Das Verhältnis von Gründern und Geldgebern ist wie eine Ehe auf Zeit. Anfangs basiert sie auf gegenseitiger Sympathie und Vertrauen, aber beide wissen: Auf Dauer reicht das nicht.

Das Abenteuer Selbstständigkeit kostet nun mal eine Stange Geld. Und die wenigsten Gründer haben genug davon flüssig. So bleibt vielen nur der Umweg über einen Betriebskredit. Für die Banken ist die Finanzierung von Startups nur mäßig attraktiv: Sie macht viel Arbeit, bringt aber wenig und ist riskant, weshalb Gründer in erster Linie Überzeugungsarbeit leisten müssen – wie eigentlich jeder, der sich von einem solchen Institut Geld leihen will.

Für Unternehmer in spe heißt das: genau kalkulieren, gründlich Angebote recherchieren, abwägen und hartnäckig bleiben. Die erste unumgängliche Hürde ist allerdings ein Bankkonto mit einem Guthaben von mindestens 15 Prozent des Firmenkapitals – und natürlich ein guter Ruf. Wer bei der Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung (Schufa) als säumiger Ratenzahler bekannt ist, kann sich die Mühe sparen: kein Kredit!

Ist diese Hürde genommen, fragen Banker zuerst nach Sicherheiten. Patente, Warenzeichen oder Gebrauchsmuster interessieren sie nicht. Das einzige, was zählt, sind Forderungen, die bei einer Pleite flüssig gemacht werden können, also etwa Wertpapiere, Sparguthaben, eine Lebensversicherung, Grundbesitz oder eine Bürgschaft von einem solventen Gönner.

Danach erst prüfen Geldgeber den Businessplan, also das Geschäftsmodell. Das ist schon aus eigenem Interesse wohl durchdacht und für die kommenden drei Jahr präzise durchkalkuliert. Dazu gehören detaillierte Pläne für Investitionen (zum Beispiel Büromöbel oder Computeranlagen), für laufende Kosten (Personal, Miete, Strom, …), zu Umsatzerwartungen (lieber konservativ als euphorisch) und Gewinnannahmen. Den Umsatz zu prognostizieren, ist freilich nicht leicht und erinnert immer ein wenig an Kaffeesatzlesen. Deshalb überzeugt hier allein eine realistische Einschätzung die auf nachprüfbaren Marktrecherchen beruht und überraschende Kostenanstiege sowie Konjunkturtäler einbezieht. Ebenso, wenn das aufgenommene Fremdkapital möglichst nur in das Umlaufvermögen investiert wird. Zudem sollten in der Kalkulation die Zinszahlungen für das Darlehen sowie anfallende Steuern berücksichtigt werden. Das beweist Weitsicht und kaufmännisches Know-how.

Achtung: Viele Jungunternehmer kalkulieren zu knapp. Wer aber knausert, knallt später umso schneller gegen die selbstgesteckte Leitplanke und muss dann auf die Schnelle Kapital nachschießen. Unnötig. Nach dem Gründungsmonitor der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) benötigen 14 Prozent der Vollzeitgründer zu Beginn mehr als 25.000 Euro.

Die gute Nachricht: Deutschland ist ein Förderparadies. Für Gründer gibt es über 1000 Förderangebote auf EU-, Bundes-, Landes- und Gemeindeebene, die sich teilweise sogar kombinieren lassen. Zu besseren Konditionen gibt es nirgendwo sonst Kapital. Viele Förderdarlehen können direkt über die Hausbank beantragt werden. Die KfW ist hierbei eine erste gute Anlaufstelle. Einziger Haken: Bis die Prämien ausgezahlt werden, mahlen bürokratische Mühlen gern ein paar Monate. Also: Zeit und Zwischenfinanzierung einplanen!

Besonderes Augenmerk legen Finanziers heute auch auf das Managementteam. Das muss ausreichend Erfahrung und fachliche Kompetenz besitzen, um das Unternehmen auch bei starkem Wachstum erfolgreich zu führen. Häufig werden – falls vorhanden – auch noch die Führungsriege der zweiten Reihe sowie einige Leistungsträger unter die Lupe genommen. Bedeutet: Qualität und Kompetenz sollte auch bei der Mitarbeiterauswahl Vorrang haben.

Und selbst wer bei den staatlichen Helfern durchs Raster fällt, ist nicht zum Aufgeben verdammt. Manchmal ist auch ein potenzieller Kunde bereit, eine Entwicklung vorzufinanzieren, wenn sie für ihn besonders wichtig oder lukrativ ist. Hier sind dann ein zukunftsweisendes Beziehungskonzept und überzeugendes Plädoyer gefragt – wie bei einem Heiratsantrag.