“Der Narzissmus ist die Leitneurose der Gegenwart, so wie es zu Zeiten Sigmund Freuds die Hysterie war. Narzissten bringen zwar viele Stärken mit: Engagement, Durchsetzungskraft, Belastbarkeit. Auf der anderen Seite der Waagschale jedoch befinden sich geringe Teamfähigkeit, Taubheit für Kritik und mangelnde Einfühlung in die Mitarbeiter.”
[Gerhard Dammann, Schweizer Psychologe
in einem SPIEGEL-Interview]
“Nur die Paranoiden überleben.”
[Andy Grove, Ex-Intel-Chef]







Armin
Der Spruch von Andy Grove bezog sich aber eigentlich auf Firmen, nicht auf Personen. Weshalb sich mir der Zusammenhang hier nicht ganz erschliesst.
Jochen Mai
ich denke, er hat das nicht nur auf unternehmen gemünzt. wer andy grove’s führungsstil beobachtet und seine interviews gelesen hat, weiß, dass das durchaus auch auf ihn selbst zutreffen könnte.
Nicole
narzissmus ist bei uns nicht nur eine leitneurose, sondern lebensinhalt… und das ist definitiv personenbezogen! unsere chefetage hat null sozialkompetenz. wenn jemand krank ist oder einen unfall hat – wohlverstanden, einen arbeitsunfall – wird er als dank mit gratifikationskürzung bestraft. die chefetage weiss alles, kann alles, unser unternehmen (veranstaltungstechnik branche) ist das beste und grösste.
die mitarbeiter haben keine ahnung, können nichts und sind zu faul zum arbeiten – bei 45h-Woche, nacht- und wochenendarbeit (teilweise tagelang ohne erholtage) und tiefpreislöhnen. nein, ich übertreibe nicht. zuständig für die werbung und kommunikation habe ich mit allen mitteln versucht, etwas zu verändern. geht nicht. die chefetage hört nicht zu und weiss alles besser. konsequenz: ich habe gekündigt. und bin nicht die einzige. doch auch das scheint nicht zu interessieren. in diesem sinne kann ich den narzisssten nicht wirklich viele positiven eigenschaften abgewinnen… wo führt das hin?
Jochen Mai
ich finde, die reaktion völig richtig. auch wenn das schon etwas abgegriffen ist: als mitarbeiter bleiben einem immer 3 alternativen: love it, leave it or change it. sie haben es offenbar zuerst mit alternative 1 und 3 versucht – ohne erfolg. da ist es nur konsequent, wenn sie den arbeitgeber wechseln. mehr noch: es ist das einzig richtige, wenn einen das betriebsklima krank macht und die führungsriege null veränderungswillen zeigt.
Armin
Klar, das Motto traf und trifft auch auf Menschen bzw Karrieren zu, das hat er auch selber in seinem Buch mit genau dem Titel gesagt.
Es ging ihm dabei aber vor allem darum die strategischen Gefahren die einer Firma oder einer Karriere drohen koennen nie zu vergessen. Der Ausspruch bezieht sich vor allem darauf dass viele erfolgreiche Firmen (und auch Menschen) “complacent” (faellt mir jetzt leider gerade das Deutsche Wort nicht fuer ein) werden und dann auf einmal von Veraenderungen in ihrer Umwelt ueberrascht werden. Diese Gefahren nicht aus den Augen zu verlieren und immer wachsam zu sein, darum ging es ihm bei dem Thema.
Als Narzissten kann ich ihn irgendwie nicht sehen, zumindest nicht aus dem was ich von ihm gesehen und gelesen habe (und das war einiges, er war immerhin fuer mehrere Jahre in letzter Instanz mein Boss ;-))
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