Die Regel ist vielleicht nicht wissenschaftlich verbürgt, trotzdem bewahrheitet sie sich immer wieder in der Praxis: Alles, was man sich vornimmt, sollte man auch innerhalb von 72 Stunden beginnen, sonst sinkt die Chance, dass man das jemals realisiert, auf ein Prozent. 72-Stunden-Regel nennen Profis das. Schuld daran ist aber nicht die typische Marotte des Prokrastinierens, kurz: Aufschieberitis, sondern meist auch mangelnde Entschlossenheit. Wer sich einer Sache ganz verschreibt, mit Herzblut und Leidenschaft, der will damit loslegen. Und der erste Schritt ist dabei nun mal der Entscheidende. Sonst bleibt es eben nur beim Vorsatz und dem “Morgen, morgen, nur nicht heute” – wie es Chima in seinem aktuellen Song “Morgen” auch plastisch beschreibt.
Interessant in dem Zusammenhang finde ich das Paradoxon, das jedem Aufschieben innewohnt: Tatsächlich versuchen wir beim Prokrastinieren ja eine Art Abkürzung zu gehen. Da gibt es eine Aufgabe, aber sie kostet uns viel emotionale Energie und Überwindung. Aufschieben ist da wesentlich einfacher, effizienter, meinen wir. Zumal wir uns dabei oft noch suggerieren, dass uns die Aufgabe später wesentlich leichter fallen wird. Aber: Bei dem Versuch, es uns leichter zu machen, machen wir es uns tatsächlich oft schwerer. Wir sparen vielleicht jetzt etwas Energie, drücken uns vor Verantwortung – aber das hat Konsequenzen. Es zehrt trotzdem an unseren Ressourcen, weil wir hinterher umso härter nachholen müssen, was wir vorher aufgeschoben haben.
Auch dafür gibt es einen Namen: den Depletion-Effekt (deplete, engl. abbauen, aufbrauchen, erschöpfen). Klar, ist eigentlich unnützes Wissen. Hilft aber prima dabei, Dinge weiter aufzuschieben…
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Anne Kewitsch
Hallo Jochen,
Super, das Lied zu dem Blog. Es ist auch noch eine gute Nummer.
Viele Grüße
Anne Kewitsch
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