixon in Peking am Flughafen die Gangway runterging streckte er schon seine Hand aus und ging auf den ihn wartenden Mao zu.
So zeigte er, dass er es wieder gutmachen wollte und machte die weit ausgestreckte Hand zum sinnfälligen Symbol für die Annäherung beider Staaten.
Vielleicht bis auf für angehende Diplomaten nicht ganz Karriere-relevant, aber meine zwei Cent zum Thema Handschlag. ;-)
Jan Schmidt
Ich finde diese Press-Handschläge sind die furchtbarsten. Ich komme mir dabei schon sehr dominiert vor. So jemand ist meist kein guter Gesprächs- und Geschäftspartner. Für den Typ sind alle nur Konkurrenz. Für Egoisten und Opportunisten ist das typisch.
anita
also ich hab haeufiger den eindruck, dass ich als frau in einem maennerberuf eher akzeptiert werde, wenn ich die maennerspielchen mitmach und den schraubstock einsetze. auch ein gut platzierter ruelpser unter handwerkern wirkt wunder, weil ich damit gleich zeige: ” ich bin kein zuckerpueppchen sondern einer von euch. seht mich als normalen kollegen an und nicht als frau.”
Jochen Mai
@anita: In Deinem Fall ist es ja auch richtig, möglichen Vorbehalten und Rollenklischees offensiv zu begegnen. Die Wahl der Mittel bleibt natürlich jedem selbst überlassen. Da im Handwerk das Zupacken-Können per se ein Wert darstellt, schadet ein fester Händedruck sicher nicht.
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