HBDI Profil: Tipps zur Potenzialdiagnose
Jeder Mensch denkt anders. Das scheint auf den ersten Blick sehr offensichtlich, doch aus diesem Wissen lassen sich wichtige Einsichten über die eigenen Potenziale gewinnen. Das sogenannte Herrmann Brain Dominance Instrument (kurz: HBDI) zielt genau auf diesen Punkt ab. Mit Hilfe eines umfangreichen Fragebogens werden die Ausprägungen verschiedener Denkstilpräferenzen ermittelt. Auf dieser Grundlage ist es anschließend möglich, Aussagen über Talente, Fähigkeiten und Potenziale zu treffen. Wie das HBDI funktioniert und wie es Ihnen nutzen kann...

HBDI Profil: Der Ursprung

Das HBDI geht ursprünglich auf die Hemisphärentheorie von Roger Sperry zurück. Sperry entdeckte, dass verschiedene Arten des Denkens und damit auch unterschiedliches Handeln, seinen Ursprung in verschiedenen Teilen des menschlichen Gehirns hat.

Kurz gesagt: Die linke Gehirnhälfte (linke Hemispäre) ist für logisches und kritisches Denken verantwortlich. Sie arbeitet sehr analytisch und rational. Die rechte Gehirnhälfte (rechte Hemispäre) hingegen ist für Kreativität zuständig. Sie verarbeitet Emotionen, Farben und Bilder.

Hemisphärentheorie Gehirnhälfte

Die Vier-Quadranten-Theorie

Auf der Grundlage der Forschungsergebnisse von Roger Sperry entwickelte der Amerikaner Ned Herrmann ein weiterführendes Modell. Neben der Gliederung in linke und rechte Hemisphäre fügte Herrmann noch eine weitere Unterteilung in eine obere und untere Ebene ein. Die obere Ebene spiegelt die gedankliche Verarbeitung von Informationen wider, während die untere für die gefühlsmäßige Verarbeitung verantwortlich ist.

Durch diese Einteilung entstanden bei Herrmann schließlich vier unterschiedliche Quadranten, die jeweils einen Denkstil repräsentieren. Die Ausprägungen dieser Denkstile sind bei jedem Menschen verschieden und entscheiden darüber, in welchen Bereichen die Stärken und Schwächen liegen.

  1. Das rationale Ich.

    Der erste Quadrant beschreibt den rationalen Denkstil. Ein stark ausgeprägtes rationales Ich zeigt sich beispielsweise in einem guten Zahlenverständnis und der Fähigkeit, analytische, logische und kritische Entscheidungen zu treffen.

  2. Das experimentelle Ich.

    Der zweite Quadrant ist die Heimat des experimentellen Ichs. Es steht für Kreativität, Neugier aber auch Risikofreude.

  3. Das organisatorische Ich.

    Der dritte Quadrant steht im Zeichen des organisatorischen Ichs. Es beschäftigt sich mit der strukturierten und detaillierten Planung und Organisation. Besonders planvolle, ordentliche und zuverlässige Menschen haben hier eine auffallend starke Ausprägung.

  4. Das fühlende Ich.

    Im vierten und letzten Quadranten stehen die Gefühle im Mittelpunkt. Ein ausgeprägt (mit)fühlendes Ich offenbart sich oft in emotionalen und expressiven Menschen, die aber zugleich mitfühlend, hilfsbereit und spirituell sein können.

Das Ergebnis könnte dann zum Beispiel so aussehen:

HBDI-Profil Analyse Beispiel

Das HBDI-Profil ist letztlich ein Analyseinstrument dieses Vier-Quadranten-Modells. Entwickelt wird es in der Regel mithilfe von 120 Fragen, die zeigen, wie stark die jeweilige Ausprägung innerhalb der vier einzelnen Quadranten ist.

Bei diesen Fragen geht es aber nicht um "richtig" oder "falsch". Die unterschiedlichen Denkstile werden nicht bewertet. Soll heißen: Die Ausprägungen der Denkstile einer Person sind nicht besser oder schlechter, als die einer anderen. Im Fokus steht einzig und allein die Erstellung eines persönlichen HBDI Profils.

HBDI Profil: So kann es Ihnen nutzen

Nach all der Theorie ist es nun endlich Zeit für die Praxis: Wie können Sie das HBDI für sich nutzen und was können Sie daraus lernen? Natürlich ist es von Vorteil zu wissen, wie das eigene Gehirn funktioniert, doch wie lässt sich dieses Wissen umsetzen? Die gute Nachricht: Grundsätzlich kann jeder vom Wissen über seine Denkstilpräferenzen profitieren.

Die schlechte Nachricht: Die Erstellung eines HBDI Profils erfordert einigen Aufwand. Doch zunächst zu den Vorteilen:

  1. Stärken und Schwächen erkennen.

    Der Hauptnutzen eines HBDI Profils ist natürlich die Verdeutlichung der eigenen Stärken und Schwächen. Die Methode macht deutlich und veranschaulicht auch durch die unterschiedlichen Farben der Quadranten, in welchen Bereichen Sie besonders stark sind und welche Fähigkeiten auf der anderen Seite weniger stark ausgeprägt sind. Dieses Wissen kann natürlich ein entscheidender Faktor beispielsweise bei der Studien- oder Berufswahl sein.

  2. Untereinander vergleichen.

    Damit ist selbstverständlich kein Wettbewerb gemeint, bei dem es darum geht, in einem Bereich eine höhere Ausprägung zu haben. Vielmehr geht es darum, Ihre Potenziale zu nutzen und Ihre Stärken gezielt einzusetzen. Sie könnten das Profil beispielsweise Ihrem Chef zeigen und mit ihm gemeinsam überlegen, welche Aufgaben am ehesten zu Ihren Stärken passen. Auch der Vergleich mit Kollegen kann zu effizienterem Arbeiten führen.

  3. Mehr Zufriedenheit erreichen.

    Letzlich kann ein HBDI Profil auch dabei helfen, mehr Zufriedenheit mit der eigenen Situation zu erreichen und insgesamt glücklicher zu werden. Möglicherweise stellen Sie durch die Analyse fest, dass Sie in einem Beruf arbeiten, der nicht Ihren Neigungen entspricht. So erhalten Sie die Chance, die nötigen Schritte einzuleiten, um sich mit Dingen zu befassen, die zu Ihrem Profil passen.

Kosten einer HBDI Analyse

Kosten einer HBDI AnalyseNun zum bereits oben angesprochenen Nachteil einer HBDI Analyse. Auch wenn der mögliche Nutzen eines professionellen HBDI Profils durchaus groß ist, sind damit leider auch hohe Kosten verbunden. So berechnet der Anbieter Herrmann International beispielsweise für ein komplettes Paket mit Erläuterungen und einem Expertengespräch zur Interpretation des Profils 335 Euro.

Definitiv ein stolzer Preis. Am Ende muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden, ob ihm diese Investition sinnvoll erscheint und das Geld wert ist. Es gibt schließlich auch Alternativen (siehe Liste unten).

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