Hilfsbereitschaft: Ist der Nette der Dumme?
Dem Kollegen anbieten, eine Schicht mit ihm zu tauschen, damit dieser zum Theaterstück seiner Tochter gehen kann, eine Aufgabe übernehmen, die ein Kollege nicht schafft, auch wenn es für Sie Überstunden bedeutet oder einer älteren Dame anbieten, ihre schweren Tüten bis zur Haustür zu tragen - Hilfsbereitschaft ist eine nicht zu unterschätzende Eigenschaft. Immer wieder taucht in diesem Zusammenhang allerdings die Frage auf, ob der Nette gleichzeitig auch der Dumme ist. Wo die Gefahren der Hilfsbereitschaft liegen, was dran ist an der These des dummen Hilfsbereiten und ob Sie von Ihrer Hilfsbereitschaft vielleicht sogar profitieren können...

Hilfsbereitschaft Definition: Es geht nicht um die eigene Person

Hilfsbereitschaft ist die vielleicht uneigennützigste Eigenschaft, die ein Mensch haben kann. Dies zeigt sich bereits in der Definition des Begriffs. So konzentriert sich Hilfsbereitschaft darauf, ein erkanntes Problem, einen Mangel oder eine Situation zu verbessern - und zwar ohne dabei an den eigenen Nutzen zu denken oder eine Gegenleistung zu erwarten.

Aber muss ein hilfsbereiter Mensch auch akzeptieren, dass er durch seine gut gemeinten Taten möglicherweise selbst schlechter gestellt wird? Im Beispiel der älteren Dame, deren Tüten Sie tragen, mag diese Frage noch keine Rolle spielen.

Doch wie verhält es sich, wenn Sie Überstunden und zusätzliche Aufgaben übernehmen? Ist dies noch Hilfsbereitschaft oder bereits Selbstaufopferung? Grundsätzlich gilt: Hilfsbereitschaft erfordert immer, etwas zu opfern. Dies kann die eigene Zeit, aber auch Energie oder in manchen Fällen Geld sein. Ob es sich bereits um Selbstaufopferung handelt, hängt dann davon ab, welches Ausmaß die Hilfsbereitschaft annimmt.

Hilfsbereitschaft: Welche Gefahren birgt sie?

Die Bedürfnisse anderer über die eigenen stellen, ein offenes Ohr für Probleme haben und auch in schwierigen Zeiten mit Rat und Tat zur Seite stehen - Hilfsbereitschaft umfasst eine Vielzahl von positiven Handlungen.

Allerdings lockt ein solches Verhalten immer auch diejenigen an, die nur auf das eigene Wohl bedacht sind. Wenn hilfsbereite Personen als Geber bezeichnet werden, nehmen diese den Platz der Nehmer ein. Denn auch wenn Hilfsbereitschaft gut gemeint ist, birgt sie doch auch Gefahren.

  • Ausgenutzt werden. Die bereits angesprochenen Nehmer versuchen gerne, die Hilfsbereitschaft anderer Personen auszunutzen. Getreu dem Motto: Mit ihm kann man es ja machen, werden besonders gerne unliebsame Aufgaben auf den Geber abgeladen und dessen Hilfsbereitschaft bis zum Maximum ausgereizt.
  • Sich selbst überfordern. Seinen Mitmenschen zu helfen, ist löblich, doch allzu oft werden dabei die eigenen Grenzen überschritten. Die Folgen können dabei von kurzfristiger Überarbeitung und Stress bis zu einem Burnout reichen, wenn der Fall besonders schwer ist.

So schützen Sie sich vor den Gefahren der Hilfsbereitschaft

Gefahren der HilfsbereitschaftGlücklicherweise sind die Gefahren eher die Ausnahme und nicht die Regel und Schmarotzer entlarven sich meist selbst in relativ kurzer Zeit. Trotzdem sollten hilfsbereite Menschen sich der Gefahren bewusst sein. Zusätzlich kann das richtige Verhalten dabei helfen, sich zu schützen.

  • Bleiben Sie aufmerksam. Ist es immer wieder ein und derselbe Kollege, der Ihre Hilfsbereitschaft benötigt? Möglicherweise ist dieser Kollege wirklich stark überfordert - oder er versucht Sie auszunutzen. Bleiben Sie aufmerksam und lassen Sie sich nicht hinters Licht führen.
  • Achten Sie auf sich selbst. Bevor Sie jemand anderem zur Hilfe kommen, fragen Sie sich zuerst: Schaffe ich das auch? Die besten Absichten bringen nichts, wenn Sie sich regelmäßig selbst an die Grenze Ihrer Belastbarkeit treiben.
  • Bieten Sie Hilfe zur Selbsthilfe. Ein guter Weg, um den Gefahren aus dem Weg zu gehen, ist die sogenannte Hilfe zur Selbsthilfe. Soll heißen: Anstatt dem Kollegen immer die Aufgaben abzunehmen, zeigen Sie ihm, wie er diese in Zukunft selbst bewältigen kann, ohne dabei viele Überstunden machen zu müssen.

Hilfsbereitschaft: Ist der Nette der Dumme?

Hilfsbereitschaft ist eine positive und wünschenswerte Eigenschaft, darüber bestehen wohl keine zwei Meinungen. Dennoch erscheint es vielen so, als wäre der Nette auch der Dumme. Er übernimmt die unbeliebte Schicht am Wochenende, bleibt länger im Büro, um dem Kollegen zu helfen oder nimmt auch mal den Wutanfall des Chefs in Kauf, obwohl er nichts dafür kann. Kurz gesagt: Hilfsbereitschaft scheint nicht nur uneigennützig zu sein, sondern auch in hohem Maße undankbar.

Dies ist auch ein Grund dafür, warum viele vor Hilfsbereitschaft zurückschrecken, sich lieber raushalten und sich in erster Linie um die eigenen Dinge kümmern. Mit den eigenen Problemen und Sorgen haben die meisten bereits genug zu tun, jeder hat bekanntlich sein Päckchen zu tragen. Da bleibt oft wenig Kraft und leider auch wenig Lust, um noch anderen unter die Arme zu greifen.

Aber schadet man sich durch Hilfsbereitschaft tatsächlich selbst und steht anschließend als der Dumme da? Kurzfristig mag es sich in manchen Fällen so anfühlen. Man legt sich ins Zeug, steckt vielleicht selbst sogar zurück, um anderen zu helfen und hat am Ende eine Menge Stress und Ärger.

Doch je länger die Zeitspanne wird, desto mehr wandelt sich das Bild. Langfristig ist der Nette nicht der Dumme. Vielmehr profitiert er sogar von seiner früheren Hilfsbereitschaft - und zwar gleich mehrfach:

  1. Es entsteht ein besserer Ruf

    Hilfsbereitschaft spricht sich schnell herum. Das kann wie bereits erwähnt auch gefährlich sein, doch ein guter Ruf ist Ihnen auf diesem Weg so gut wie sicher. Auch den Kollegen, denen Sie geholfen haben, werden Sie positiv in Erinnerung bleiben. Diese beruflichen Kontakte können Ihnen während Ihrer weiteren Karriere noch behilflich sein. Vielleicht öffnet sich auf diese Weise sogar die Tür in eine höhere Position.

  2. Neue Fähigkeiten werden erlernt

    In erster Linie wird jemand anderem geholfen, doch nebenbei eignet sich auch der Hilfsbereite neue Fähigkeiten an. Das können beispielsweise ein besseres Zeitmanagement sein oder vielleicht schnuppert er bei seiner Hilfe in ein neues Themengebiet und sammelt erste Erfahrungen. Wer anderen dabei hilft, ihre Probleme zu lösen, lernt immer etwas dazu und wird ganz automatisch auch besser darin, seine eigenen zu lösen.

  3. Die Motivation wird größer

    Das Gefühl, anderen helfen zu können, kann auch für einen Motivationsschub sorgen, der die Leistungen im Job noch weiter verbessert. Die Ursache hierfür ist der Gedanke, dass die eigenen Handlungen einem anderen helfen können, dass die eigene Arbeit also einen wirklichen Sinn erfüllt und etwas bewegt.

Hilfsbereitschaft: Welche Faktoren sind entscheidend?

Welche Faktoren beeinflussen, ob ein Mensch bereit ist, einem anderen zu helfen? Auf der einen Seite natürlich der Charakter. Manch einer ist empathischer und damit empfänglicher für die Probleme seiner Umwelt. Andere laufen mit Scheuklappen durch die Welt und nehmen außer sich selbst kaum etwas wahr.

Darüber hinaus spielt auch das Verhältnis zwischen zwei Personen eine Rolle. Viele Menschen neigen eher dazu, den Menschen zu helfen, die sie bereits kennen, mit denen sie befreundet sind oder zusammen arbeiten. Diese soziale Bindung fördert Hilfsbereitschaft, während fremden Menschen nur selten Hilfe angeboten und entgegengebracht wird.

Beim Thema Hilfsbereitschaft stellt jedoch ein weiterer Faktor alles andere in den Schatten und ist maßgeblich an der Entscheidung beteiligt, ob wir einem Mitmenschen helfen: die Zeit.

Psychologen von der Universität Princeton belegten diesen Zusammenhang in einem Experiment mit Studenten. Das Ergebnis: Unter Zeitdruck zeigten nur 10 Prozent der Probanden Hilfsbereitschaft. Ohne die Zeit im Nacken zu haben, waren es ganze 45 Prozent.

Hilfsbereitschaft Sprüche: Die besten Zitate

  • In unserer Welt ist niemand ein Versager, der einem anderen seine Bürde erleichtert. Charles Dickens
  • Wer eine Not erblickt und wartet, bis er um Hilfe gebeten wird, ist ebenso schlecht, als ob er sie verweigert hätte. Dante Alighieri
  • Gewöhnlich haben die Menschen den guten Willen zu helfen nur bis zu dem Augenblick, da sie es könnten. Luc de Clapiers, Marquis de Vauvenargues
  • Wenn jeder dem anderen helfen wollte, wäre allen geholfen. Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach
  • Jeder überschätzt seinen Wohltätigkeitssinn. Emanuel Wertheimer
  • Hilfsbereitschaft ist eine Tugend, die nicht immer belohnt wird und trotzdem Sinn macht. Franz Schmidberger

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