Falls Ihnen heute vermehrt Frauen mit roten Handtaschen im Straßenbild auffallen – das ist kein modischer Trend! Vielmehr demonstrieren die Frauen mit diesem Symbol gegen die Ungleichbehandlung bei der Bezahlung im Job. Heute, am 23. März, ist der sogenannte Equal Pay Day (EPD). Er markiert jenen Tag im Jahr bis zu dem Frauen rein rechnerisch länger arbeiten müssen, um das Gehaltsniveau eines Mannes zu erreichen. Und die roten Handtaschen sollen ein Hinweis auf die roten Zahlen im Portemonnaie der Frauen sein.

Leider verdienen Frauen hierzulande noch immer durchschnittlich ganze 21,6 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Zu diesem Ergebnis kam erst kürzlich eine OECD-Studie. Danach ist das Lohngefälle zwischen Männern und Frauen in keinem anderen europäischen Land so groß wie in Deutschland. Der durchschnittliche Lohnunterschied in der OECD liegt bei 16 Prozent. Zum Vergleich: In Norwegen sind es nur 8,4 Prozent, in Belgien 8,9 Prozent, die Frauen schlechter bezahlt werden. Aber auch das sind knapp 9 skandalöse Prozent zu wenig.

Vergleicht man die Stundenlöhne ergibt sich ein ebenfalls beschämdendes Bild: Laut dem Statistischen Bundesamt verdiente ein Mann im Jahr 2008 durchschnittlich 18,90 Euro in der Stunde – eine Frau aber nur 14,51 Euro.

Warum das noch immer so ist? Experten nennen mehrere Gründe:

  • Frauen arbeiten überdurchschnittlich häufig im Niedriglohnsektor. Das erhöht schon statistisch die Lohnungleichheit.
  • Frauen wählen oft andere, schlechter bezahlte Berufe als Männer (trotz allem werden sie aber auch dort schlechter bezahlt als die Männer im selben Beruf).
  • Männer machen aber auch häufiger (bezahlte) Überstunden als Frauen.
  • Der Hauptgrund aber ist wohl, dass Frauen aufgrund von Kindern längere Elternzeit und oft danach noch Teilzeitjobs in Kauf nehmen, was ihre Gehaltsentwicklung gegenüber Männern deutlich bremst.

Laut Statistischem Bundesamt gibt es die größte Gehaltsschere bei unternehmensnahen Dienstleistungen (30 Prozent), dicht gefolgt vom im Kredit- und Versicherungsgewerbe (29 Prozent) und im Verarbeitenden Gewerbe (28 Prozent). Deutlich fairer wird in den Wirtschaftszweigen Bergbau (5 Prozent), Verkehr- und Nachrichtenübermittlung (9 Prozent) sowie im Gastgewerbe (13 Prozent) bezahlt. Allerdings arbeiten in diesen Wirtschaftszweigen aufsummiert nur 7 Prozent aller Frauen. In keinem Wirtschaftszweig verdienten Frauen im Durchschnitt mehr als Männer.

Es gibt allerdings auch Frauen, die sagen, die Frauen sind an dieser Misere selber schuld. Das ist provokant, gewiss. Hilft aber einmal mehr, sich das Problem bewusst zu machen – auch wenn es sich seit Jahren – ärgerlicherweise – hartnäckig hält.