nachdenklichManagerinnen bleiben öfter Single. Unfreiwillig. Je höher Frauen auf der Karriereleiter klettern, desto schlechter sind offenbar ihre Beziehungschancen. So hat sich beispielsweise in der Schweiz zwar die Zahl weiblicher Führungskräfte zwischen 1997 und 2007 von 40.000 auf 80.000 verdoppelt. Gleichzeitig stieg aber auch der Anteil der Frauen, deren Beziehungen deshalb in die Brüche gingen oder die keinen Partner mehr finden. Bezeichneten etwa 2004 noch 54,7 Prozent der Managerinnen zwischen 30 und 59 Jahren ihre Beziehung als gut, so waren es 2008 nur noch 46,7 Prozent. 20 Prozent von ihnen nannten ihre Beziehung sogar regelrecht schlecht (2004: 17,4 Prozent) und ein Drittel der Faruen hat gar keine intakte Beziehung mehr, obwohl sie sich durchaus danach sehnen.

Das ist das Ergebnis einer Studie (pdf) bei der die Züricher Management-Beraterin Christina Künzle die Beziehungsstrukturen von Managerinnen untersucht hat. Eine wesentliche Erkenntnis: Wenn Frauen Karriere machen, leidet die Liebe. So waren 2008 nur noch rund 40 Prozent der Führungsfrauen verheiratet (2004: 48,8 Prozent), der Anteil der geschiedenen Managerinnen nahm im gleichen Zeitraum gar von 14 auf 23,8 Prozent zu.

Zum Vergleich: Der Anteil verheirateter Männer ist von 2004 auf 2008 leicht gestiegen – von rund 88 Prozent auf 90 Prozent. Ebenso der Anteil verheirateter Manager mit Kindern von rund 78 Prozent auf 80 Prozent.

„Beruflich sind sie erfolgreich, doch privat leiden sie”, fasst Künzle das Dilemma der Karrierefrauen zusammen. So müssten die Managerinnen den beruflichen Aufstieg häufig mit einem privaten Abschlag bezahlen: der Einsamkeit – nicht selten sei das allerdings zum Teil auch selbstverschuldet. Denn, so Künzle, einige Frauen machen dabei immer wieder dieselben vier Fehler:

  1. Beruflich erfolgswirksames Verhalten wird ins Privatleben übernommen: Durchsetzungsstärke wird zu Hause aber als Rücksichtslosigkeit verstanden, Kostenbewusstsein als Geiz und souveränes Delegieren als Kontrolle.
  2. Besser zu sein als andere ist Voraussetzung für Erfolg im Beruf. Bewerten, messen, vergleichen ist aber privat Gift für jede Beziehung.
  3. Alles für den Job: Wochenenden werden dem Beruf geopfert, Freizeit zur Weiterbildung oder zum Netzwerken genutzt. Tödlich für die Liebe! Eine Beziehung brauche unstrukturierte Zeit, damit sich Gefühle über Gespräche entwickeln können.
  4. Erfolgreiche Frauen suchen oft Männer, die noch erfolgreicher sind als sie selbst. Durch diese Mischung aus Statusdenken und dem Versuch, privat eine alte Rollenverteilung beizubehalten, wird die Partnerauswahl jedoch enorm eingeschränkt, wenn nicht gar unmöglich.

Das sind natürlich zunächst einmal nur Thesen, die ich – zumal als Mann – ungern kommentieren würde. Aber Sie vielleicht: Deckt sich das mit Ihren Erfahrungen? Gibt es andere Gründe? Oder liegt das Problem ganz woanders?