Zum Beispiel Helmut Lang. Der Mann, der wie kein anderer den Stil der Neunzigerjahre prägte, ist der wohl berühmteste Aussteiger und Ex-Modemacher der Welt. Sein Rücktritt fiel wie seine Mode verhältnismäßig minimalistisch aus: Lang war einfach weg. Seitdem macht er „Projekte“ und genießt das Leben auf Long Island. Wie ungleich viel schwerer fällt unsereinem der alltägliche Spagat zwischen Beruf und Privatleben. Beide Lebensbereiche auszutarieren, schaffen die meisten nur abschnittsweise: Nach einem anstrengenden Projekt gönnen sie sich eine kleine Pause, schalten ein paar Gänge zurück, räumen auf und sammeln Kräfte. Das ist die eine Alternative.
Die andere ist eine richtige Auszeit – ein Sabbatical. Das aus dem Englischen entliehene Wort stammt ursprünglich aus der Bibel und vom hebräischen Sabbat: „Im siebten Jahr soll das Land eine vollständige Sabbatruhe zur Ehre des Herrn halten“, heißt es da. Gemeint ist eine Atempause für Äcker und Ackernde. Inzwischen hat sie sich auch auf Unternehmen übertragen: Manche Firmen gestehen ihren Mitarbeitern bis zu fünf Jahre unbezahlten Urlaub ohne dass ihr Arbeitsplatz gestrichen wird, andere Mitarbeiter bekommen einen Monat Sonderurlaub, wieder andere können ihre Überstunden auf einem Arbeitszeitkonto ansparen und das Zeitsparschwein mit einem Mal schlachten. Für alle diese Sabbatical-Modelle gilt jedoch: Die Auszeit muss in den Lebenslauf passen.
Damit die berufliche Pause nicht zum Boomerang wird, sollten Sie sich vorher fragen, was Sie damit erreichen wollen: Sich regenerieren? Sich weiterbilden? Oder den Kontakt zur Familie temporär verstärken? Statistisch ist es so, dass sich die Mehrheit der Arbeitnehmer ein halbes bis ganzes Jahr Zeit nimmt – vor allem, um sich weiterzubilden. Das ist sicher gemogelt, weil der wahre Grund Überforderung/Umorientierung dem Image nicht guttut. Trotzdem ist die Masche richtig: Die Begründung sollte immer den Nutzen für das Unternehmen in den Vordergrund rücken.
Das Nächste ist eine gute Planung: Geben Sie sich und Ihrem Arbeitgeber genug Zeit, sich auf die Auszeit vorzubereiten. Eine Vorwarnzeit von bis zu eineinhalb Jahren senkt das Risiko eines Konflikts deutlich.
Klären Sie vorab auch die Modalitäten Ihrer Rückkehr und fixieren Sie diese im Arbeitsvertrag! Dabei sollte der Arbeitgeber versichern, dass Sie mit dem Wiedereinstieg auf die alte Position zurückkehren können. Wer kann, sollte sicherheitshalber eine Abfindungsvereinbarung treffen – für den Fall, dass man Ihnen eine schlechtere Stelle zuweist.
Wie Sie das Sabbatical finanzieren, hängt vom Unternehmen ab. Oft ist es besser, das Sabbatjahr durch Mehrarbeit auf einem Arbeitszeitkonto anzusparen oder für eine bestimmte Zeit auf Teile des Gehalts zu verzichten, damit das Beschäftigungsverhältnis sowie die Kranken- und Sozialversicherung während der Auszeit bestehen bleiben. Rechnen Sie aber unbedingt mit spitzem Bleistift, wie viel Geld Sie während der Zeit brauchen! Vergessen Sie dabei sporadische Reparaturen oder laufende Versicherungsverträge nicht. Wer auf Nummer sicher gehen will, erhöht den errechneten Bedarf um 20 Prozent. Die Pause soll ja auch Spaß machen!



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