handschlagMein Chef hat eine Entscheidung getroffen, der ich absolut nicht zustimmen kann. Kann ich ihm das sagen?

Lass uns erst einmal klären, ob er nur eine Entscheidung getroffen hat oder damit verbunden dir auch eine konkrete Handlungsanweisung gegeben hat.

Macht denn das einen Unterschied?

Durchaus. Wenn dein Boss eine Entscheidung trifft, die dich nur mittelbar tangiert, kannst du ihm das vorsichtig sagen oder einfach die Klappe halten. Es ändert sich für dich ja kaum etwas. Ganz anders sieht die Sache aus, wenn er von dir etwas verlangt, dass deinen Werten widerspricht, dein Gewissen belastet oder dass du für einen schlimmen Fehler hälst. In diesem Fall solltest du unbedingt etwas sagen: mindestens Bedenken anmelden, wenn nicht gar widersprechen. Nur eines darfst du nicht: Die Anweisungen deines Chefs unkommentiert ignorieren. Das kann dir als Arbeitsverweigerung, Insubordination oder gar Sabotage ausgelegt werden. Und das endet schon mal mit einer Abmahnung.

Aber was sag ich dann?


Zunächst einmal solltest du ihm deine konträre Meinung nicht einfach so entgegen schleudern. Das hat nichts mit Rückgrat zu tun, sondern ist schlicht stillos. Zweitens lehrt die Erfahrung, dass man seinem Chef besser nicht vor Kollegen widerspricht. Denn falls er zugäbe, dass er einen Fehler gemacht hat, verlöre er sein Gesicht und nicht wenige Chefs fürchten damit zugleich auch Autorität einzubüßen. Deswegen werden sie dir eher vehement widersprechen. Wenn es dir also um die Sache und weniger um ein theatralisches Armdrücken mit dem Boss geht, sprich ihn lieber hinterher unter vier Augen an. Dein Widerspruch hingegen sollte den Charakter eines offenen Diskurses behalten – und keine Verurteilung sein. Von dem Intro: “Sie machen da einen schweren Fehler…” kann ich nur dringend abraten. Besser wäre: “Was Sie da vorhin von mir verlangt haben, belastet mich sehr. Ich habe dazu eine andere Meinung und möchte Sie Ihnen kurz darstellen…” Das ist natürlich auch nur eine von mehreren möglichen Varianten. Aber du spürst sicher die deutlich moderatere Tonage. Das Vierte ist, deinem Chef mit dem Widerspruch gleich Alternativen zu präsentieren. Nur so wirkt deine Kritik auch konstruktiv. Zudem signalisierst du ihm, dass du seine grundsätzliche Autorität nicht anzweifelst – und die meisten Chefs wollen das in einer solchen Situation deutlich spüren. Ein Ansatz wäre: “Ich schlage vor, ich versuche es erst auf meine Art. Wenn das nicht funktioniert, können wir es immer noch so machen, wie Sie gesagt haben…”

Und wenn er trotzdem nicht darauf eingeht?

Tja, das ist dann ein nahezu unlösbares Dilemma. Man kann mit seinem Chef nicht ewig diskutieren. Irgendwann trifft er eine Entscheidung und die steht dann. So ist das nun mal in hierarchisch strukturierten Organisationen. Entweder du ballst dann die Fäuste in den Taschen und machst den Job trotzdem – oder du musst kündigen. Es gibt nur die beiden Alternativen und nichts daran schönzureden.

Ist es denn überhaupt klug, seinem Boss zu widersprechen?

Ja. Aber nur, wenn du wirklich gute Gegenargumente hast. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Ja-Sager vielleicht kurzfristig die Sympathien ihres Chefs gewinnen. Seinen Respekt aber verdienen sich diejenigen, die ihm zu gegebener Zeit auch mal Paroli bieten und Rückgrat beweisen. Die entscheidende Aussage hierbei ist freilich zu gegebener Zeit. Dauer-Querschläger sind pain in the ass. Und von solchen Leuten trennt man sich besser bald. Aber exzellente und starke Führungspersönlichkeiten schätzen Kollegen, die ihre Meinung vertreten, weil sie wirklich mitdenken und zugleich konstruktiv sind. Davon können alle nur profitieren und daran wachsen.