Handy-Knigge: So verhalten Sie sich korrekt
Wer braucht einen Handy-Knigge? Der richtige Umgang mit dem Handy beziehungsweise Smartphone erhitzt die Gemüter. Das liegt vermutlich an dem vergleichsweise jungen Kommunikationsmedium und seiner rasanten technischen Entwicklung. Seit Beginn der neunziger Jahre breitet sich die Nutzung des Handys aus, aber einen einheitlichen gesellschaftlichen Konsens darüber, wann das Handy genutzt werden kann oder wann man es besser ausgeschaltet lässt, gibt es noch nicht. Zeit für einen Handy-Knigge...

Handy-Knigge: Regeln als Schutz vor Schaden

Die rasante Entwicklung des Mobiltelefons, im Folgenden auch als Handy oder Smartphone bezeichnet, bringt Zweierlei mit sich. Zum einen sind etwaige allgemeingültige Regeln im Fluss, zum anderen werden gesetzliche Bestimmungen teilweise wieder über den Haufen geworfen.

So sind beispielsweise von gesetzlicher Seite einige Vorgaben teilweise ergänzt oder revidiert worden. Die Rede ist hier von der Nutzung des Handys...

  • im Krankenhaus

    Lange Zeit waren Handys im Krankenhaus völlig verboten. Gleichzeitig wurden diese Verbote häufig ignoriert beziehungsweise konnten sich nicht flächendeckend durchsetzen. Dem Verbot lag die Annahme zugrunde, dass Handys medizinische Gerätschaften stören und somit das Leben von Patienten gefährden könnten.

    Mittlerweile ist die Technik sowohl bei den medizinischen Geräten als auch bei Smartphones derart fortgeschritten, dass sie als unbedenklich eingestuft werden. Studien zufolge würde lediglich eine Entfernung von unter einem Meter sich störend auswirken können und somit gelten einschränkende Empfehlungen für die Handynutzung meist nur auf Intensivstationen.

  • im Flugzeug

    Ähnlich wie im Krankenhaus führen technische Neuerungen dazu, dass der Handygebrauch während des Fluges nun teilweise gestattet ist. Neben den befürchteten Gefahren für die Technik des Flugzeugs sind es allerdings auch die technischen Voraussetzungen, die ein Telefonieren über den Wolken häufig nicht ermöglichen: Viele Verkehrsmaschinen haben einen Aluminiumrumpf, der Funksignale kaum weiterleitet. Dazu kommt noch die Reiseflughöhe, so dass viele Mobilfunknetze außerhalb der Reichweite liegen.

  • im Auto

    Anders sieht es beim Autofahren aus. Hier gilt die Regel: Handy am Steuer wird meistens teuer - zumindest, wenn Sie ohne Freisprechanlage erwischt werden. Infolge der Smartphonenutzung kommt es regelmäßig zu Unfällen - dabei sind überhöhte Geschwindigkeit und zu dichtes Auffahren die Hauptursachen, teilweise mit Todesfolge. Das Handyverbot gilt nicht nur fürs Telefonieren, sondern auch für Textnachrichten.

  • an der Tankstelle

    Hier ist der Pächter genau genommen für entsprechende Verbote zuständig. Früher war der Gebrauch außerhalb des Autos verboten. Man befürchtete Funkenbildung für den Fall, dass ein Handy auf den Boden fällt und sich Gase entzünden. Inzwischen wurden auch hier an vielen Tankstellen die Bestimmungen gelockert - vermutlich auch deshalb, weil kein solcher Fall jemals bekannt wurde.

Handy-Knigge: Gebrauch in der Schule

Dennoch haben sich im Zuge der vermehrten Nutzung von Smartphones sowohl im Alltag als auch im Geschäftsleben bestimmte Normen herausgebildet. Etwaige Hinweisschilder in öffentlichen Verkehrsmitteln spiegeln dies wider. Viele Menschen reagieren empfindlich auf Lärm und fühlen sich entweder durch Klingeltöne und Musik oder aber durch laute Gespräche der Telefonierenden gestört.

Der Gebrauch von Smartphones in der Schule hat sich in den letzten Jahren als problematisch erwiesen. Ursprünglich von Eltern als Schutz und Hilfsmittel für ihre Kinder gedacht - etwa, um einen sicheren Heimweg zu ermöglichen - hat sich das Smartphone zum Störfaktor im Schulbetrieb entwickelt.

Handys werden genutzt, um sich durch Klassenarbeiten zu mogeln, sie stören den Unterricht, weil Schüler sich völlig ungehemmt mit Spielen, Musik und Klingeltönen die Zeit vertreiben.

Ein weiterer Aspekt sind die umfangreichen technischen Möglichkeiten, etwa Filmaufnahmen. Die unreflektierte Nutzung der Videofunktionen, aber auch des Internets hat sozialen Problemen wie Cybermobbing und Sexting den Weg bereitet. Mangelnde Medienkompetenz der Eltern, aber auch uneinheitliche Regeln bergen indes weiteres Konfliktpotential.

So schwanken die Bestimmungen über den Handygebrauch in Schulen je nach Bundesland und Schule. Grundsätzlich gilt: Handys sind nicht verboten, aber die Benutzung kann verboten werden.

Schüler dürfen natürlich nicht ohne Zustimmung der Person Videoaufnahmen machen, das gilt auch für Aufnahmen von Lehrern. Auch die Nutzung im Unterricht und in Klassenarbeiten ist meistens verboten, weshalb Lehrer die Smartphones zumindest vorübergehend einkassieren dürfen.

Handy-Knigge: Etikette im geschäftlichen Alltag

Wer jetzt allerdings meint, der unpassende Gebrauch von Smartphones sei lediglich ein Phänomen bei Schülern und Jugendlichen, irrt. Dafür muss man nur mal mit Geschäftsreisenden im Zug sitzen oder seine Kollegen im Meeting beobachten:

Häufig liegt ein Diensthandy oder Tablet auf dem Tisch. Viele Teilnehmer empfinden das als störend, schließlich signalisiert so ein Gerät, dass man was Besseres zu tun hat beziehungsweise grundsätzlich bereit ist, es zu benutzen. Gängige Verhaltensregeln würden so außer Kraft gesetzt - etwa, dass man sein Gegenüber nicht unterbricht.

Im Übrigen nutzen längst nicht alle Meeting-Teilnehmer das Smartphone aus beruflichen Gründen: Einer repräsentativen Studie des IT-Verbandes Bitkom zufolge sind vier von zehn Teilnehmern mit privaten Dingen am Smartphone beschäftigt. Die Tatsache, dass 72 Prozent aller Berufstätigen das als störend empfindet, zeigt wie wichtig eine Smartphone-Etikette ist.

Handy-Knigge: Im Büro, im Restaurant

Handy-Knigge: Im Büro, im RestaurantStändige Erreichbarkeit sorgt dafür, dass das Handy überall mitgenommen wird und auch zum Einsatz kommt.

Vibrationsalarm, aber natürlich auch Telefonate behindern die Konzentration der Anwesenden nicht nur im Meeting erheblich. Es sind im Wesentlichen drei Faktoren, die Sie beim Umgang mit dem Smartphone bedenken sollten:

  • Anlass

    • Bei einem Meeting sollte die Aufmerksamkeit eigentlich beim jeweiligen Redner liegen. In Ausnahmefällen kann es notwendig sein, telefonisch erreichbar zu sein. Auch Notizen oder Protokolle am Tablet sind solche Ausnahmen im geschäftlichen Alltag.
    • Sind Sie im Restaurant, sollten Sie ebenfalls das Handy lautlos stellen. Wenn Sie ein wichtiges Gespräch erwarten, entfernen Sie sich nach Möglichkeit nur kurz (empfohlen wird die Dauer eines Toilettengangs) und verhalten sich möglichst leise.
    • Während eines Gesprächs sollten Sie das Handy übrigens nie auf dem Tisch liegen lassen, egal ob im Restaurant oder im Büro. Ihr Gegenüber könnte sich dadurch wenig geschätzt fühlen. Besser, Sie tragen das Handy in der Hosentasche und stellen den Vibrationsalarm ein.
    • Auch in öffentlichen Orten, etwa in Theatern, Kinos, aber auch in Kirchen und auf Friedhöfen sind Smartphones tabu. Zumeist wird durch Schilder darauf hingewiesen.
  • Lautstärke

    Je nachdem, wo Sie sich aufhalten, stellen Sie den Klingelton nach Möglichkeit aus. Auch Tastentöne oder Vibrationsalarm rufen Irritation hervor und lenken im Meeting oder Gespräch ab. Als besonders unangenehm werden auch laute, aufdringliche Klingeltöne (beispielsweise in Form von Liedern) in öffentlichen Verkehrsmitteln empfunden.

    Ebenso penetrant wie die Lautstärke des Gerätes sind allerdings häufig auch deren Besitzer: Nicht jeder Fahrgast oder Passant findet es gut, zum unfreiwilligen Zuhörer zu werden, nur weil ein Handynutzer lautstark seine Umgebung über die neusten Nichtigkeiten informieren muss. Aber auch für geschäftliche Telefonate beispielsweise auf Dienstreisen gilt: Nicht jeder Fahrgast muss alles mitbekommen. Der Störfaktor ist eine Sache, Geschäftsinterna eine andere.

  • Dauer

    Wenn Sie im Meeting oder im Restaurant telefonieren müssen, halten Sie das Telefonat kurz und entfernen sich von den Anwesenden, um nicht zu stören.

Einige Gebote rund um den Handy-Knigge haben Ihre Sicherheit im Blick. Die Empfehlungen rund um die Etikette haben vor allem eins gemeinsam: Es geht um Respekt. Im Umgang mit Ihren Kollegen, aber auch im privaten Bereich zeigen Sie Wertschätzung, wenn Sie auf unnötige Anrufe verzichten.

Sie signalisieren Aufnahmebereitschaft und Aufmerksamkeit, wenn Sie nicht noch schnell private Textnachrichten im Meeting absetzen oder mitten im Gespräch aufspringen, um ein Telefonat anzunehmen.

PS: Wenn Sie auf witzige Art und Weise nachlesen wollen, wie Sie Ihr Handy "richtig" einsetzen, dann können Sie das HIER.

[Bildnachweis: Giulio_Fornasar, Kluva by Shutterstock.com]