Ein guter Manager ist authentisch, offen, ehrlich… Denkste! Natürlich sind das wünschenswerte Eigenschaften. Doch gerade beim ersten Punkt lügen sich viele Mitarbeiter selbst eins in die Tasche: Wollen Sie wirklich, dass der Chef zu jedem Zeitpunkt zeigt, was in ihm vorgeht? “Auf keinen Fall!”, lautet denn auch die Quintessenz der Psychologin Chiara Amati von der Edinburgh Napier Universität. Bei ihren Studien fand sie heraus: Um sicherzustellen, dass Mitarbeiter stets gute Arbeit leisten, müssen Manager in erster Linie eine motivierende und ermutigende Atmosphäre schaffen. So manch ehrlicher Gedanke über den Kollegen ist da eher kontraproduktiv. Effekt: Die wirklich erfolgreichen und bei Mitarbeitern auch beliebten Chefs sind tatsächlich Gefühlsunterdrücker, alles andere als authentisch.

Allerdings, das räumt die Wissenschaftlerin selbst ein, gilt dies vor allem für Manager auf der mittleren oder unteren Ebene. Darüber, also auf C-Level, nehmen sich die Führungskräfte deutlich mehr Freiheiten heraus – letztlich auch, weil sie es sich leisten können. Sie stehen schon an der Spitze. Bei allen beliebt zu sein, ist da kaum noch möglich und wird auch nicht angestrebt. Dafür sind die Manager dann aber wenigstens wieder authentisch.

Und es ist ja auch so: Nicht wenige werden gerade deswegen respektiert, Motto: Okay, er kann manchmal ein richtiges Arschloch sein, aber wenigstens hat er Rückgrat und man weiß bei ihm immer, wo man steht.

Managerinnen kämpfen mit Klischees

Ein weiteres Ergebnis der Forschungsarbeit ist allerdings auch: Für Frauen gelten häufig noch höhere Ansprüche. Für sie sei es – egal auf welcher Ebene – viel schwieriger, die wahren Gefühle zu zeigen. Denn sie hätten dabei immer mit klassischen Stereotypen zu kämpfen. Auf der einen Seite erwarte man von Managerinnen, dass sie herzlicher und fürsorglicher sind als ihre männlichen Kollegen, also nicht aggressiv oder gar mal wütend. Auf der anderen Seite sollten sie tunlichst nicht zu viele Gefühle zeigen (weinen etwa), weil sie das sofort wieder schwach aussehen lasse.

Oder wie Chiara Amati ihre Studie zusammenfasst:

We have known for some time that the emotional climate in the workplace is a key factor in employee wellbeing and performance. We have also known about the need for managers to be emotional intelligent to be successful. What we have established here is just how important it is that managers ‘perform’ or put on a public emotional show, even if they don’t feel like it.