fireexitWenn es um Smalltalk geht, finden viele schon den Einstieg enorm schwer: auf einen fremden Menschen zugehen, ihn ansprechen, einen intelligenten aber harmlosen Dialog beginnen – furchtbar! Was aber, wenn Sie diese Hürde genommen haben, nur um herauszufinden, dass ihr Gegenüber der falsche Ansprechpartner ist? Oder schlimmer: ein Langeweiler?!

In einer solchen Konversation elegant den Notausgang zu finden, ist zuweilen schwerer als einen sinnigen Einstieg. Entweder, weil viele versuchen höflich zu bleiben, es an Gesprächsalternativen fehlt oder sie schlicht Angst vor den Konsequenzen haben: Schließlich könnte der andere den sermon interruptus persönlich und übel nehmen. Außerdem begegnet man sich stets zweimal im Leben.


Natürlich ist es weder nett noch zeugt es von Kultiviertheit, den anderen spüren zu lassen, was für Konversationsvakuum er darstellt und dass man lieber eine Wurzelbehandlung beim Zahnarzt hätte als sich mit ihm weiter zu unterhalten. Muss man aber auch nicht. Egal, in welcher Situation Sie stecken – es gibt gewandtere Ausstiege. Diese zum Beispiel:

  • Entschuldigen Die einfachste Methode ist noch immer die beste: Entschuldigen Sie sich, dass Sie gerne auch noch mit anderen Gästen plaudern würden. Natürlich nicht gleich nach den ersten 30 Sekunden. Ein, zwei Takte sollten Sie mit Ihrem Gegenüber schon sprechen. Wichtig ist nur: Verzichten Sie auf jedwede Begründung. Die wirkt immer wie ein Schuldbekenntnis. Besser: Nennen Sie einen konkreten Namen mit wem Sie noch reden wollen.
  • Versprechen Wenn Sie nicht möchten, dass Ihr Abgang allzu abrupt ausfällt, können Sie demjenigen auch ein Versprechen geben, etwa: „Ich würde mich freuen, wenn wir in Kontakt blieben. Wenn Sie mir Ihre Karte geben, melde ich mich bei Ihnen…“ Natürlich sollten Sie das dann auch tun. Andernfalls sind Sie wortbrüchig und Ihr Gegenüber wird die Geste im Nachhinein (zurecht) als Abbügelei interpretieren. Die Alternative ist, dem anderen Ihre Karte zu geben und ihm vorzuschlagen, er möge sich melden. Im Zweifel haben Sie später eben gerade keine Zeit.
  • Vorstellen Noch eleganter können Sie sich aus der Affäre stehlen, indem Sie Ihrem Gegenüber einen alternativen Gesprächspartner vorstellen und beide miteinander bekannt machen. Charmanterweise ist das nicht irgendwer (sonst wird der sich anschließend bei Ihnen bedanken), sondern jemand, von dem Sie glauben (oder wissen), dass er mit Ihrem bisherigen Gesprächsgenossen harmoniert. Womöglich, weil beide ein gemeinsames Interesse haben.
  • Retten Für Schauspieltalente eignet sich die Methode Überraschungsgast: Merken Sie unvermittelt auf und stellen Sie auf dramaturgisch hohem Niveau fest, dass gerade jemand gekommen ist, mit dem Sie unbedingt sprechen müssen – „eine wirklich wichtige Sache…“. Bitten Sie um Verständnis und weg sind Sie. Nicht gerade eine 6,0 in Sachen Höflichkeit, aber wenigstens ein guter Grund. Für Gentleman mit weiblicher Begleitung gibt es zudem die Variante Held: „Ich sehe gerade, meine Partnerin/Freundin/Frau steckt in Schwierigkeiten. Bitte entschuldigen Sie mich, Sie gab mir ein Signal, sie aus der Situation zu retten…“
  • Irritieren Nur weil Sie ausgerechnet an einen vielsagenden Profilneurotiker geraten sind, heißt das noch lange nicht, dass Sie keinen Spaß mit ihm haben dürfen. Verunsichern Sie ihn, indem Sie ihn immer wieder unterbrechen, um gleich darauf völlig aus der Luft gegriffene Anekdoten zu erzählen, Motto: „Das erinnert mich an meinen letzten Mallorca-Urlaub…“ Oder stellen Sie regelmäßig Rückfragen bei denen Sie ihn kategorisch missverstehen. Schon bald wird er derjenige sein, der das Gespräch nur allzu gerne beenden wird.
  • Thema wechseln Gut, der Typ ist langweilig und hat Superkleber zwischen den Zähnen. Dann wechseln Sie das Thema! Und zwar möglichst hörbar zu einem Inhalt, der Ihre Nachbarn interessieren könnte. Wenn Sie Glück haben, beteiligen sich an dem Gespräch schon bald Leute in Ihrer Nähe, denen Sie sich daraufhin intensiver widmen können.
  • Zirkulieren Wenn nichts davon klappt, hilft entwaffnende Ehrlichkeit. Sollten Sie an einen Zeitgenossen mit Maulsperre geraten, dann suchen Sie nicht länger Worte, sondern das Weite. Prosten Sie ihm zu und sagen Sie: „Ich glaube, es wird von uns erwartet, dass wir auf dieser Party zirkulieren.“ Und tschüss!