Kennen Sie das? Sie setzen sich voll ein und geben Ihr Bestes, doch irgendwie will der Stapel auf Ihrem Schreibtisch nicht kleiner werden. Schlimmer: Ihre Kollegen scheinen mit ihren Aufgaben problemlos klarzukommen und bringen gar kein Verständnis für Ihre Lage auf. Stopp! An dieser Stelle hake ich heute mit einer einfachen Frage ein: Sind Sie sicher, dass Sie wirklich so viel zu tun haben? Oder machen sind Druck und Stress vielleicht selbst gemacht?

Nicht, das Sie mich falsch verstehen: Es kann natürlich Phasen geben, in denen der Schreibtisch einfach überquillt und Sie mit der Arbeit nicht hinterbekommen. Doch das sollte die Ausnahme sein. Wird dieser Zustand jedoch zur Regel, kann es dafür zwei Ursachen geben:

  1. Ihre Abteilung ist hoffnungslos unterbesetzt und Sie haben ständig zu viel zu tun. In diesem Fall sollten Sie sich ernsthaft Gedanken über einen Jobwechsel machen, denn auf Dauer ist das nicht gesund.
  2. Das Problem sind nicht die Aufgaben, sondern Ihre Einstellung: Sie erwarten zu viel von sich und setzten sich so ständig unter Druck. Die schlechte Nachricht: Ihr Problem ist damit selbst gemacht. Die gute: Das können Sie ändern.

Erkennen Sie die Warnsignale

Stellt sich nur die Frage: Woran erkennen Sie, ob Stress und Druck selbst gemacht sind oder durch äußere Faktoren verursacht werden? Ein Indiz habe ich bereits zu Beginn des Artikels genannt: Wenn Ihre Kollegen mit den jeweiligen Aufgaben problemlos zurechtkommen, Sie allerdings ständig zu kämpfen haben, liegt das Problem vermutlich bei Ihnen.

Wenn jedoch alle Mitarbeiter viel zu tun haben, sollten Sie sich die folgenden vier Fragen stellen:

  • Sind die anliegenden Aufgaben eilig?
  • Wie sieht das geforderte Ergebnis aus?
  • Lohnt es sich, mehr als notwendig zu tun?
  • Was passiert, wenn ich die Aufgaben nicht rechtzeitig schaffe?

Diese Fragen dienen allesamt einem Zweck: Ihre Aufgaben und Ihre Erwartungen kritisch zu hinterfragen und zu reflektieren. Gerade wenn Sie Ihr Bestes geben wollen und hoch engagiert sind, setzen Sie den Maßstab meist höher an, als notwendig wäre.

Gut ist gut genug

Machen Sie sich bitte klar: Bei den meisten Aufgaben reicht es völlig, das verlangte Ergebnis zu erreichen. Wollen Sie dieses übertreffen, müssen Sie einen großen Aufwand betreiben und viel Energie investieren – oft ohne dadurch Anerkennung zu ernten. Es ist völlig ausreichend, eine Aufgabe “gut genug” zu erledigen – Sie müssen nicht das perfekte Ergebnis erzielen. Denn das ist erstens ohnehin unmöglich und setzt Sie zweitens massiv unter Druck.

Doch es geht noch weiter: Im Extremfall schaden Sie mit selbst gemachtem Druck nicht nur sich selbst, sondern auch Ihren Kollegen und Ihrem gesamten Team. Früher oder später werden Sie durch den ständigen Stress krank und fallen längere Zeit aus. Dann müssen die Kollegen Ihre Aufgaben zusätzlich übernehmen und die Abläufe geraten ins Stocken.

Gehen Sie es ruhig an – um Ihrer selbst Willen

Lassen Sie sich bitte auf das folgende Experiment ein: In den nächsten zwei Wochen erfüllen Sie Ihre Aufgaben pflichtbewusst und ordentlich – verzichten dabei allerdings auf übermäßiges Engagement. Konkret bedeutet das, dass Sie Aufgaben maximal zwei Tage vor der festgelegten Frist fertigstellen und die vorgegebenen Ergebnisse genau erfüllen – aber eben nicht mehr.

Schalten Sie bewusst einen Gang zurück und gehen Sie alle Aufgaben langsamer und ruhiger an. Das wird sich zu Beginn komisch anfühlen und mag auf Dauer nicht praktikabel sein. Um jedoch das Gefühl für die eigenen Grenzen und den nötigen Arbeitsaufwand zu entwickeln, ist diese selbst gemachte Entschleunigung wichtig. Nach den zwei Wochen dürfen Sie sich gerne wieder stärker engagieren – dann allerdings innerhalb Ihrer Grenzen und in einem sinnvollen Umfang.