Eine aktuelle Studie des Darmstädter Soziologen Michael Hartmann zeigt, dass sich in unserer Gesellschaft wenig geändert hat: Hartmann untersuchte die Lebensläufe von 6500 promovierten Juristen, Wirtschaftswissenschaftlern und Ingenieuren und kommt zu dem Ergebnis, dass die Chancen, einen Spitzenjob in der Wirtschaft zu ergattern, für Sprösslinge aus gutem Hause 8-mal größer sind als die Chancen von Arbeiterkindern mit vergleichbaren Noten und Qualifikationen.
Herkunft schlägt Leistung. Noch immer.
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Sich das Fachwissen der Eliten anzueignen ist noch relativ einfach, viel schwieriger ist es, Netzwerke aufzubauen und sich richtig zu entscheiden. Und das bringt einem auf Schulen und Universitäten keiner bei.
Jochen Mai
elite erkennen sich weniger am fachwissen. es sind vielmehr subtile verhaltensmuster, man könnte auch sagen benimmregeln, ebenso an der sprache, an vornamen (dazu gab es vor kurzem ein lesenswertes dossier in der ZEIT).
derherold
In der Tat wird auf Uni&Co. leider nicht das “Herrschaftswissen” vermittelt.
Der Erfolg und der Reiz der US-Ivy League liegt wohl weniger in der fachlichen Qualität des Studiums, als vielmehr in den Kontakten, die man sammelt – von Studentenverbindungen, Alumni-Netzwerken ganz zu schweigen.
Das mit dem Zeit-Dossier hört sich interessant an – ich vermute, daß Kevin, Keanu und Mandy-Chantal weniger Karriere-Korrelation aufweisen…
Jochen Mai
@herold: richtig. kevin, justin, jaqueline und chantal besetzen keine spitzenjobs, dafür aber ferdinand, hannah, maximilian oder marie-luise – so jedenfalls der tenor des dossiers.
derherold
“Irgendjemand” hat behauptet, daß der Drang in der (Ex-)DDR zu “fremdländischen” Vornamen – auch in der ver(ost)deutschen Form von Maik oder Madlen – auf Eskapismus zurückzuführen sei: man kam nicht “raus” und gab deshalb den Kindern “exotische” Namen.
In Westdeutschland hatte ich den Eindruck, daß hier der soziale Aufstieg nachgeahmt werden sollte, indem Kinder “modische” Namen erhielten.
Das Bildungsbürgertum war im übrigen “gesamt-deutsch” und auch Gewandhaus-Abobesitzer tauften ihre Kinder gerne auf Alexander und Franziska.
Man sollte sich nicht unbedingt über die o.g. untere Mittelschicht/Unterschicht lustig machen, allerdings sollte man seiner Freundin/LAV/Ehefrau dieses *Dossier* zeigen, damit der weibliche Hang zur “Namens-Kreativität” gebremst wird und Texas Blue Apple auf (Hollywood-)Schauspieler-Kinder beschränkt bleibt.
Simone Janson
Also davon abgesehen, dass die Namenssache m.E. kaum etwas mit Hartmanns Ergebnissen zu tun hat, wo es doch um so subtile Dinge wie Verhaltensmuster geht, an denen sich die Elite untereinander erkennt: nicht zwangsläufig macht man dadurch Karriere, wenn einem z.B. der eigene Antrieb fehlt, dafür hatte ich unlängst gerade ein schönes Beispiel. Aber sicherlich hat man es als , Arbeiterkind, das weiß ich aus eigener Erfahrung, schwerer, weil einem was einem ein gewisses Selbstverständnis fehlt. Allerdings kann man sich bestimmte Verhaltensmuster auch aneignen. Auch noch ein beachtenswerter Punkt ist, ob man überhaupt in eine Top-Position in die Wirtschaft willl – das hängt wahrscheinlich auch von der Erziehung ab. Davon abgesehen macht diese Elite-Erziehung auch nicht unbedingt glücklicher, das sehe ich bei einigen guten Freunden. Von daher…