Hidden-Champion-Unternehmen-KMU-gruene-Wiese

Ein Gastbeitrag von Thomas Geis

Absolventen aus dem kaufmännischen oder technischen Umfeld (Ingenieure, IT-Experten) befinden sich heute oft in der komfortablen Situation, sich zwischen mehreren lukrativen Jobangeboten entscheiden zu können. Die Unternehmen hingegen stehen vor der Herausforderung, sich bei diesen Hochqualifizierten regelrecht bewerben zu müssen. Gar nicht so leicht, schließlich wollen die Umworbenen nicht nur von Aufstiegschancen, monetären und nicht monetären Anreizen und einem positiven Arbeitgeberimage profitieren. Meist sind die Unternehmensgröße, der Markenname, das Image sowie der Standort des Unternehmens bei der Entscheidung das Zünglein an der Waage...

Lage, Lage, Lage

Das Hauptproblem: Den Nachwuchs zieht es vor allem in die Ballungsgebiete und Stadtzentren. Zudem spielt die Arbeit im Leben der Generation Y nicht mehr die Hauptrolle, auch die Freizeitangebote sind bei der Standort- und Wohnortwahl entscheidend: Kultur, Sport, vielfältige Restaurants und Bars aber auch Car Sharing und ein ausgebautes öffentliches Nahverkehrsnetz locken in die Metropolen.

Unternehmen, die direkt in oder nah an den Ballungszentren angesiedelt sind, haben hier einen klaren Vorteil.

Der Rest hat ein Problem.

Noch herausfordernder wird es, wenn das Unternehmen klein und seine Produkte weitgehend unbekannt sind. Dabei sollten sich kleinere und mittelständische Unternehmen ihrer Stärken bewusst sein:

  • Flachere Hierarchien
  • Frühe Verantwortung
  • Geringe Bürokratie
  • Kurze Abstimmungswege
  • Schnelle Weiterentwicklung

Das sind Argumente, die vielen Absolventen in großen Konzernen nicht geboten werden können.

Und was viele vergessen: Die meisten Weltmarktführer kommen aus dem Mittelstand.

Zugegeben, die sitzen zwar teils auf der Schwäbischen Alb, im Sauerland oder im Westerwald. Dafür sind die sogenannten Hidden Champions hochspezialisiert, innovativ und global agieren und meist wirtschaftlich bestens aufgestellt sind.

Aber macht das die Lage im ländlichen Grün wett? Meistens nicht...

Employer Branding mit überzeugender Kultur

Natürlich können Unternehmen, die in ländlichen Regionen angesiedelt sind, nicht mal eben ihren Firmensitz in die Metropole verlegen, um damit als Arbeitgeber attraktiver zu werden. Sie können aber etwas anderes tun: eine Unternehmenskultur gestalten und leben, in der die Firma nicht nur als reiner Arbeitsplatz, sondern als Teil des sozialen Lebens der Mitarbeiter verstanden wird.

  • Haben Sie zum Beispiel schon daran gedacht, zusätzlich dem Partner der dringend gesuchten Fachkraft eine Stelle anzubieten oder diese Position über einen Personalberater suchen zu lassen?
  • Oder Sie offerieren und bezuschussen einen KITA-Platz.
  • Oder einen Dienst- und Privatwagen-Service.
  • Gratis-Sportangebote und -hallen für Mitarbeiter.

Zudem sind in ländlichen Regionen die Lebenshaltungskosten und Immobilienpreise oft niedriger. Unter dem Strich bleibt also mehr für die Arbeitnehmer - das eigene Haus mit Garten rückt in greifbare Nähe.

Alles Argumente, die gesuchte Fachkräfte ins Grüne locken können.

Allerdings reicht es nicht, solche Angebote allein zu schaffen. Sie müssen diese auch aktiv kommunizieren und als festen Bestandteil der Arbeitgebermarke etablieren. Auf den Nachwuchs gezielt zuzugehen, erleichtert nicht nur die anschließenden Viraleffekte, sondern auch die Kandidatensuche: Persönliche Gespräche auf Karrieremessen oder bei Informationstagen an Hochschulen sowie strategisches Employer Branding im Internet bieten die Chance, mit potenziellen Fachkräften in Kontakt zu treten und diese für das Unternehmen zu begeistern.

Über den Autor

Thomas GeisThomas Geis, 37, leitet das Stuttgarter Büro der internationalen Personalberatung Michael Page und weiß um die Bedürfnisse der mittelständischen Unternehmen und Hidden Champions, die in Baden-Württemberg angesiedelt sind.

[Bildnachweis: Robert Kneschke by Shutterstock.com]