Ich kann nicht mehr
Wer über einen längeren Zeitraum unzufrieden ist, kommt irgendwann an einen Punkt, an dem er sagt "Ich kann nicht mehr." Die Batterien sind leer, die Belastungen wachsen derweil weiter und über den Kopf. Immer nur durchzubeißen, aufstehen, weitermachen, retten - das hält auch der Stärkste nicht aus. Schon diese Erkenntnis ist schwierig und nicht selten auch schmerzhaft. Doch wie heißt es so schön: Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung. Wer sich eingesteht, dass er oder sie so nicht mehr weiter machen kann, hat die Möglichkeit, einen ganz neuen und besseren Weg einzuschlagen...

Erschöpfung bis zur Belastungsgrenze

Die Entwicklungen der letzten Jahre sind Grund zur Beunruhigung. Die Krankentage in den Unternehmen steigen, und immer mehr Arbeitnehmer haben Probleme, mit den ständig wachsenden Anforderungen mitzuhalten. Ein gefährlicher Trend, der leider nicht auf bestimmte Branchen oder Arbeitgeber begrenzt ist, sondern sich durch die gesamte Arbeitswelt zieht.

Der Job wird mehr und mehr zum Lebensmittelpunkt, nach dem sich alles andere richtet. Offensichtlich wird dies vor allem an der geringen Freizeit, mit der viele Beschäftigte inzwischen auskommen müssen. Mit acht Stunden täglich kommen längst nicht alle aus, Überstunden gehören zum Alltag, und nach Feierabend fehlt dann oft jegliche Energie und Lust, um noch irgendetwas zu unternehmen.

Ein Hamsterrad, in dem viele feststecken - bis der Druck, der Stress und die pausenlose Überforderung einen über die Belastungsgrenze hinaus treiben.

Selbst flexible Arbeitszeitmodelle, die Arbeitnehmern eigentlich helfen sollen, sind häufig kein Teil der Lösung, sondern Teil des Problems. Häufig verschwimmen hierbei die Grenzen zwischen Arbeitszeit und Privatleben. Work-Life-Blending wird das in der Fachsprache genannt.

Nicht selten sind es die Strukturen und Erwartungen in Unternehmen, die zum Ich-kann-nicht-mehr der Mitarbeiter führen, allerdings liegt es dann am Arbeitnehmer, eine Lösung zu finden und diese umzusetzen - auf die Hilfe vom Chef warten viele vergeblich.

Ich kann nicht mehr: Wie kann es dazu kommen?

Haben Sie einmal Ihren persönlichen Ich-kann-nicht-mehr-Moment erreicht, stellt dieser meist das Ende eines anstrengenden Prozesses dar. Es ist der Tropfen, der das Fass zum überlaufen bringt, aber im Vorfeld muss sich bereits eine ganze Menge Frust angestaut haben.

Die Symptome und Zeichen, dass Sie an einem Punkt angelangt sind, an dem es für Sie nicht mehr weiter geht, können dabei sehr unterschiedlich sein. Für manche ist es wirklich fehlende Energie, man kann sich einfach nicht mehr aufraffen. Dies ist beispielsweise oft der Fall, wenn ein Arbeitgeber oder ein Job so unglücklich macht, dass man einfach nur noch kündigen will. Hier ist die Grenze zwischen einem Ich kann nicht mehr und einem Burnout sehr knapp bemessen.

Dass Sie mit der Situation nicht mehr zurecht kommen, kann sich aber auch in emotionalen Ausbrüchen zeigen. Das kann Wut sein, die sich durchaus lautstark Luft machen kann, aber auch Trauer und tränenreiche Ausbrüche können zeigen, dass Sie nicht mehr einfach wie bisher weiter machen können und sollten.

Es stellt sich aber auch die Frage: Wie kann es überhaupt soweit kommen und welche Gründe sind dafür verantwortlich, dass ein Mensch so sehr an seine persönlichen Grenzen gebracht wurde, dass er freiwillig die Reißleine zieht und sich für eine große Veränderung entscheidet? Möglichkeiten gibt es viele.

  • Sie sind unzufrieden und wollen endlich etwas daran ändern.
  • Sie haben sich über einen langen Zeitraum verausgabt.
  • Sie wurden in eine bestimmte Richtung gedrängt.
  • Sie bereuen Entscheidungen, die Sie früher getroffen haben.
  • Ihre Prioritäten oder Ziele haben sich geändert und Sie entwickeln sich in die falsche Richtung.
  • Sie haben das Gefühl, dass Sie versagt haben und es nicht weitergeht.

Ein Ich kann nicht mehr kann dabei sowohl beruflich als auch privat auftauchen. Nicht jede Beziehung ist für die Ewigkeit bestimmt und ist ein bestimmter Punkt erreicht oder eine Grenze überschritten, kann es der einzig richtige Weg sein, sich neuzuorientieren - sei es mit einem neuen Partner im Privatleben oder einem anderen Arbeitgeber im Beruf.

Ich kann nicht mehr: Das sollten Sie tun

Ich kann nicht mehr: Das sollten Sie tun

Ich kann nicht mehr... Das klingt sehr endgültig und ist es in den meisten Fällen auch. Sind Sie zu der Erkenntnis gekommen, dass Sie die bisherige Entwicklung nicht mehr weiter ertragen können, ist es ratsam, einen Schlussstrich zu ziehen. Das bedeutet nicht, dass Sie sich nicht dafür eingesetzt haben - ganz im Gegenteil. Wenn Sie nicht mehr weiter machen können, spricht vieles dafür, dass Sie bereits alles gegeben haben, um die Situation zu retten, doch manchmal ist das einfach nicht möglich.

Falsch ist es in jedem Fall, sich selbst die Schuld zu geben oder es gar als persönliches Versagen zu interpretieren. Die eigenen Grenzen zu kennen und diese zu respektieren, auch wenn es schwer fällt, ist viel mehr ein Zeichen von Selbstbewusstsein. Zu viele Menschen finden sich einfach damit ab, dass Sie unglücklich sind und trauen sich nicht, die nötigen Schritte der Veränderung einzuleiten.

Mit einem Ich kann nicht mehr sollten Sie also nicht aufhören, sondern erst anfangen. Wir haben ein paar Tipps zusammengestellt, die Ihnen helfen können, eine neue Richtung einzuschlagen.

  • Fragen Sie sich, was Sie wirklich wollen

    Sie wissen nun, wie es in Zukunft auf keinen Fall weiter gehen soll und was Sie unbedingt vermeiden wollen. Das ist eine gute Ausgangsposition für eine Entwicklung in die richtige Richtung, doch der erste Schritt ist trotzdem eine gründliche Selbstreflexion. Was wollen Sie ändern? Wie können Sie das erreichen? Was erwarten Sie sich davon?

    Verfallen Sie bitte nicht in eine Alles-ist-besser-als-das Mentalität. Damit befördern Sie sich nur wieder in eine Situation, die Sie auf Dauer unglücklich machen könnte. Gehen Sie lieber in sich und hinterfragen Sie, was Sie wirklich wollen und welche Motivation dahinter steht.


  • Suchen Sie das offene Gespräch

    Ist die Erschöpfung erst einmal so groß, dass Sie keinen Ausweg mehr sehen, sollten Sie sich nicht immer weiter zurückziehen und sich von anderen Menschen abschotten. Alleinsein kann zwar durchaus erholsam sein, sollte jedoch nicht zum Dauerzustand werden.

    Vertrauen Sie sich Ihrer Familie und Ihren Freunden an, sprechen Sie darüber, was Sie belastet und nehmen Sie die Hilfe an, die Ihnen geboten wird. Wenn es schwierig wird, müssen Sie nicht alles im Alleingang meistern. Es kann sehr hilfreich sein, wenn Sie jemanden haben, der Ihnen den Rücken stärkt und in dieser Zeit zu Ihnen hält.


  • Machen Sie mehr Pausen

    Berufliche Erschöpfung bis an die eigenen Grenzen ist fast immer eine Folge von Überarbeitung. Die Arbeitstage werden immer länger, die Aufgaben reihen sich aneinander und es wird von morgens bis abends durchgearbeitet, um zu versuchen, den Überblick zu behalten. Ihr Ehrgeiz macht vielleicht einen positiven Eindruck beim Chef, doch ist es so nur eine Frage der Zeit, bis Sie es nicht mehr aushalten.

    Es fällt vielen Arbeitnehmern schwer, doch Sie sollten unbedingt Ihre täglichen Pausen einhalten und nicht acht, zehn oder mehr Stunden Tag für Tag durchgehend schuften. Ab einem gewissen Punkt brauchen Kopf und Körper eine Auszeit. Diese stehen Ihnen auch gesetzlich zu, also lassen Sie sich nicht von den Erwartungen Ihres Chefs verrückt machen.


  • Überstürzen Sie nichts

    Ist man einmal an dem Punkt angekommen, an dem man für sich selbst festlegt, dass man nicht mehr kann, wollen die meisten die Veränderung so schnell wie möglich. Das ist auf der einen Seite nur verständlich. Je schneller Sie aus der Umgebung heraus kommen, die Sie unglücklich und frustriert macht, desto besser für Sie und umso schneller werden Sie von der Änderung profitieren.

    Die Veränderung sollte hierbei aber in zwei Schritten betrachtet und auch vollzogen werden. Es ist die eine Seite, möglichst zeitnah den aktuellen Job zu kündigen oder dem Partner den Laufpass zu geben. Etwas anderes ist es jedoch, sich sofort und überstürzt in eine neue Beziehung zu stürzen oder das erstbeste Jobangebot anzunehmen, ohne weiter darüber nachzudenken. Geben Sie sich selbst etwas Zeit, um mit der neuen Situation vertraut zu werden.


  • Gehen Sie spazieren

    Um akute Ich-kann-nicht-mehr-Phasen zu überwinden, kann ein langer Spaziergang
    eine gute Möglichkeit sein. Die Sauerstoffzufuhr und Bewegung bringen den Kreislauf wieder auf Trab und das Sonnenlicht sorgt für eine insgesamt bessere Laune und neue Energie, um sich auch den schwierigsten Herausforderungen zu stellen.

    Spaziergänge haben darüberhinaus einen weiteren positiven Nebeneffekt: Sie regen den Denkprozess an und steigern die kognitive Leistung. Wenn Sie gerade über einem Problem brüten, kann ein ausgiebiger Spaziergang also dabei helfen, die Lösung zu finden.


  • Machen Sie einen Kurzurlaub

    Um wirklich die maximale Erholung zu erhalten, sollten Sie einen Kurzurlaub machen. Studien zeigen, dass mehrere kleine Reisen über das Jahr verteilt deutlich mehr für die Zufriedenheit tun, als ein großer, mehrwöchiger Urlaub am Stück. Dabei muss es gar nicht immer bis ans andere Ende der Welt gehen, um sich im Anschluss deutlich besser zu fühlen.

    Der große Vorteil: Ein Kurzurlaub bringt immer auch einen Tapetenwechsel mit, Sie kriegen den Kopf wieder frei und kommen auf andere Gedanken - genau das, was Sie brauchen, wenn Ihnen Stress und tägliche Belastungen so sehr zusetzen.


  • Lernen Sie wirklich abzuschalten

    Es ist nicht leicht, nach Feierabend wirklich abzuschalten und zu erholen. Mal wird noch Arbeit mit nach Hause genommen, um es am Abend schnell fertig zu machen, ein anderes Mal zwingen Überstunden dazu, lange im Büro zu bleiben und an wieder anderen Tagen kann man an nichts anderes denken als den Stress mit den Kollegen und die Sorgen vor der anstehenden Präsentation.

    Wer nicht in der Lage ist, die Arbeit auf die tägliche Arbeitszeit zu beschränken und sich danach anderen Dingen zuzuwenden, ist früher oder später so erschöpft, dass es nicht mehr weiter geht.


  • Tun Sie etwas nur für sich

    Wer so frustriert, erschöpft und ausgelaugt ist, dass er keine Möglichkeit mehr sieht, um die aktuelle Lage noch zum Positiven zu wenden, hat in den letzten Wochen, Monaten oder gar Jahren sicherlich bereits einiges durchmachen und einstecken müssen. Gönnen Sie sich also auch einmal etwas für sich, anstatt immer nur an andere zu denken. Die Erholung wird Ihnen gut tun und hilft dabei, neue Energie für die anstehenden Aufgaben zu sammeln.

    Womit Sie die eigene Seele streicheln, bleibt Ihnen selbst überlassen. Beschenken Sie sich beispielsweise mit einem Wellness-Tag oder genießen Sie einfach nur ein paar freie Tage, an denen Sie die Seele baumeln lassen und sich um alles kümmern, außer um Stress und Probleme.

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