Sie haben sich endgültig entschieden den Job zu wechseln, Ihre neue Stelle ist einfach zu verlockend und Sie freuen sich schon auf Ihre neue Aufgabe. Herzlichen Glückwunsch! Doch ein Schritt fehlt noch: Die Kündigung bei Ihrem bisherigen Arbeitgeber. Das klingt auf den ersten Blick einfach, ist es jedoch nicht. Denn gerade am Schluss passieren viele Fehler, die ein bisher gutes Verhältnis mit Ihren Kollegen und Ihrem Vorgesetzten belasten können. Daher sollten Sie auch bei Ihrer Kündigung und in der Zeit danach einige Dinge beachten.
So kündigen Sie richtig
Unabhängig davon, wie gut oder schlecht Ihr Verhältnis zu Ihrem Chef war, er sollte der einer der ersten sein, der von Ihrer Kündigung erfährt. Bitte übergeben Sie ihm Ihrer Kündigung persönlich, per Post wirkt es so, als wollten Sie dem Gespräch aus dem Weg gehen. Und das funktioniert sowieso nicht, denn Ihr Chef wird Sie garantiert darauf ansprechen. Neben Ihrem Vorgesetzten informieren Sie bitte auch den Kollegen oder die Kollegin, die ursprünglich den Kontakt zum Unternehmen hergestellt und Sie vielleicht sogar empfohlen hat. Denn diese Person hat zuerst Vertrauen in Sie gesetzt, da ist es nur fair, sie auch zuerst zu informieren. Auch Ihre Kollegen sollten es von Ihnen und nicht über den firmeninternen Buschfunk erfahren, aber eben erst nach Ihren Vorgesetzten.
Auf die Frage nach dem Grund für Ihre Kündigung müssen Sie gefasst sein, doch bei Ihrer Antwort gilt: Egal, was die wahren Gründe sind, Sie bleiben positiv. Die neue Stelle war einfach reizvoller und bietet Ihnen eine Herausforderung. Klar, Sie haben bereits gekündigt, rausschmeißen kann die Firma Sie also nicht mehr. Aber Sie können etwas sehr wichtiges verlieren: Ihren guten Ruf und Ihre Reputation. Denn Sie wissen einfach nicht, ob Sie Ihren aktuellen Arbeitgeber irgendwann als Referenz brauchen können.
Die Zeit danach
Zwischen Kündigung und letztem Arbeitstag liegen oft einige Wochen, in denen Sie noch in der Firma arbeiten. Diese Wochen sind entscheidend dafür, wie Sie bei Ihren Kollegen und Vorgesetzten in Erinnerung bleiben. Schließen Sie alle Projekte und Aufgaben sorgfältig ab und arbeiten Sie Ihren Nachfolger gewissenhaft ein. Nehmen Sie sich vor allem Zeit dafür, Ihr Büro und Ihren Computer aufzuräumen und von allen privaten oder kritischen Unterlagen zu säubern. Hinterlassen Sie auf keinen Fall offene Baustellen, die Probleme verursachen könnten. Dann können Sie auch beruhigt gehen.
Nach Ihrer Kündigung kann es Ihnen durchaus passieren, dass Ihre Ideen und Vorschläge innerhalb des Teams oder der Abteilung auf einmal weniger Gewicht haben und Kollegen Sie auch deutlich weniger nach Ihrer Meinung fragen. Machen Sie sich bitte keine Gedanken, dieses Verhalten ist völlig normal. Die Kollegen wissen ganz einfach, dass Sie bei der Umsetzung Ihrer Vorschläge nicht mehr anwesend sein werden und die Arbeit daher von den Kollegen zu leisten sein wird. Daher halten sich alle eher zurück.
Der letzte Arbeitstag
Die obligatorische Abschiedsfeier sollten Sie idealerweise schon etwas früher ausrichten, am letzten Arbeitstag werden oft noch Gespräche geführt, dafür sollten Sie sich Zeit nehmen. Auch eine Abschieds-E-Mail oder ein Abschiedsschreiben gehören zum guten Ton, es war sicher nicht alles schlecht, heben Sie die positiven Aspekte der gemeinsamen Arbeit hervor. Im Grunde ist eine richtige Kündigung recht einfach: Kündigen Sie so, wie Sie es sich von einem guten Kollegen wünschen würden. Dazu gehört dann auch ein Besuch nach einigen Wochen bei den alten Kollegen.
Die Serie rund um den Jobwechsel
Dieser Artikel gehört zu einer fünfteiligen Reihe rund um das Thema Jobwechsel. Bisher sind in dieser Reihe folgende andere Artikel erschienen.







Frank Baumann
Ja, das sehe ich leider nicht so. Genau so werden nämlich die Horden rückrad- und konturenloser “Sklaven” produziert, die in den Büros umhergeistern. Immer Acht geben was man sagt, denn es könnte ja irgendwann einmal vom neuen Chef gegen einen verwendet werden. Immer schööön positiv und weichgespült bleiben.
Ein graus und meiner Meinung nach ist das nur eines – armseelig. Ich würde es als Niederlage ansehen, wenn ein Mitarbeiter meine Firma auf diese Weise verlässt.
Das hilft weder dem Scheidenen, noch dem Unternehmer – sofern dieser wirklich an Verbesserungen interessiert ist. Negative Kritik muss offen und auch mit all den menschlichen Emotionen ausgedrückt werden, sofern wir im zivilisierten Rahmen bleiben und die Kettensäge im Schuppen bleibt. Nur dann wird sie ehrlich. Wird dies so praktiziert, dann läufts auch zwischen Chef und Partner (Angestellte) – weil wir als Mensch authentisch bleiben.
Jochen Mai
Ich glaube, du verwechselst da was: Gegen konstruktives Feedback hat niemand etwas. Aber dafür gibt es geeignete und ungeeignete Räume. Und beim Abschied den Kollegen und dem Chef noch mal einen einzuschenken, ist definitiv ungeeignet – stillos sowieso. Und es macht den Scheidenden klein, denn der hat offenbar so ein mickriges Ego, dass er mit dem Fuß in der Tür noch mal schnell mit allen abrechnen und ihnen sagen muss, wie $(#€!§§€ sie sind… So jemand ist kein konturhafter Freier, sondern ein armseliger Nachtreter.
Nein, wer Niveau beweisen will, findet beim Abschied nur positive Worte und Dank. Die konstruktive Kriitik hat man idealerweise vorher, im Vier-Augen-Gespräch schon hinterlegt.
calceola
Wenn man kündigt, gibt es gute Gründe und nicht alle müssen damit zusammen hängen, das die alte Arbeitsstelle schrecklich war. Wenn dem so ist, frage ich mich warum man dort geblieben ist. Wahrscheinlich aus Feigheit vor dem Neuen, was wiederum bedeutet, die neue Arbeitsstelle ist als das kleinere Übel gewählt worden. Mitarbeiter die so denken/handeln können sich verabscheiden wie sie wollen, es ist dem Chef im Grunde egal.
Die guten Mitarbeiter die sich nach langem ringen eine neue Herausforderung gesucht haben und deswegen kündigen, haben vorher schon häufig konstruktive Kritik geäussert ob das jemandem gepasst hat oder auch nicht. Diese können sich dann entspannt und gelassen verabschieden und der alten Firma nur das Beste wünschen, wissend dass es in der Firma so bleibt oder auch nicht.
Wenn man in der Zeit vor der Kündigung nicht seine Meinung gesagt hat, braucht man auch nicht am letzten Tag auf den Putz hauen.
Frank Baumann
Lieber Jochen, ich denke die Positionen sind beiderseitig gut beschrieben. Allerdings beziehst dich auf eine “normale” Arbeitssituation mit den üblichen Problemchen, ich mich hingegen auf das dargestellte Szenario aus Teil 1. Hier litten und leidet der scheidende MA und die verbliebenen Kollegen offensichtlich lange unter den beklagenswerten Umständen. Die von dir angemessen beschriebene, konstruktive Kritik, die man idealerweise vorher, im Vier-Augen-Gespräch schon hinterlegt hat, ist gewiss auch in diesem Falle, leider aber offensichtlich fruchtlos verlaufen, was mich nicht überrascht, wenn gerade charakterliche Defizite das Führungspersonal auszeichnen.
Einen arroganten und schnöseligen Beigeschmack bekommt die Diskussion für mich aber leider dadurch, wenn jemand definiert was Niveau- und Stillos ist und seine Position unter diesem Deckmäntelchen meint unangreifbar zu platzieren.
Jochen Mai
Lieber Frank, auch das sehe ich anders. Selbst wenn im Vorfeld einiges kritisiert wurde und dennoch fruchtlos geblieben ist, ist der Abschied nicht der Zeitpunkt für eine Abrechnung. Ich bleibe dabei: Das ist stillos. Zumal egoistisch. Du vergisst dabei nämlich die “Hintergliebenen”. Wie fühlen sich die Ex-Kollegen wohl, wenn man ihnen auf diese Weise noch einmal deutlich zu spüren gibt, dass man es selbst zwar künftig besser haben wird (weil man endlich geht) – sie aber weiterhin in diesem Laden arbeiten müssen? Und überhaupt: Was soll diese Abrechnung bewirken? Diverse Diskussionen vorher sind schon fruchtlos geblieben, erwartest du dann am Schluss die plötzliche Einsicht – erst recht, wenn sie so platziert und präsentiert wird? Wohl kaum. Nein, diese Abrechnung verfolgt nur einen einzigen (egoistischen) Zweck: Späte Genugtuung bzw. es dem oder den Peinigern noch einmal richtig mitzugeben. Und das hat eben kein Niveau (oder findest du Rache niveauvoll?), und es spricht auch nicht gerade für die Souveränität des scheidenden Mitarbeiters: Hat der eine solche Ventilierung von Wut wirklich noch so nötig?
Einen faden Beigeschmack hat übrigens auch dein Kommentar. Denn was du mir vorwirfst, tust du selbst: Eingangs, indem du den Autor für seine Haltung als “weichgespült” und “armselig” abstempelst. Und nun wirst du mir gegenüber gar persönlich und bezeichnest mich als arroganten Schnösel – wenn auch indirekt, aber so war es gemeint. Und da musst du dich schon fragen lassen: Wieviel Niveau hat das eigentlich, wenn man andere für etwas kritisiert, was man selbst noch mehr macht?