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Welches Idealbild haben Sie von sich? Falls Sie sich gerade Gedanken darüber machen, wie Sie auf andere wirken oder gar wirken wollen... Vorsicht! Nicht nur, weil das ganz schnell unecht, affektiert und prätentiös aussehen kann. Diese Erwartungshaltung verändert vor allem Ihren eigenen Blick auf andere. Oder anders formuliert: Angenommen, Sie wollten gerade besonders clever, belesen oder eloquent dastehen, dann hat das vor allem zur Folge, dass Ihr Gegenüber auf sie prompt weniger clever, belesen oder eloquent wirken wird...

Unser Idealbild lässt andere schlechter erscheinen

Den Effekt bemerkten die beiden Psychologen Bryan Gibson und Elizabeth Poposki von der Central Michigan Universität, als sie Untersuchungen mit mehreren hundert Studenten anstellten.

Den Probanden zeigten die beiden Forscher zum Beispiel ein paar Filme, über die sie sich hinterher in Zweiergruppen unterhalten sollten. Vorab bekamen die Teilnehmer die Aufgabe, auf ihr Gegenüber einen bestimmten Eindruck zu machen:

  • introvertiert
  • glücklich
  • smart
  • extrovertiert

Hinterher mussten die Probanden sich selbst und ihren Kommilitonen bewerten.

Und siehe da: Jedes Mal schnitt der Gesprächspartner in genau jener Eigenschaft am schlechtesten ab, die die betreffende Person selbst verkörpern sollte.

Abwertungseffekt: Warum ist das so?

Gibson und Poposki erklären sich den Effekt so: Jedes Mal, wenn wir versuchen einen speziellen Eindruck zu hinterlassen, entwickeln wir dazu eine sehr spezifische (aber individuelle) Vorstellung davon, wie eine solche Person zu sein hat: ein Idealbild.

Da diesem Idealbild jedoch kaum ein Mensch entsprechen kann, schneiden sämtliche Gesprächspartner danach automatisch schlechter ab - insbesondere uns gegenüber, die wir ja gerade wenigstens versuchen, diesem Idealbild zu entsprechen. Man könnte auch sagen:

Das Idealbild schürt eine Erwartungshaltung, die zwangsläufig enttäuscht werden muss.

In der Theorie klingt das vielleicht noch harmlos. Aber stellen Sie sich jemanden vor, den entweder starke Minderwertigkeitsgefühle quälen oder der dank einer veritablen Profilneurose auf andere unbedingt intelligent(er) wirken will...

Das Ergebnis wäre eine Person, die schon bald alle anderen für Idioten hält, beziehungsweise die typische Alle-sind-doof-außer-mir-Attitüde entwickelt. Kommt einem nicht ganz unbekannt vor, wenn man an Social Media Kommentare denkt, oder?!

[Bildnachweis: Sergey Nivens by Shutterstock.com]