Entgegen aller Unkenrufe hat Google+ in den letzten Monaten auch in Deutschland neue Nutzer gewonnen. Einer der wichtigsten Gründe dafür: Google entwickelt sein Netzwerk konsequent weiter und implementiert immer neue Funktionen. Jüngstes Beispiel: Hangouts on Air. Die in Amerika bereits seit längerem verfügbare Funktion wurde auch in Deutschland freigeschaltet und hat das Potenzial, den Einsatz der Google+-Hangouts grundlegend zu verändern und ganz neue Bereiche zu erschließen. Wir zeigen, wie Hangouts on Air funktionieren und was Sie beim Einsatz beachten müssen.
Der Name lässt es bereits erahnen: Im Gegensatz zu “normalen” Hangouts werden Hangouts on Air live ins Internet übertragen und auch gleich im verknüpften Youtube-Konto aufgezeichnet. Doch es gibt noch einen weiteren Unterschied. Der Stream ist zwar frei verfügbar, die Teilnahme am Hangout jedoch nur auf Einladung des Initiators möglich. Natürlich funktionieren alle von den Hangouts bekannten Funktionen und Apps auch hier. Bevor wir zu Möglichkeiten und Potenzial der Hangouts on Air kommen, hier noch einmal das offizielle Video von Google.
Das Potenzial
Wie bereits Eingangs erwähnt, eröffnen Hangouts on Air – zum offiziellen Google-Blog geht es hier entlang – ganz neue Einsatzmöglichkeiten. In Amerika gibt es bereits zahlreiche Anwendungsfälle, die vom Gitarrenunterricht über Kochkurse bis zu Online-Seminaren reichen.
All diese Aktivitäten werden über Hangouts on Air gestreamt und stehen potentiell allen anderen Nutzern in Echtzeit zur Verfügung. Auch für Firmen, Bands und Events bieten die Hangouts on Air neue, spannenden Möglichkeiten. Bands können so beispielsweise Proben mit ihren Fans teilen, Unternehmen können Sprechstunden anbieten oder firmeneigene Events live begleiten. Auch Diskussionsrunden lassen sich so mit wenig Aufwand realisieren, denn im Hangout können mehrere Teilnehmer miteinander diskutieren. Die Diskussion kann dann live mitverfolgt und später auf Youtube abgerufen werden.
Einer der größten Vorteile der Hangouts on Air ist jedoch der direkt integrierte Feedback-Kanal.
Da es sich um einen Hangout auf Google+ handelt, können sich die Zuschauer entweder in den Kommentaren auf Youtube oder direkt unter dem Hangout in Google+ einbringen und Fragen stellen. Da der Hangout live übertragen wird, können die Gesprächspartner im Hangout direkt auf das Feedback eingehen. So lassen sich beispielsweise Frage-und-Antwort-Runden mit Sportlern, Promis oder anderen interessanten Personen realisieren.
Unternehmen die beispielsweise im Personalbereich aktiv sind, können so eine offene Sprechstunde anbieten und eingehende Fragen rund um Bewerbungsthemen direkt beantworten. Eine solche Aktion eignet sich auch hervorragend für die Begleitung einer Messe. Die Antworten könnten dabei live vom Messestand kommen, an dem der Moderator die Teilnehmer nach und nach in den Hangout holt oder Fragen der umstehenden Messebesucher aufgreift und im Hangout live beantwortet.
Hier steigt natürlich die technische Anforderung, da auch die Fragen vor Ort im Hangout gut hörbar und die Fragesteller am besten sichtbar sein sollten. Doch prinzipiell sind Hangouts on Air mit geringem Aufwand realisierbar. In Amerika setzen unter anderem Fernsehsender Hangouts on Air mit Erfolg ein, wie das folgenden Video zeigt.
Der Praxiseinsatz
Einen Hangout on Air können Sie nicht nur auf Google+ und Youtube teilen, sondern auch auf Ihrem Blog oder einer anderen Seite Ihrer Wahl einbinden. Dazu klicken Sie im laufenden Hangout einfach auf den Punkt “verlinken”, der im Screenshot unten blau markiert ist. So erhalten Sie den Embed-Code für Ihr Youtube-Video. Binden Sie diesen in Ihr Blog ein, wird dort auch der Livestream Ihres Hangouts angezeigt.
Da Hangouts in Deutschland – noch – vergleichsweise wenig genutzt werden, gehen wir an dieser Stelle auf die vielfältigen Optionen ein, die Ihnen ein Hangout bietet. Diese sind sowohl bei den Hangouts on Air als auch bei normalen Hangouts verfügbar.
So können Sie beispielsweise Youtube-Videos mit anderen Hangout-Teilnehmern teilen und gemeinsam anschauen. Die gemeinsame Bearbeitung von Dokumenten und Grafiken ist ebenso möglich. Wie eine Spielerei wirken dagegen die Google Effects, mit denen Sie sich virtuelle Kopfbedeckungen, Bärte oder Brillen aufsetzen können.
Die App Hangout Lower Third münzt diesen spielerischen Ansatz jedoch zu einer nützlichen Funktion. Sie erlaubt es dem Nutzer, im unteren Drittel des Hangouts Bachbinden oder Beschriftungen einzublenden. Gerade bei einem Hangout on Air können Sie neue Teilnehmer vorgestellt oder die Funktion und Kompetenz eines Gesprächspartners dargestellt werden. Eine Übersicht der aktuell verfügbaren Hangout-Apps – dazu gehört unter anderem auch Slide Share – finden hier.
Wie Sie einen Hangout on Air initiieren und die genannten Apps aktivieren können, zeigen wir Ihnen im folgenden Video. Beachten Sie bitte: Ein begonnener Hangout wird nicht automatisch on Air geschaltet, das müssen Sie händisch tun.
Die Risiken
Das Potenzial der Hangouts on Air ist enorm, doch leider gibt es in Deutschland einige rechtliche Hürden. Denn Hangouts on Air können – unter bestimmten Voraussetzungen, als Rundfunk gewertet werden und sind dann genehmigungspflichtig. Zu diesem Thema haben wir Christian Solmecke – seines Zeichens Anwalt für Medienrecht – einige Fragen gestellt. Herzlichen Dank für die schnelle Beantwortung…
Gelten Hangouts on Air ab 500 Zuschauern wirklich als Rundfunk?
Nicht unbedingt. Auch dann, wenn sich der Hangout an mehr als potentiell 500 Zuschauer richtet, ist er nicht zwingend als Rundfunk einzuordnen. Entscheidend ist nämlich auch, ob eine journalistisch-redaktionelle Gestaltung vorliegt. Das ist jedenfalls dann nicht der Fall, wenn bloße Live-Bilder ohne jede Bearbeitung und ohne konkreten Sendeplan verbreitet werden, wie zum Beispiel bei einer Videokonferenz. Es ist jedoch auch denkbar, dass ein Hangout on Air die Voraussetzungen des Rundfunkbegriffs erfüllt. Ob das der Fall ist, muss für jedes Angebot einzeln geprüft werden.
Wenn ja, müssten Unternehmen das dann anmelden? Wo und wie würde das von statten gehen?
Wenn ein Angebot tatsächlich als Rundfunk im Sinne des Rundfunkstaatsvertrags einzuordnen ist, muss eine Lizenz bei der zuständigen Landesmedienanstalt beantragt werden. Welche Landesmedienanstalt zuständig ist, richtet sich nach dem Wohnsitz des Veranstalters. Die Landesmedienanstalt prüft dann, ob die Voraussetzungen für eine Zulassung vorliegen.
Wie können Unternehmen sich rechtlich absichern?
Um sicherzugehen, dass ein Angebot nicht als Rundfunk einzuordnen ist, kann der Veranstalter einen Antrag auf Bestätigung der rundfunkrechtlichen Unbedenklichkeit bei jeweils zuständigen Landesmedienanstalt stellen. Darin wird bestätigt, dass das Angebot so wie es in dem Antrag beschrieben ist, nicht als Rundfunk, sondern als zulassungsfreies Telemedium einzuordnen ist.
Welche Konsequenzen könnten drohen, wenn ein Hangout on Air als Rundfunk gilt und nicht angemeldet wurde?
Wer ohne die erforderliche Zulassung Rundfunk veranstaltet begeht eine Ordnungswidrigkeit, die mit bis zu 500.000 Euro geahndet werden kann.
Fazit
Hangouts on Air bewegen sich in Deutschland noch in einer rechtlichen Grauzone. Das Risiko trägt hier der Initiator des Hangouts, denn Google legt in den Nutzungsbedingungen klar fest, dass der Nutzer dafür zuständig ist, alle rechtliche Regelungen einzuhalten. Ob und wie die Telemedienanstalten mit dem neuen Medium umgehen und was im Zweifel vor Gericht entschieden wird, muss sich erst noch zeigen.
Dennoch wird in den kommenden Wochen und Monaten sicherlich eine Vielzahl kreativer Einsatzmöglichkeiten der Hangouts on Air ausprobiert werden. Ein Potenzial, dass sich Unternehmen und andere Organisation nicht entgehen lassen sollten.

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Klaus Krebs
Das Potenzial sit hervorragend. Allerdings gibt es gerade im Business Sektor einige Hürden. So ist bspw. der Support von Google in seinen Reaktionszeiten nicht der schnellste. Auch werden, ähnlich wie bei anymeeting (ebenfalls Google) nicht alle Screens unterstützt. Aber ich bin sicher, dass sie das in en Griff bekommen, denn die Nachfrage dürfte enorm werden.
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